Abgeschlossene Projekte
Eine Kurzübersicht über einen Teil der Medien-Doktor Projekte finden Sie in einem Flyer, den Sie hier als pdf herunterladen können: Medien-Doktor Flyer (Stand 2019)
Special Regionaljournalismus (Januar 2023 bis Februar 2024)
Spätestens seit der Pandemie sind Medizinthemen in Regionalmedien wieder präsenter geworden, aber auch allgemeine Gesundheits- und Ernährungstipps bleiben ein häufiges Thema. Oft gibt es dort allerdings nur wenige spezialisierte Redakteurinnen und Redakteure, die medizinische Studien und Fachleute schnell und kompetent bewerten können. Im Rahmen des Medien-Doktor-Projektes „Medien-Doktor ASSISTANCE“ haben wir daher mit Praxis-Partnern der Ruhr Nachrichten und der Nürnberger Zeitung sowie weiterer Redaktionen im Rahmen eines Qualitätsnetzwerks zur Qualität der Wissenschafts- und Medizinberichterstattung in Regionalmedien zusammengearbeitet. Die daraus resultierenden Gutachten sollten beispielhaft helfen, die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen lokaljournalistischer Medienberichterstattung herauszuarbeiten. Sie erschienen mit einem entsprechenden Vermerk, der auf das ASSISTANCE-Projekt verweist, auf unseren Seiten unter „Alle bewerteten Beiträge“. Dieses Teilprojekt des Medien-Doktor ASSISTANCE war ein Kooperationsprojekt des Lehrstuhls Wissenschaftsjournalismus, der Fakultät für Statistik an der TU Dortmund und des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme. Das Projekt wurde von der Wissenschaftspressekonferenz (wpk) im Rahmen des Innovationsfonds Wissenschaftsjournalismus gefördert.
Alle Beiträge des Regionaljournalismus-Special finden Sie hier.
Mehr zur aktuellen Entwicklung des Medien-Doktor ASSISTANCE finden sie hier.
Special „Frauenzeitschriften“ (April-November 2022)
Wie ist es um die Qualität der Medizin- und Gesundheitsberichterstattung in sogenannten Frauenzeitschriften bestellt? In diesem Special hat sich der Medien-Doktor GESUNDHEIT für einen bestimmten Zeitraum ganz bewusst der Berichterstattung zu Medizin- und Gesundheitsthemen in sogenannten Frauenzeitschriften gewidmet. Alle in diesem Special erschienenen Gutachten erschienen mit einem entsprechenden Vermerk zur Special-Zugehörigkeit.
Medien-Doktor Citizen (Mai 2018 - Juli 2019)
Seriöse Wissenschaft, eher Marketing, oder gar Fake-News? Wer in Radio, Fernsehen, in Printmedien oder online nach wissenschaftlich fundierten Informationen über Umweltthemen sucht, steht oft vor dieser Frage. Aber wie lässt sich die Zuverlässigkeit und Qualität der Beiträge beurteilen?
Nachdem wir im Medien-Doktor UMWELT des Lehrstuhls Wissenschaftsjournalismus der TU Dortmund mit erfahrenen Wissenschafts- und Umweltjournalist:innen Kriterien dafür entwickelt haben, was Umweltjournalismus leisten soll und was dessen Qualität aus journalistischer Sicht ausmacht, ging es im Projekt Medien-Doktor CITIZEN um die Sicht der Rezipient:innen: Was erwarten Leser:innen, Hörer:innen und Zuschauer:innen von der Umweltberichterstattung? Was macht aus ihrer Sicht „guten Umweltjournalismus“ aus? Welche inhaltlichen Fragen sind ihnen wichtig? Wie können Medienbeiträge Interesse für Umweltthemen wecken? Welche Beiträge sind gut verständlich?
In einem Pilotprojekt haben wir mit einem Team interessierter Bürgerinnen und Bürger aus Münster, die sich für Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen engagieren, einen ersten Kriterienkatalog entwickelt. Anhand dieser Bürger-Kriterien begutachteten die Teilnehmenden des Projekts als „Citizen-Scientists“ ab dem Herbst 2018 Medienbeiträge und auch Pressemitteilungen. Neben speziell zu Umweltfragen engagierten Menschen waren auch Schülerinnen und Schüler in das Projekt einbezogen. Wir wollten in Erfahrung bringen, was jungen Rezipient:innen bei Beiträgen zu Umweltthemen wichtig ist, Qualitätsmaßstäbe mit Ihnen diskutieren und so auch einen Beitrag zur Stärkung der Medienkompetenz leisten.
Symposium: Wissenschaftskommunikation aus Bürgersicht
Alle in diesem Special veröffentlichten Beiträge finden Sie hier.
