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Analysierte Pressemitteilung:

„Wie sich Lebensmittelabfälle in

Betrieben vermeiden lassen“

 

Quelle: Universität Witten/Herdecke (09.05.2017)

Erkenntnisse der Inhaltsanalyse:

Laut der Pressemitteilung der Universität Witten/Herdecke haben Wissenschaftler einen Leitfaden gegen Lebensmittelabfälle auf Produktionsebene in der Ernährungsindustrie entwickelt. Zudem werden ökologische und sozialen Auswirkungen von Lebensmittelabfällen generell betrachtet. Die Ergebnisse der Inhaltsanalyse zeigen, dass die Pressemitteilung in der Qualitätsdimension „Sachgerechtigkeit“ besonders gut abschneidet (5 von 5 anwendbaren Kriterien als bestmöglich erfüllt codiert), die Codierung der „Transparenz“-Kriterien deutet jedoch Mängel an (3 von 9 anwendbaren Kriterien als bestmöglich erfüllt codiert).

Qualitätsdimension RELEVANZ

Die Pressemitteilung wurde knapp 40 Tage nach einer Pressemitteilung des Verbraucherschutzministeriums NRW veröffentlicht, in welcher das Ministerium den Leitfaden als „jetzt veröffentlicht“ benennt. Der Leitfaden selbst scheint sogar aus dem Jahr 2016 zu stammen. Das Kriterium „Aktualität“ wurde damit als nicht erfüllt bewertet, ebenso ein weiteres Kriterium, das sich mit dem zeitlichen Anlass auseinandersetzt. Die restlichen sieben Kriterien wurden als bestmöglich erfüllt codiert.

Qualitätsdimension SACHGERECHTIGKEIT

Die Inhaltsanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass die in der Pressemitteilung enthaltenen Informationen sachgerecht sind. Das heißt, die Inhalte in der Pressemitteilung stimmen – gemessen an den untersuchten Kriterien – in ihrer Darstellung mit jenen in der wissenschaftlichen Veröffentlichung überein. Aus diesem Grund wurden hier alle Kriterien als bestmöglich erfüllt codiert.

Qualitätsdimension TRANSPARENZ

Die Transparenz der Methodik und der Quellen wurde als nur teilweise erfüllt bewertet. So wird beispielsweise nicht klar, wie breit die Studienbasis für den erstellten Leitfaden und wie der Austausch mit den Vertretern der Lebensmittelbranche gestaltet war. Quellenangaben fehlen oder Quellen wurden im Sinne unserer Kriterien nicht ausreichend transparent angegeben (z.B. welche Funktion oder fachlichen Hintergrund hat der zitierte Experte?). Zudem enthielt die Pressemitteilung keine Kontaktangaben der Pressestelle.

Qualitätsdimension VERMITTLUNG

Das Kriterium „Verständliche Sprache“ wurde als nur teilweise erfüllt angesehen, da im Text unter anderem viele Formulierungen im Nominalstil vorkommen, die das Lesen erschweren und Sätze in die Länge ziehen. Fehlende Zwischenüberschriften und längere Absätze haben den Ausschlag gegeben, das Kriterium „Gliederung / Ordnung“ als nur „teilweise erfüllt“ zu codieren.

Qualitätsdimension VIELFALT

Die Inhaltsanalyse ergab für die Qualitätsdimension „Vielfalt“, dass die Pressemitteilung eigene Experten kommentieren lässt und neben der eigenen Einrichtung eine zweite Quelle (FAO) angibt, um Fakten nachprüfbar zu machen.

*Wir erfassen und bewerten diese Qualitätsdimension hier vor dem Hintergrund, dass deren Anwendbarkeit innerhalb der Wissenschafts-PR noch nicht abschließend diskutiert ist.


Fazit

31 von 35 Kriterien sind anwendbar; von den 31 anwendbaren Kriterien sind 18 (58 Prozent) bestmöglich erfüllt.

 

Zum Vergleich: Die Bewertungen der gleichen Pressemitteilung durch den Medien-Doktor Citizen und den Medien-Doktor PR-Watch.

 

GrünKriterium erfüllt
GelbKriterium teilweise erfüllt
RotKriterium nicht erfüllt
WeißKriterium nicht anwendbar

Inhaltsanalysen und mehr

Die gleichen Pressemitteilungen, die wir im Forschungsprojekt „Inhaltsanalysen“ untersuchen, werden von professionellen Journalisten anhand der Medien-Doktor Kriterien begutachtet. Diese Gutachten finden sich im „Medien-Doktor PR-Watch“.

 

Auch in unserem Citizen Science Projekt „Medien-Doktor Citizen“ beschäftigen wir uns mit Pressemitteilungen zu Umweltthemen – hier aus Sicht journalistischer Laien.