Was macht Medien-Doktor Gesundheit?

Wir beurteilen die Qualität medizin- journalistischer Beiträge in Publikums- medien nach festgelegten Kriterien und geben Tipps für das journalistische Handwerk. So hoffen wir, die Berichterstattung über neue Therapien, Arzneimittel, Tests und Behandlungsarten besser und verständlicher zu machen.

„Unfassbar Junge isst jahrelang nur Pommes und Chips – jetzt ist er blind“

In dieser Woche haben wir ein Thema aufgegriffen, über das in den vergangenen Tagen viele deutsche Medien berichtet hatten: Ein Junge aus Großbritannien hat sich demnach über Jahre hinweg von Chips und Pommes, Schinken und Weißbrot ernährt. Er entwickelte (unter anderem) einen ausgeprägten Vitamin B12-Mangel, nun ist er fast blind. Diesen Fallbericht hat auch die Hamburger Morgenpost (online) zum Anlass für einen kurzen Artikel genommen, es allerdings versäumt, medizinische Zusammenhänge verständlich zu erklären. Leider finden sich auch Faktenfehler im Text. Die ungelenken Formulierungen lassen zudem vermuten, dass hier zumindest teilweise aus dem Englischen übersetzt wurde.

„Unfassbar Junge isst jahrelang nur Pommes und Chips – jetzt ist er blind"

„Hormontherapien erhöhen das Brustkrebsrisiko“

Ein aktueller Beitrag der Deutschen Presseagentur (dpa) greift ein viel diskutiertes Thema auf: Welche Risiken birgt eine Hormonersatztherapie für Frauen in den Wechseljahren? Der Artikel nimmt dabei eine große Studie zum Anlass und berichtet präzise und gut verständlich über das Thema. Uns sind nur kleine Schwächen aufgefallen – etwa, dass kaum auf Alternativen zur Hormonersatztherapie eingegangen wird.


„Stuhltransplantation – So gefährlich ist der Eingriff“

Über Stuhltransplantationen als mögliche Therapie für Patienten, die sich mit Antibiotika-resistenten Bakterien infiziert haben, berichtet das Hamburger Abendblatt (online). Hier liegt ein gut geschriebener Artikel vor, der das Thema weitgehend verständlich erklärt. Wünschenswert wären aber eine Recherche zur Studienlage, die Thematisierung von möglichen Interessenkonflikten der Experten und eine klarere Darstellung von Nutzen und Nebenwirkungen gewesen.


„Häkeln und Hacken gegen Demenz?“

Im Artikel von Spektrum.de wird ein wichtiges Thema aufgegriffen: eine Studie, wie sich das Risiko einer Vorstufe von Demenz mindern lässt. Die untersuchte Bedeutung von Alltagsaktivitäten wie Handarbeit, Computernutzung und auch sozialen Aktivitäten wird im Beitrag deutlich. Obwohl in anderen Studien viele weitere Möglichkeiten der Risikoreduktion genannt werden, beschränkt sich der Beitrag nur auf jene, die in der vorliegenden Arbeit untersucht wurden. Die Faktendarstellung ist zwar teils unpräzise, doch insgesamt ist der Beitrag gelungen.


„Forscher wollen das Altern besiegt haben“

Der Artikel auf Zeit Online hat eine faszinierende Thematik aufgegriffen: Ob es wohl möglich ist, das Altern aufzuhalten oder gar umzukehren. Im Text wird eine neue Studie beschrieben, die allerdings bislang nur auf einem Kongress vorgestellt und nicht den üblichen Peer-Review-Prozess eines Fachjournals durchlaufen hat. Zwar wird dies im Artikel mehrfach erläutert, doch gleichzeitig ist von einer „Zeitenwende“ und einer möglichen „Revolution“ die Rede, was den Lesern und Leserinnen suggerieren könnte, dass es sich hier um einen bedeutenden wissenschaftlichen Durchbruch handelt.