Publikation: Wormer, H., Rögener, W. (2020). Gute Umweltkommunikation aus Bürgersicht. Ein Citizen-Science-Ansatz in der Rezipierendenforschung zur Entwicklung von Qualitätskriterien. M&K Medien & Kommunikationswissenschaften 2020 (4). NOMOS: Baden-Baden. (nomos-elibrary.de/10.5771)
MEDIATE (2017-2020)
Nicht-invasive Bluttests zur Diagnose von Trisomien und anderen genetischen Defekten beim ungeborenen Kind bieten Ärzt:innen und Betroffenen neue Möglichkeiten der Früherkennung, verschärfen allerdings auch ethische und soziale Fragen. In ähnlicher Weise umstritten sind Schnell- bzw. Heimtests zur Selbstdiagnose von Darmkrebs oder einer HIV-Infektion, die über das Internet erworben und ohne ärztlichen Rat durchgeführt werden können.
Den Medien kommt daher eine wichtige Rolle in der Vermittlung von Informationen über medizinische Diagnoseverfahren zu. Darüber hinaus steht der Journalismus vor der Herausforderung, den öffentlichen Diskurs über die Fortschritte in der medizinischen Diagnostik herzustellen und zu moderieren.
Das Projekt MEDIATE hatte daher zum Ziel, den öffentlichen Diskurs über diagnostische Tests durch eine evidenzbasierte, ethisch reflektierte Wissenschaftskommunikation zu fördern und zu verbessern und so wichtige Impulse für die gesellschaftliche Aufklärung und Diskussion zu geben. Im Fokus sollten insbesondere nicht-invasive molekulargenetische Bluttests im Bereich Pränataldiagnostik stehen. Darüber hinaus sollten auch weitere Diagnoseverfahren, etwa zur Bestimmung von Erkrankungen bzw. persönlichen Krankheitsrisiken, darunter vor allem medizinische Selbsttests, einbezogen werden.
Kern des MEDIATE-Projekts war eine Reihe von Workshops mit jungen Wissenschaftsjournalist:innen des Instituts für Journalistik (IJ) und Ärzt:innen des Uniklinikums Freiburg. In einem gemeinsamen Quality Assessment haben die angehenden Wissenschaftsjournalist:innen und Ärzt:innen mit Unterstützung von erfahrenen Kolleg:innen die Qualität wissenschaftsjournalistischer und institutioneller Medizinkommunikation über diagnostische Testverfahren an konkreten Fallbeispielen in einem mehrstufigen, diskursiven Prozess evaluiert. Die Teilnehmenden, die an unterschiedlichen Schnittstellen der Wissenschaftskommunikation – in Forschung und Klinik bzw. Arztpraxis, in der Öffentlichkeitsarbeit sowie im Journalismus – an der Kommunikation über diagnostische Testverfahren mitwirkten, wurden so zu einem nachhaltigen Austausch über die gesellschaftlichen Folgen der Entwicklungen in der Medizin angeregt. Darüber hinaus wurden Qualitätskriterien für einen evidenzbasierten und publikumsorientierten Wissenschaftsjournalismus weiterentwickelt.
In dem vom BMFTRR geförderten Verbundprojekt kooperierte das IJ unter der Leitung von Prof. Holger Wormer mit dem Team vom „Medien-Doktor Medizin“ sowie mit dem Institut für Evidenz in der Medizin, das mit der Cochrane Deutschland Stiftung verbunden und am Uniklinikum Freiburg angesiedelt ist. Cochrane ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftler:innen und Ärzt:innen, das die wissenschaftlichen Grundlagen für Entscheidungen im Gesundheitssystem verbessern will. Das Dortmunder Teilprojekt wurde von Dr. Julia Serong geleitet.
Im Rahmen des MEDIATE-Projekts wurden ausgewählte journalistische Beiträge (mehr als 200 Wörter) aus Publikumsmedien bewertet, bei denen im Zentrum der Berichterstattung (d. h. in mehr als 50 Prozent des Beitrags) ein diagnostischer Test steht. Exemplarisch wurden Beiträge über nicht-invasive Pränataldiagnostik und über HIV-Selbsttests bewertet. Für die Bewertungen wurden folgende Kriterien verwendet und folgendes Sternesystem.
Hier finden Sie die bewerteten Beiträge
Hier finden Sie die begleitenden Blogbeiträge des Projekts
Auslandberichterstattung zu Energie und Klima (2016-2017)
Energie- und Klimathemen in der Auslandsberichterstattung deutscher Medien
„Global denken – lokal handeln!“ gehört spätestens seit der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992 zu den bekanntesten Maximen derer, die sich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Ergebnisse des Projekts Medien-Doktor UMWELT deuten darauf hin, dass die meisten Beiträge zu umweltwissenschaftlichen Themen in deutschen Medien Bezüge zwischen regionalen, nationalen und internationalen Aspekten zumindest erwähnen (Rögener & Wormer 2015 [1]). Ob aber der Umweltjournalismus die internationale Dimension von Umwelt- und speziell von Energie- und Klimathemen angemessen berücksichtigt, schien nach einer Vorstudie am Lehrstuhl fraglich. Daher ging ein Team des Lehrstuhls Wissenschaftsjournalismus dieser Frage gründlicher nach: mittels Inhaltsanalysen von Beiträgen in Print- und Online-Medien, in Leitfadeninterviews und mit einer Online-Befragung.
