medien-doktor.de Monitoring für Wissenschaftsberichterstattung tu - technische universität Dortmund

Analysierte Pressemitteilung:

„Erdgasanlagen ohne CO2-Ausstoß“

 

Quelle: Technische Universität Wien (10.05.2017)

Erkenntnisse der Inhaltsanalyse:

In der Pressemitteilung wird ein Verfahren der Erdgasverbrennung beschrieben, bei dem das entstehende Kohlendioxid (CO2) abgeschieden wird, sodass es gespeichert oder weitergenutzt werden kann. Durch die Inhaltsanalyse wurde vor allem in den Dimensionen Sachgerechtigkeit und Vermittlung Verbesserungspotenzial identifiziert.

Qualitätsdimension RELEVANZ

In der Pressemitteilung werden zu Beginn die meisten wesentlichen Fakten erwähnt. Im Fokus steht die eigene Methode, es findet nur teilweise eine Einordnung in den Forschungsstand und des Neuigkeitswertes statt, beispielsweise im Vergleich zu anderen Projekten aus der Fachdisziplin. Das Kriterium Wissenschaftlicher Kontext wurde daher als nur „teilweise erfüllt“ codiert. Zudem wird nicht klar benannt, wo eine mögliche Anlage eingesetzt werden könnte, und wie teuer die Technologie voraussichtlich wäre.

Qualitätsdimension SACHGERECHTIGKEIT

Die Inhaltsanalyse ergab, dass quantitative Angaben „teilweise ungenau“ sind, obwohl genauere Zahlen genannt werden könnten. Zum Beispiel wird erwähnt, dass die Verbrennung mit Erdgas „deutlich sauberer“ sei als die Verbrennung von Kohle oder Erdöl, oder dass die TU Wien „vor einigen Jahren“ bereits mit einer solchen Versuchsanlage gearbeitet hätte. Diese vagen Formulierungen werden nicht präzisiert. Da andere Angaben aber genau sind, wurde das Kriterium Genauigkeit als „teilweise erfüllt“ bewertet. Wörter und Ausdrücke wie „Kunststück“, „so umweltfreundlich war Erdgasnutzung noch nie“, „Das Ziel ist erreicht“ oder die zweimalige Erwähnung des „erfolgreichen“ Vorhabens gaben den Ausschlag, das Kriterium Neutrale Sprache als „nicht erfüllt“ zu codieren.

Qualitätsdimension TRANSPARENZ

Während die Beschreibung der Methodik als transparent codiert wurde, fiel das Ergebnis bei der Messung der Transparenz der Quellen nicht so positiv aus. Unter anderem fehlen Quellenangaben zu Fakten, die als wesentlich für die Einordnung des Hauptergebnisses angesehen wurden (z.B. „Die Verbrennung von Erdgas ist deutlich sauberer als …“). Daher wurde das Kriterium Quellenangaben als nur „teilweise erfüllt“ codiert. Auch Informationen über die Finanzierung der Forschung fehlen. Zudem sind keine Kontaktdaten der Pressestelle angegeben.

Qualitätsdimension VERMITTLUNG

Die Inhalte der Pressemitteilung wurden als verständlich vermittelt bewertet. Unter anderem aufgrund von inhaltlichen Sprüngen, redundanten Passagen und weitschweifigen Ausführungen sowie eines Rechtschreibfehlers wurden indes 4 von 7 Kriterien als „nicht“ oder nur „teilweise erfüllt“ codiert.

Qualitätsdimension VIELFALT

Die Inhaltsanalyse ergab für die Qualitätsdimension Vielfalt, dass nur eigene Experten das Ergebnis kommentieren. Zusätzlich zur eigenen Studie wird noch eine weitere Quelle (IPCC) genannt. Daher wurden die Kriterien Meinungsvielfalt und Quellenvielfalt als „teilweise erfüllt“ codiert.

*Wir erfassen und bewerten diese Qualitätsdimension hier vor dem Hintergrund, dass deren Anwendbarkeit innerhalb der Wissenschafts-PR noch nicht abschließend diskutiert ist.


Fazit

28 von 35 Kriterien sind anwendbar; von den 28 anwendbaren Kriterien sind 12 (43 Prozent) bestmöglich erfüllt.

7 Kriterien sind nicht anwendbar, da der Pressemitteilung keine Publikation zugrunde liegt.

Inhaltsanalysen und mehr

Die gleichen Pressemitteilungen, die wir im Forschungsprojekt „Inhaltsanalysen“ untersuchen, werden von professionellen Journalisten anhand der Medien-Doktor Kriterien begutachtet. Diese Gutachten finden sich im „Medien-Doktor PR-Watch“.

 

Auch in unserem Citizen Science Projekt „Medien-Doktor Citizen“ beschäftigen wir uns mit Pressemitteilungen zu Umweltthemen – hier aus Sicht journalistischer Laien.

Legende

GrünKriterium erfüllt
GelbKriterium teilweise erfüllt
RotKriterium nicht erfüllt
WeißKriterium nicht anwendbar