„Studie: Guter Schlaf minimiert Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“

Von uns bewertet am 10. Januar 2020

Veröffentlicht von: dpa

Gesunder Schlaf könnte womöglich langfristig das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen senken, so berichtet es die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in einem aktuellen Artikel. In verständlicher und differenzierter Weise werden die Ergebnisse einer medizinischen Studie dargelegt, auch ein unabhängiger Experte wird zitiert.

Zusammenfassung

Nicht zum ersten Mal wird darüber berichtet, dass ein guter Schlaf womöglich mit einem erniedrigten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen einhergeht. In diesem aktuellen Beitrag der dpa geht es allerdings um die Auswertung eines riesigen Datenpools, die diese Zusammenhänge noch besser beleuchten soll. Im Artikel wird die Qualität der Evidenz der erwähnten Studie eingeordnet, die Analyse-Ergebnisse werden ausführlich dargestellt. Allerdings zeigt der als Positiv-Beispiel vorgeschlagene Artikel auf den zweiten Blick auch kleine Schwächen: Wenn schlechter Schlaf das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen tatsächlich erhöhen soll, hätten wir uns mehr Informationen über Therapiemöglichkeiten zur Verbesserung der Schlafqualität gewünscht. Es hätte zudem noch deutlicher herausgestellt werden können, dass die Datenanalyse lediglich eine Korrelation zwischen Schlafqualität und dem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen darstellt, ein ursächlicher Zusammenhang daraus jedoch nicht direkt abzuleiten ist.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Der NUTZEN ist ausreichend und verständlich dargestellt.

Gleich zu Beginn fasst der Artikel den Nutzen zurückhaltend zusammen: „Guter Schlaf kann möglicherweise das Risiko für Herzerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall senken. … Gesunder Schlaf könnte demnach möglicherweise jeden zehnten Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern.“ Später erfolgt eine weitere Quantifizierung der Studienergebnisse und damit des potentiellen Nutzens: „Menschen mit insgesamt sehr gutem Schlaf waren demnach generell um ein Drittel (34 bis 35 Prozent) weniger gefährdet als Menschen mit besonders schlechter Nachtruhe.“ Schließlich quantifiziert der Beitrag die statistische Korrelation von Schlafqualität und genetischem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Dabei wird deutlich gemacht, dass solche Ergebnisse keinen kausalen Zusammenhang nachweisen können. Allerdings wäre es hilfreich gewesen, wenn diese Einordnung etwas früher im Text erfolgt wäre. Insgesamt ist der Nutzen aber ausreichend und verständlich dargestellt.

2. RISIKEN und Nebenwirkungen werden angemessen berücksichtigt.

Da es im vorliegenden Artikel um die gesundheitlichen Vorteile eines guten Schlafs geht, erübrigt es sich, Risiken dieser „Behandlung“ zu thematisieren. Die Berichterstattung über die Risiken ist also angemessen. Wir werten „ERFÜLLT“.

3. Die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) wird richtig eingeordnet.

Der Artikel versucht die Qualität der Studie gleich zu Beginn mit dem Zitat eines unabhängigen Experten einzuordnen: „… spricht von sehr robusten Daten aus einer riesigen Kohorte.“ Der Beitrag nennt auch die hohe Anzahl der erfassten Personen und diverse Einflussfaktoren, die in der Studie berücksichtigt wurden: „… britische Datenbank mit Informationen zu mehr als 357 000 Menschen europäischer Abstammung aus. Diese waren zu Studienbeginn 37 bis 73 Jahre alt und hatten keine Herzerkrankung. Zudem erfassten die Forscher Daten zu 84 genetischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie zur Schlafqualität der Teilnehmer – Schlafdauer, Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie), Schnarchen, Tagesschläfrigkeit sowie Angaben zum Chronotyp, also ob jemand eher eine Nachteule oder eine Lerche (Morgentyp) ist.“ Da ausführlich diskutiert wird, welche Erkenntnisse sich aus den Studienergebnissen ableiten lassen und welche nicht, bekommen die Leser einen zutreffenden Eindruck von der Aussagekraft der Studie.

4. Es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENSKONFLIKTE hingewiesen.

Ein Experte zum Thema Schlafmedizin, „der nicht an der Arbeit beteiligt war“, analysiert und kommentiert die Studie kritisch. Interessenkonflikte kommen nicht zur Sprache, werden aber in der Studie auch nicht benannt. Unsere Recherchen haben ebenfalls keine Hinweise auf offenkundige Interessenskonflikte ergeben. Wir werten dieses Kriterium daher als „ERFÜLLT“.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Der Beitrag lässt das Thema durch einen unabhängigen Experten einordnen und liefert über die Studie und begleitende Pressemitteilung hinausgehende Informationen. Zudem bringt der Text Aussagen aus der Originalstudie, die in der Pressemitteilung nicht vorkommen („Gesunder Schlaf könnte demnach möglicherweise jeden zehnten Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern, schreibt das Team …“). Somit geht er über die Pressemitteilung deutlich hinaus.