Die Ergebnisse zeigten: Auslandsthemen kamen in der Energie- und Klimaberichterstattung eher selten vor. Unter deutschen Journalistinnen und Journalisten wurde hier ein deutliches Defizit bei der Berichterstattung über konkrete Beispiele und Geschichten aus dem Ausland wahrgenommen. Ursache war den Befragungen zufolge nicht Desinteresse an internationalen Aspekten von Energie und Klimathemen, sondern primär das schwierige wirtschaftliche Umfeld für aufwändige Recherchen, insbesondere für freiberufliche Journalist:innen. Stiftungsfinanzierte Stipendien und andere Fördermaßnahmen schienen demnach geeignet, positive Anstöße zu geben.
Eine englische Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse findet sich hier .
[1] Rögener, W./Wormer, H. (2015): Defining criteria for good environmental journalism and testing their applicability: An environmental news review as a first step to more evidence based environmental science reporting. Public Understanding of Science 1, 16. doi: 10.1177/0963662515597195
KLIMA-Special (April - Juli 2014)
Abschlussbericht
Vom 7. – 11. April 2014 fand in Berlin die Plenarsitzung des Weltklimarats (IPCC) mit der Verabschiedung des Teilberichts der IPCC-Arbeitsgruppe 3 zum 5. IPCC-Sachstandsbericht statt. In den Wochen um diesen Anlass herum konzentrierte sich der Medien-Doktor UMWELT ganz auf die Klima-Berichterstattung. Im Rahmen dieses auf der Webseite gesondert dargestellten Klima-Specials wurden 16 Gutachten zu Beiträgen erstellt, die sich speziell mit Klimathemen befassten. Dafür wurden 8 Gutachten aus der laufenden Berichterstattung während dieser Zeit ausgewählt, weitere 8 wurden retrospektiv erstellt; in dieser zweiten Phase wurden Lücken geschlossen, die sich bei der Zufallsauswahl der ersten Phase ergeben hatten. So wurden in der zweiten Phase gezielt Fernsehbeiträge aus Nachrichtensendungen sowie Beiträge aus Regionalzeitungen begutachtet.
1. Auswertung der 16 Klima-Special Gutachten
Im Mittel wurden für die die Beiträge des Klima-Special gut 3 Sterne (3,06) vergeben. 3 Beiträge erreichten mit 5 Sternen die höchste Wertung. Damit erreichten diese Beiträge eine etwas höhere Durchschnittswertung, als in den sonstigen Medien-Doktor-Gutachten zur Umweltberichterstattung vergeben wurde. Beim Klima-Special ergaben 7 Gutachten eine Wertung in den drei unteren Kategorien von 0 bis 2 Sternen, 9 erreichten 3, 4 oder 5 Sterne. Zum Vergleich: Eine Auswertung der ersten 50 Gutachten des Medien-Doktors UMWELT (ohne die Klima-Special-Gutachten) ergab eine Durchschnittswertung von 2,76 Sternen.
Abb. 1 Gesamtwertung in den Klima-Special-Gutachten

Es erscheint möglich, dass die nach den Kriterien des Medien-Doktor UMWELT qualitativ etwas bessere Berichterstattung im Klima-Special u.a. darauf zurückzuführen ist, dass angesichts des politisch wichtigen Themas seitens der Redaktionen häufiger besonders qualifizierte /spezialisierte Journalistinnen und Journalisten beauftragt wurden. Indes lässt sich der Qualitätsunterschied angesichts der geringen Fallzahlen nicht mit Sicherheit feststellen. Auch für die Ursachenforschung wären zusätzliche Informationen zu erheben (z.B. Interviews mit Redakteuren). Das Klima-Special hat somit interessante Arbeitshypothesen für weitere Untersuchungen ergeben.
Abb. 2 Stärken und Schwächen der Berichterstattung

Besonders gut erfüllt wurde in den ausgewählten Beiträgen zur Klimaberichterstattung das Kriterium „Pressemitteilung“ – alle Beiträge gingen deutlich über die Pressemitteilungen hinaus. Eine Über- oder Untertreibung von Risiken war selten festzustellen. Häufiger als sonst bei den Medien-Doktor-Gutachten wurde das Kriterium „Pro und Contra“ im Klima-Special als „nicht anwendbar“ bewertet, da es nach den Kriterien des Medien-Doktor UMWELT nicht als erforderlich oder wünschenswert erachtet wird, Außenseitermeinungen jenseits des Konsenses in den Klimawissenschaften ein Forum zu verschaffen.
Am häufigsten „nicht erfüllt“ war das Kriterium Kontext/ Kosten – 14 von 16 Beiträgen wiesen hier Mängel auf. Der Vergleich mit den übrigen Medien-Doktor-Gutachten zur Umweltberichterstattung zeigt, dass bei Beiträgen zu Klimathemen ebenso wie bei den übrigen begutachteten Beiträgen die mangelnde Kontextualisierung die größte Schwäche ist, die sich anhand der MDU-Kriterienkatalogs zeigt. Auch die ungenügende Darstellung der Belege für die im Beitrag dargelegten Fakten und Forschungsergebnisse sind offenbar ein Defizit, das unabhängig vom speziellen Thema ist – es rangiert jeweils an zweiter Stelle bei den „nicht erfüllten“ Kriterien.
