Was macht Medien-Doktor Gesundheit?

Wir beurteilen die Qualität medizin- journalistischer Beiträge in Publikums- medien nach festgelegten Kriterien und geben Tipps für das journalistische Handwerk. So hoffen wir, die Berichterstattung über neue Therapien, Arzneimittel, Tests und Behandlungsarten besser und verständlicher zu machen.

Sprechstunde aktuell

„Echinacea-Extrakt kann Sars-CoV-2 in der Zellkultur inaktivieren – doch wird das helfen?“

Groß ist der Wunsch, sich in der bald anbrechenden, kalten Jahreszeit gegen das neue Coronavirus zu wappnen. Kaum verwunderlich also, dass das Naturprodukt Echinacea in Apotheken in der Schweiz zeitweilig ausverkauft war, nachdem Medien über eine mögliche Schutzwirkung des Mittels berichtet hatten. Sie bezogen sich auf eine aktuelle Studie, in der die Wirkung auf Sars-CoV-2 allerdings nur im Laborversuch getestet wurde, nicht am Menschen. Dies macht ein aktueller Bericht der Neuen Zürcher Zeitung deutlich. Leider wird im Beitrag jedoch nicht klar, dass einige der an der Studie beteiligten Wissenschaftler für die Schweizer Firma tätig sind, die das Produkt verkauft.

„Echinacea-Extrakt kann Sars-CoV-2 in der Zellkultur inaktivieren – doch wird das helfen?“

„Corona-Schutz: Maske oder Visier?“

Selbst genäht und gut geschützt? Worauf es bei Schutzmasken ankommt und welchen Schutz Visiere gegen eine Infektion gegen das neue Coronavirus bieten, wird derzeit intensiv diskutiert. Da ist es positiv zu werten, dass sich ein Fernsehbeitrag des WDR der Thematik annimmt und versucht, verlässliche Antworten zu geben. Anschaulich und lebendig werden Zusammenhänge erklärt sowie der Aufbau einer aktuellen Studie dargestellt. Dabei wird allerdings leider versäumt, die sehr eingeschränkte Aussagekraft dieser noch unveröffentlichten Untersuchung zu thematisieren.


Experte: „Es war nicht einfach, die Schutzwirkung von Masken zu beweisen“

Kaum ein Thema wurde in den vergangenen Monaten so intensiv diskutiert wie die Frage, ob das Tragen eines Mundschutzes vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus schützen kann. Lange zögerten etwa die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wie auch das Robert-Koch-Institut (RKI), diese Maßnahme flächendeckend zu empfehlen. Wie aber kam es zu dieser Verzögerung? Und auf welchen Daten beruhen die Empfehlungen eigentlich? Ein Interview in der Berliner Zeitung mit einem der Studienautoren einer großen Metaanalyse zum Thema klärt viele offene Fragen und legt dar, wie schwierig es war und ist, verlässliche Daten zum Thema zu generieren.


„Hat Russland den Corona-Impfstoff schon?“

Längst hat sich die Suche nach einem Impfstoff gegen das neue Coronavirus auch zu einem politischen Wettstreit entwickelt. In einem Beitrag des „Tagesspiegel“ wird nun der Chef eines russischen Staatsfonds zitiert, der das internationale Wettrennen um einen Impfstoff mit jenem um den ersten Satelliten im All vergleicht. Russland will auch diesmal ganz vorn mit dabei sein, im August schon sollen Ärzte, Pflegepersonal und Lehrer den noch nicht zugelassenen Impfstoff erhalten. Was über den Wirkstoff bekannt ist und warum dieses Vorgehen riskant ist, beschreibt der Artikel recht kurz und knapp.


„Selen gegen Covid-Tod? Auch in Aschaffenburg entstand dazu weltweit erste Studie“

Was, wenn es möglich wäre, mit der Einnahme des Spurenelements Selen einer Covid-19-Erkrankung vorzubeugen? Über eine kleine Studie, die so einen Zusammenhang vermuten lässt, berichtet ein Artikel im Main-Echo. Auch wenn im journalistischen Beitrag erwähnt wird, dass es sich dabei bislang nur um eine Hypothese handelt, fällt die Gesamtdarstellung der Evidenz zu positiv aus. Eine Einordnung durch einen von der Studie unabhängigen Experten wäre hier wichtig gewesen, um den Leserinnen und Leser einen objektiveren Einblick in die Evidenzlage zu gewähren.