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Analysierte Pressemitteilung:

„Besseres Hören – bessere Effekte

der Musiktherapie bei Tinnitus!“

 

Quelle: Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V. (09.11.2017)

Erkenntnisse der Inhaltsanalyse:

In der Pressemitteilung wird beschrieben, dass schwerhörige Menschen, die ein Hörgerät tragen, bessere Werte bei einer „Neuro-Musiktherapie“ gegen Tinnitus erreichen würden als schwerhörige Menschen ohne Hörgerät. Gleichzeitig geht es um einen Probandenaufruf zur weiteren Erforschung dieser Thematik. Auf Basis der Inhaltsanalyse des Textes zeigt sich, dass die Pressemitteilung vor allem Schwächen in den Qualitätsdimensionen Relevanz (nur 2 von 10 Kriterien bestmöglich erfüllt, bzw. 7 von 10 Kriterien als unzureichend codiert), Transparenz (nur 2 von 9 Kriterien bestmöglich erfüllt, bzw. 4 Kriterien als unzureichend codiert) sowie in der Vermittlung (1 von 6 Kriterien bestmöglich erfüllt, bzw. 5 von 6 Kriterien als unzureichend codiert). Gut schneidet die Pressemitteilung in den Kriterien Genauigkeit sowie bei der Beschreibung des Studiendesigns und des Ergebnisses im Abgleich mit dem Originalpaper ab.

Qualitätsdimension RELEVANZ

Die Inhaltsanalyse ergab, dass sich die Pressemitteilung auf eine Studie bezieht, die rund 640 Tage vor der Pressemitteilung veröffentlicht wurde. In der Pressemitteilung wird indes eine „aktuelle Studie“ erwähnt. Es wird zu Beginn nicht klar benannt, wer der Hauptakteur ist und wo die Studie publiziert wurde. Das Kriterium Wissenschaftlicher Kontext wurde negativ codiert, da der inhaltliche Fokus zu sehr bei der Beschreibung dieser einen Therapie bleibt. Eine Einordnung in den Forschungsstand zum Thema fehlt, ebenso fehlen Alternativen zum hier vorgestellten Ansatz. Dies wiegt in dieser Betrachtung stärker als der Umstand, dass das Kriterium Außerwissenschaftlicher Kontext als positiv codiert wurde.

Qualitätsdimension SACHGERECHTIGKEIT

Aufgrund der Überschrift mit zwei Komparativen und einem Ausrufezeichen sowie dem kurzen Vorspann, der inhaltlich eine ähnliche Richtung einschlägt wie die Überschrift, wurde das Kriterium Neutrale Sprache als „nicht erfüllt“ codiert. Die Zahlen der Probanden in der Pressemitteilung stimmen nicht mit den Zahlen in der Forschungsarbeit überein. Zudem wurden die Schlussfolgerungen auf Basis des angegebenen Zahlenverhältnisses als nicht logisch gewertet. Es ist die Rede von einer „dreifach höhere[n] Aussicht auf Therapieerfolg“. Zuvor wird jedoch ein Zahlenverhältnis von 80 Prozent zu 33 Prozent erwähnt, auf das der Satz zum Therapieerfolg folgt.

Qualitätsdimension TRANSPARENZ

Es wird ohne zusätzliche Eigenrecherche weder klar, auf welche Studie sich die Pressemitteilung bezieht, noch wird ein wissenschaftlicher Ansprechpartner genannt. Zwar werden die Kontaktdetails zur Mitarbeiterin der Öffentlichkeitsarbeit und ein kurzer Absatz zum Institut am Ende angegeben, da aber ansonsten wesentliche Informationen mit Bezug auf die Absendertransparenz fehlen, wird dieses Kriterium insgesamt als „nicht erfüllt“ gewertet. Eine ähnliche Argumentation fällt bei der Gesamtbetrachtung des Kriteriums Quellen ins Gewicht. Die Quellentransparenz wird als „nicht erfüllt“ codiert, da in der Pressemitteilung häufig nur von „wir“ geschrieben wird, ohne einmal zu Beginn die Autoren klar zu benennen. Dies passiert jedoch indirekt im letzten Textabsatz, bis dahin ist nicht eindeutig benannt, wer kommuniziert. Die Angaben zum Studiendesign wurden positiv gewertet. Zudem benennt die Pressemitteilung Grenzen der Aussagekraft. Diese sind allerdings nicht ohne Vorkenntnisse, beziehungsweise Transferleistungen verständlich. Dennoch wurde das Kriterium Methodik  insgesamt betrachtet als positiv gewichtet, da es Grenzen offenlegt und das Studienvorgehen erklärt.

Qualitätsdimension VERMITTLUNG

Die Pressemitteilung wurde in der Qualitätsdimension Vermittlung hauptsächlich negativ bewertet, da die Kriterien Verständlichkeit, Prägnanz, Gliederung und Anregende Zusätze als „nicht erfüllt“ codiert wurden. Es fehlen beispielweise Absätze und Zwischenüberschriften. Informationen wiederholen sich, bzw. wirken ungegliedert. Ein roter Faden ist aufgrund der unterschiedlichen Schwerpunkte nicht erkennbar: So geht es zunächst um die Vorstellung der Studienergebnisse, erst zum Ende wird aber klar, dass es primär eigentlich um einen Probandenaufruf geht. Die Pressemitteilung enthält Formulierungen im Nominalstil, ungeläufige Wörter und erklärt Fachbegriffe nicht (z.B. „TF-Werte“, „retrospektive Analyse“, „stabile und klinisch relevante Reduktion der Tinnitussymptomatik“).

Qualitätsdimension VIELFALT*

In der Pressemitteilung kommen keine Experten (weder eigene noch Experten, die nicht an der Studie beteiligt waren) zu Wort, weshalb das Kriterium Meinungsvielfalt ebenso wie die Quellenvielfalt negativ codiert wurde.

*Wir erfassen und bewerten diese Qualitätsdimension hier vor dem Hintergrund, dass deren Anwendbarkeit innerhalb der Wissenschafts-PR noch nicht abschließend diskutiert ist.


Fazit

35 von 38 Kriterien sind anwendbar; von den 35 anwendbaren Kriterien sind 10 (29 Prozent) bestmöglich erfüllt

Zum Vergleich: Die Bewertungen der gleichen Pressemitteilung durch den Medien-Doktor PR-Watch.

 

Inhaltsanalysen und mehr

Die gleichen Pressemitteilungen, die wir im Forschungsprojekt „Inhaltsanalysen“ untersuchen, werden von professionellen Journalisten anhand der Medien-Doktor Kriterien begutachtet. Diese Gutachten finden sich im „Medien-Doktor PR-Watch“.

 

Auch in unserem Citizen Science Projekt „Medien-Doktor Citizen“ beschäftigen wir uns mit Pressemitteilungen zu Umweltthemen – hier aus Sicht journalistischer Laien.

Legende

GrünKriterium erfüllt
GelbKriterium teilweise erfüllt
RotKriterium nicht erfüllt
WeißKriterium nicht anwendbar