Dagegen sind die Quellen und Expert:innen bei den Themen des Klima-Specials häufiger angemessen dargestellt als bei Beiträgen zu anderen Umwelt-Themen (was hier aber durch den direkten Anlass „Vorstellung des IPCC-Berichts“ und einen damit einem eindeutig feststehenden seriösen Bezugspunkt nicht erstaunlich scheint). Auch die zeitlichen Aspekte sind in den begutachteten Beiträgen zur Klima-Berichterstattung besser einbezogen als im Durchschnitt der sonstigen Beiträge.
2. Zeitlicher Verlauf und Art der Berichterstattung
Zusätzlich zur qualitativen Bewertung haben wir erhoben, wie sich der Umfang der Berichterstattung zur Arbeit des Weltklimarates und zu Klimathemen allgemein im April entwickelte. Eine Auswertung der im Medien-Doktor UMWELT erfassten Print-Medien ergab, dass am Monatsbeginn die Präsentation des Teilberichts II zum 5. Weltklimabericht („Folgen, Anpassung, Verwundbarkeit“) in Yokohama als Anlass für etliche Berichte dominierte. Die Intensität der Berichterstattung sank nach zwei Tagen rasch ab. Einige Printmedien meldeten dann den Beginn der IPCC-Plenarsitzung in Berlin zum Teilbericht III („Minderung des Klimawandels“). Über deren Inhalte berichteten die Medien erst nach der Präsentation des Berichts in Berlin am 13.4.2014 intensiv, die Print-Beiträge konzentrieren sich hier auf den Tag unmittelbar nach der Präsentation / Pressekonferenz. Der vorab bekannt gewordene Entwurf der „Zusammenfassung für Entscheidungsträger“ wurde von den untersuchten Medien nur vereinzelt schon vor der Veröffentlichung des IPCC-Reports aufgegriffen (siehe das Gutachten zum Beitrag in der taz). Ein weiterer vom MDU begutachteter Beitrag verglich später den Entwurf mit der verabschiedeten Fassung (siehe das Gutachten zum Beitrag in der SZ).
Die Berichterstattung zum 3. Teilbericht war insgesamt intensiver als zum 2. Teilbericht (Vergleich am jeweiligen Maximum), wozu mutmaßlich die Tatsache beitrug, dass Plenarsitzung und Berichtspräsentation in Deutschland stattfanden (Nachrichtenfaktor „Nähe“).
Abb. 3 Zeitlicher Verlauf der Berichterstattung

Die sonstige Klimaberichterstattung, die sich nicht ausdrücklich auf die IPCC-Berichte bezog, sondern wissenschaftliche Aspekte in den Mittelpunkt stellt oder aber Themen aus Gesellschaft und Politik (z.B. den Zusammenhang von Energiepolitik und Klima), zeigte dagegen keine so eindeutigen Spitzen. Hier fällt auf, dass die Zahl der Beiträge in der Woche nach der Präsentation des 3. IPCC-Teilberichts zurückging – womöglich war das Thema „Klima“ zunächst ausgereizt. In der darauffolgenden Woche stieg die Zahl der Beiträge zu Klimathemen dann wieder an.
Abb. 4 Art der Berichterstattung

Die Gutachten
Die Gutachten, die beim Medien-Doktor UMWELT im Rahmen des Klima-Specials veröffentlicht wurden, erreichen Sie hier.
Inhaltsanalyse von Pressemitteilungen (2014-2016)
Wie lässt sich die Qualität der Pressemitteilungen von Forschungseinrichtungen systematisch untersuchen? Forschungsansätze dazu gab es nicht nur in früheren Projekten des Medien-Doktors (z.B. im Projekt INKA, Medien Doktor PR-Watch), sondern auch international (u.a. Schwartz et al. 2012; Sumner et al. 2014). Doch waren diese Ansätze bisher weder so ausgereift wie die Qualitätsforschung zum Journalismus, noch konnte man sie auf Seiten der Wissenschaft mit bisherigen Vorschlägen zur „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ vergleichen. Gleichwohl gab es einige praktische Empfehlungen (etwa die Leitlinien zur guten Wissenschafts-PR 2016) oder erste Bemühungen des Pressemitteilungsportals idw um eine Qualitätssicherung.
Um Pressemitteilungen aus der Wissenschaft zu verbessern, wurde in einer Forschungsarbeit zur Qualität der Wissenschafts-PR am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus der TU Dortmund ein Katalog von Qualitätskriterien entwickelt (Mühle 2019). Die Kriterien stammen aus der wissenschaftlichen Literatur ebenso wie aus der Branche; für die Systematik wurden Ansätze etablierter journalistischer Kriterienkataloge berücksichtigt. Auf dieser Grundlage haben wir zunächst eine Inhaltsanalyse von Pressemitteilungen aus Medizin und Umwelt vorgenommen, die der idw selbst in seinen „Wochen der Qualität“ bereits genauer betrachtet hatte.
Fünf Qualitätsdimensionen für gute Pressemitteilungen
Auf Basis einer Literaturrecherche zur „Qualität von Wissenschafts-PR“ sowie einer nicht-repräsentativen explorativen Befragung von 26 Mitarbeiter:innen der Pressestellen von Forschungseinrichtungen wurden fünf Qualitätsdimensionen abgeleitet, die eine gute Pressemitteilung ausmachen können: Relevanz, Sachgerechtigkeit, Transparenz, Vermittlung und Vielfalt.
Die ersten vier Dimensionen werden explizit auch in Empfehlungen zur guten Wissenschafts-PR gefordert. „Vielfalt“ ist darüber hinaus fester Bestandteil in Kriterienkatalogen aus der journalistischen Qualitätsforschung (Überblick u.a. bei Engesser 2013: 183 ff.). Alle fünf Qualitätsdimensionen lassen sich in einzelne Kriterien unterteilen, mit denen die Qualität von Pressemitteilungen inhaltsanalytisch untersucht werden kann. Eine wesentliche Quelle für die Operationalisierung der Kriterien sind die Arbeiten von Voigt 2016 und u.a. Hagen 1995, Jungnickel 2009, Langer et al. 2002 sowie Lilienthal et al. 2014.
Alle analysierten Pressemitteilungen
Qualitätsdimension 1: Relevanz
„Gute Wissenschafts-PR wirkt darauf hin, aus der Fülle der Informationen diejenigen herauszuarbeiten, die relevant für die Gesellschaft sind“ („Leitlinien zur guten Wissenschafts-PR“). Relevanz kann sich auf zwei Aspekte beziehen: 1. Ist das Thema der Pressemitteilung an sich von Bedeutung? 2. Enthält die Mitteilung jene Aspekte, die für eine angemessene Information jeweils relevant sind? Die hier vorgestellten Kriterien konzentrieren sich auf die Informationsauswahl. Um zu untersuchen, ob die Informationen in einer Pressemitteilung relevant sind, wird die Dimension in drei Kriterien unterteilt: Aktualität, Vollständigkeit und Analytische Qualität.
Informationen können als relevanter betrachtet werden, wenn sie auch eine gewisse Aktualität besitzen. Wie aktuell ein dargestelltes Thema ist, wird untersucht, indem die Veröffentlichungsdaten von Pressemitteilung und Anlass (oft einer wissenschaftlichen Publikation) verglichen werden.
Eine Pressemitteilung gewinnt auch an Relevanz, wenn die präsentierten Informationen möglichst vollständig sind. Da eine Pressemitteilung in vielerlei Hinsicht einer Nachrichtenform ähnelt und von der Wissenschafts-PR mitunter sogar als „Nachricht“ deklariert wird, wurde das Kriterium Vollständigkeit mithilfe von W-Fragen (Wer, Was, Wann, Wo) erfasst: Untersucht wird, ob Informationen zum/zur Hauptakteur:in, dem Hauptergebnis, dem zeitlichen Anlass und dem Ort der Publikation möglichst zu Beginn angesprochen werden.
Schließlich wird in der Dimension Relevanz bewertet, ob die Pressemitteilung es ermöglicht, die Bedeutung eines Themas einzuordnen. In Anlehnung an u.a. Hagen (1995: 98 ff.) soll mit dem Kriterium Analytische Qualität gemessen werden, ob relevante Hintergründe erwähnt sind (zum wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Kontext, zu Auswirkungen und Folgen eines Forschungsergebnisses). So wird zum Beispiel erhoben, ob die Pressemitteilung in Abgrenzung zum bisherigen Forschungsstand erklärt, was das Neue ist, und ob sie einen Bezug zur Gesellschaft oder zum Alltagsleben herstellt. Bei Medizin-Themen gehören dazu Aspekte wie Kosten, Verfügbarkeit sowie Risiken und Nebenwirkungen. Im Kontext von Umwelt-Pressemitteilungen sind Informationen gemeint, die beispielsweise eine räumliche oder zeitliche Einordnung des Hauptergebnisses ermöglichen (vgl. Rögener & Wormer 2015).
Qualitätsdimension 2: Sachgerechtigkeit
„Effektive Kommunikation orientiert sich an den grundlegenden Kriterien der sachlichen Richtigkeit (…) Sachlich richtige und wahrhaftige Kommunikation lässt es z.B. nicht zu, um kurzfristiger Publizität willen falsche Hoffnungen zu wecken oder übertriebene Ängste zu beschwören“ – heißt es schon 1995 in den Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz zur Öffentlichkeitsarbeit der Hochschulen. Ähnliche Forderungen finden sich vielfach in der Literatur. Die Qualitätsdimension Sachgerechtigkeit bezieht sich auf die Art und Weise, wie Informationen präsentiert werden: Werden die Fakten in der Pressemitteilung sachlich-neutral geschildert, oder sind Informationen eher missverständlich, unsachlich oder tendenziös (etwa im Vergleich zu einer zugehörigen Fachpublikation) präsentiert? Um zu untersuchen, ob die Informationen in der Pressemitteilung sachgerecht aufbereitet werden, werden folgende Kriterien erfasst: Plausibilität, Genauigkeit und Faktenbezogenheit.
Plausibilität bedeutet konkret, dass beim ersten Lesen keine logischen Unstimmigkeiten auffallen. Zudem wird erfasst, ob die wesentlichen Sachangaben in einer Pressemitteilung mit jenen aus einer zugrundeliegenden wissenschaftlichen Veröffentlichung übereinstimmen.
Mit Genauigkeit ist gemeint, wie genau und nachvollziehbar quantitative Aussagen in einer Pressemitteilung beschrieben sind: Werden beispielsweise Nutzen- und Risikoangaben mit absoluten und relativen Zahlenwerten belegt?
Pressemitteilungen werden als sachgerecht („faktentreu“) bewertet, wenn ihre wesentlichen Aussagen jene in der wissenschaftlichen Veröffentlichung widerspiegeln. Dazu gehören z.B. Angaben zur Aussagekraft einer Studie: Wird in der Pressemitteilung ein neues Medikament für den Menschen beschrieben oder gibt sie Handlungsempfehlungen, obwohl die Forschungsresultate bislang nur auf Zell- oder Tierversuchen beruhen? Ist die Mitteilung sprachlich neutral formuliert oder gibt es eine Emotionalisierung oder Dramatisierung? (Einschränkend muss hier erwähnt werden, dass – jenseits von besonders offensichtlichen Fällen – eine schon in der Fachveröffentlichung auftretende Tendenz zu einem Hype auf diese Weise nicht erfasst werden kann.)
Qualitätsdimension 3: Transparenz
„PR- und Kommunikationsfachleute sorgen dafür, dass der Absender ihrer Botschaften klar erkennbar ist. Sie machen ihre Arbeit offen und transparent“, heißt es im „Kommunikationskodex“ des Deutschen Rates für Public Relations. Auch in den Leitlinien zur guten Wissenschafts-PR steht: „Gute Wissenschafts-PR macht Grenzen der Aussagen und Methoden von Forschung sichtbar. Die Wissenschafts-PR benennt Quellen und Ansprechpartner. Sie macht Interessen und finanzielle Abhängigkeiten transparent.“ Transparenz wird hier daran bewertet, wie nachvollziehbar die Herkunft von Informationen ist. Dazu wird die Dimension in drei Kriterien untergliedert: Überblick, Quellen und Methodik.
Unter Überblick wird erhoben, ob und wie über Rahmenbedingungen der Forschung informiert wird. Das umfasst Angaben zur Finanzierung und zu Kooperationspartner:innen bei einer Studie ebenso wie die Nennung von Interessenkonflikten (wenn diese in der zugehörigen Fachpublikation angegeben sind) sowie Angaben zur Quelle der Publikation selbst und die Kontaktdaten von Wissenschaftlern und Pressestelle.
Pressemitteilungen setzten die Transparenzvorgabe um, wenn sie ihre Quellen offenlegen und Fakten (insbesondere die Hauptergebnisse der Studie) damit überprüfbar machen.
Angaben zur Methodik sind für wissenschaftliche Publikationen Pflicht. Transparente Pressemitteilungen legen diese Informationen ebenfalls offen – indem sie zumindest Angaben zu wichtigen Kenngrößen wie Design, Größe und Dauer einer Studie machen. Gleichzeitig weisen sie auf Grenzen der Aussagekraft hin.
Qualitätsdimension 4: Vermittlung
„Kommunikation muss verständlich sein. Auch für Dialog und Partizipation ist Informationsvermittlung eine Voraussetzung“ (Weitze & Heckl 2016: 55). Die Dimension Vermittlung konzentriert sich darauf, wie Informationen strukturiert und formuliert sind. In Anlehnung an das Verständlichkeitsmodell von Langer, Schulz von Thun & Tausch (2002) unterteilt sich die Dimension in fünf Qualitätskriterien: Verständlichkeit, Prägnanz, Gliederung, Rechtschreibung und Anregende Zusätze.
Informationen werden gut vermittelt, wenn sie einfach dargestellt und in verständlicher Sprache präsentiert werden. Konkret wird der Satzbau einer Pressemitteilung und die Wortwahl untersucht. In einem weiteren Schritt wird bewertet, ob die wesentlichen Informationen prägnant auf den Punkt gebracht werden, ob bestimmte Aspekte zu kurz kommen oder zu weitschweifig geschildert werden.
Das Kriterium Gliederung bezieht sich auf die Struktur und Ordnung der Informationen im Text: Ist ein roter Faden zu erkennen oder gibt es inhaltliche Sprünge? Enthält die Pressemitteilung Absätze und Zwischenüberschriften, die den Lesefluss lenken? Bewertet werden zudem Rechtschreib- und Grammatikfehler sowie Zusätze, die den Inhalt der Pressemitteilung für den/die Leser:in interessanter gestalten. Darunter fallen Zitate, Vergleiche mit Alltagsbezug oder erklärende Bilder.
Qualitätsdimension 5: Vielfalt
“Can you get a ‘second opinion’ about the significance of the work or the claims being made?” – die Frage nach einer zweiten Expertenmeinung führt das britische Netzwerk für Wissenschafts-PR (Stempra) im “Guide to Being a Media Officer” (2017) zum Punkt “Verantwortungsvolle Kommunikation” auf. Die Mehrzahl der Publikationen zur guten Wissenschafts-PR führen diese in der journalistischen Qualitätsforschung unter der Dimension „Vielfalt“ selbstverständliche Forderung allerdings nicht explizit als Empfehlung auf – wenngleich sie durchaus diskutiert wird (vgl. auch Wormer 2017). Die Dimension Vielfalt wird hier auf die Ebene der Informationsbezüge bezogen und in zwei Kriterien unterteilt: Meinungsvielfalt und Quellenvielfalt.
Das Kriterium Meinungsvielfalt erfasst, ob Expert:innen das Hauptergebnis der Pressemitteilung bewerten. Dabei wird unterschieden, ob Expert:innen der eigenen Institution oder von Kooperationspartner:innen angeführt werden oder ob auch von der Studie unabhängige Expert:innen zu Wort kommen. Beim Kriterium Quellenvielfalt geht es hingegen um die Frage, welche Quellen (eigene oder fremde) in einer Pressemitteilung genannt werden.
Literaturauswahl:
Engesser, S. (2013): Die Qualität des Partizipativen Journalismus im Web Bausteine für ein integratives theoretisches Konzept und eine explanative empirische Analyse. Wiesbaden: Springer VS.
Hagen, L. (1995): Informationsqualität von Nachrichten Meßmethoden und ihre Anwendung auf die Dienste von Nachrichtenagenturen. Wiesbaden: Springer VS.
Jungnickel, K. (2009): Nachrichtenqualität aus Nutzersicht Eine Untersuchung zur Korrespondenz zwischen normativen Qualitätsansprüchen und Nutzerqualitätsbewertungen. (Nicht-veröffentlichte Magisterarbeit). Technische Universität Dresden.
Langer, I., von Thun, S., Tausch, R. (2002): Sicher verständlich ausdrücken. Anleitungstexte. Unterrichtstexte. Vertragstexte. Gesetzestexte. Versicherungstexte. Wissenschaftstexte. Weitere Textarten. 7. Auflage. München: Ernst Reinhardt Verlag. doi: 10.1007/978-3-658-00584-9
Lilienthal, V., Reineck, D., Schnedler, T. (Hrsg.) (2014): Qualität im Gesundheitsjournalismus. Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis. Wiesbaden: Springer Fachmedien.
Mühle, E. (2019): Gute Wissenschafts-PR. Ein Modell eines inhaltsanalytischen Instrumentes zur systematischen Untersuchung von Qualitätskriterien in wissenschaftllichen Pressemitteilungen. Masterarbeit am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus, TU Dortmund.
Rögener, W., Womer, H. (2015): Defining criteria for good environmental journalism and testing their applicability: An environmental news review as a first step to more evidence based environmental science reporting. In: Public Understanding of Science, 1-16. Doi: 10.1177/0963662515597195
Schwartz, L., Woloshin, S., Andrews, A., Stukel, T. (2012): Influence of medical journal press releases on the quality of associated newspaper coverage: retrospective cohort study. In: BMJ 2012;344:d8164, doi: 10.1136/bmj.d8164
Sumner, P., Vivian-Griffiths, S., Boivin, J., Williams, A., Venetis, C…Chambers, C. (2014): The association between exaggeration in health related science news and academic press releases: retrospective observational study. In: BMJ 2014;349:g7015, doi: 10.1136/bmj.g7015
Wissenschaft im Dialog, Bundesverband Hochschulkommunikation (Hrsg.) (2016): Leitlinien zur guten Wissenschafts-PR. Abgerufen von: https://www.wissenschaft-im-dialog.de/fileadmin/user_upload/Trends_und_Themen/Dokumente/Leitlinien-gute-Wissenschafts-PR_final.pdf
Wormer, H. (2017): Vom Public Understanding of Science zum Public Understanding of Journalism. In: Bonfadelli et al. (Hrsg.): Forschungsfeld Wissenschaftskommunikation. Wiesbaden: Springer Fachmedien, S.429-451.
Voigt, J. (2016): Nachrichtenqualität aus Sicht der Mediennutzer. Wie Rezipienten die Leistung des Journalismus beurteilen können. Wiesbaden: Springer Fachmedien. doi: 10.1007/978-3-658-12041-2
INKA (2013 – 2016)
Bei dem BMBF-Projekt INKA handelte es sich um ein Forschungsprojekt über die Veränderung der Informationsqualität in der Kommunikationskaskade (INKA) von der medizinischen Fachpublikation bis zur Rezeption der Medizinberichterstattung durch Ärzt:innen und Laien.
Wie gut werden Patient:innen, Angehörige und medizinische Fachleute mit neuen Nachrichten aus der Medizin versorgt? Und wer trägt die Schuld, wenn falsche oder übertriebene Meldungen bei Patient:innen unbegründete Hoffnungen wecken? Diesen Fragen ging das Medien-Doktor-Team in Kooperation mit dem Deutschen Cochrane Zentrum am Universitätsklinikum Freiburg und mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) nach.
Wir untersuchten die Qualität medizinischer Informationen entlang der gesamten Informations-Kette von der Studienveröffentlichung in einer medizinischen Fachzeitschrift über die wissenschaftliche Pressemitteilung bis hin zum Beitrag in den Massenmedien. Zusammen mit den Freiburger Kooperationspartnern wurde dabei auch untersucht, welche Informationen bei Ärzt:innen, Betroffenen und Laien ankommen.
Gutachten, bei denen wir innerhalb des INKA-Projektes sowohl einen journalistischen Beitrag und eine zugehörige Pressemitteilung parallel bewertet haben, finden Sie auf der Homepage des Medien-Doktor GESUNDHEIT.
Folgende Publikationen sind in dem BMBF-Projekt INKA entstanden:
- Serong, J., Anhäuser, M., Wormer, H. (2016): Qualitätsveränderungen der Wissenschaftskommunikation am Beispiel medizinischer Themen. In: in Ruhrmann, G., Kessler S.H., Guenther, L. (Hrsg.): Wissenschaftskommunikation zwischen Risiko und (Un-)Sicherheit. Herbert von Halem Verlag, Köln, S. 92-121. Link zu Publikation
- Serong, J., Anhäuser, M., Wormer, H., Lang, B., Töws, I., Labonté, V., Antes, G. (2016): Veränderung der Informationsqualität in der Kommunikationskaskade von der Fachpublikation bis zur Rezeption der Medizinberichterstattung durch Ärzte und Laien (INKA), Poster auf dem 5. Statusseminar des BMBF – „ELSA der modernen Lebenswissenschaften", Berlin
- Serong, J., Anhäuser, M., Wormer, H. (2015): Ein methodischer Ansatz zur Bewertung der Informationsqualität medizinisch-wissenschaftlichen Wissens auf dem Transferweg zwischen Fachpublikation und Massenmedien, Z. Evid. Fortbild. Qual. Gesundh. wesen (ZEFQ) (2015), http://dx.doi.org/10.1016/j.zefq.2015.04.016
- Wormer, H. (2014): Medizin und Gesundheitsjournalismus, in Hurrelmann, K.,Baumann, E. (Hrsg.): Handbuch Gesundheitskommunikation, Verlag Hans Huber, Bern.
PR Watch (2013-2014)
„Was ist eigentlich eine gute Wissenschaftspressemitteilung?“ lautete die zentrale Frage des Medien-Doktor PR-Watch: Wie sehr orientiert sich gute Wissenschafts-PR an den Maßstäben für gute Wissenschaft selbst, wie sehr folgt sie den Qualitätskriterien für guten (Wissenschafts-)Journalismus? Ist sie ein Makler für zuverlässige Informationen aus der Wissenschaft oder ist auch Wissenschafts-PR vor allem PR – und es ist alles erlaubt, was der Marketing-Werkzeugkasten einer Unternehmenskommunikation hergibt? Gute Antworten auf diese Fragen gab es bis dahin kaum – und das, obwohl Einrichtungen wie der Informationsdienst Wissenschaft (idw) bereits einen Preis für die besten Wissenschafts-Pressemitteilungen eines Jahres verliehen. Fest stand aber: Gute Pressemitteilungen aus der Wissenschaft scheinen auch die Wahrscheinlichkeit für eine korrekte Berichterstattung zu erhöhen. Und je stärker sich die Wissenschafts-PR auch direkt an den Endnutzer wendet, desto näher liegt es, sie verstärkt an wissenschaftsjournalistischen Qualitätskriterien zu messen. Genau dies hat das Projekt Medien-Doktor PR-Watch getan. Als Experiment haben wir daher im Medien-Doktor PR-Watch Pressemitteilungen aus den Bereichen „Medizin“ und „Umwelt“ bewertet. Dabei haben wir versuchsweise jeweils jene Kriterien angewendet, wie sie in den Teil-Projekten des Medien-Doktor UMWELT und GESUNDHEIT (bis 2019 Medien-Doktor MEDIZIN) erprobt waren. Ziel war es, eine neue Qualitätsdebatte über die Rolle der Wissenschafts-PR in Deutschland zu anzustoßen. Die Kriterien des Medien-Doktor UMWELT und GESUNDHEIT haben wir 2020 grundlegend überarbeitet. Dem Projekt PR-Watch lagen jedoch noch die alten Kriterien zugrunde, für Medizin und für Umwelt. Erfahrungen aus der Bewertung medizinischer Pressemitteilungen flossen später ins Projekt INKA ein, in dem u.a. journalistische Beiträge und ihre zugehörigen Pressemitteilungen parallel bewertet wurden.
Alle veröffentlichten Beiträge finden Sie hier.