Dein Medien-Doktor Philosophie
Kriterien für die adäquate Vermittlung geisteswissenschaftlicher Forschung
Wissenschaftliche Qualität in den Sozial- und Geisteswissenschaften bemisst sich oft anders als in den Natur- und Lebenswissenschaften. Fachbücher spielen ebenso eine große Rolle wie Fachjournale, Forschungsgemeinschaften sind oft weniger internationalisiert und Metriken weniger aussagekräftig.
Im Rahmen des Rhine Ruhr Center for Science Communication Research mit seinem Praxis-Partner Science Media Center Germany entwickelt das Medien-Doktor-Team daher auf Basis eines „Quality Circle“ sowie weiteren Befragungen von Forschenden gesonderte Leitlinien und perspektivisch Qualitätskriterien, die Journalistinnen und Journalisten die Berichterstattung über diese Forschungsbereiche am Beispiel einiger „Leitdisziplinen“ erleichtern sollen. Der Medien-Doktor PHILOSOPHIE versammelt erste Erkenntnisse aus diesem Prozess, stellt diese zur Diskussion und wird mit dem langfristigen Ziel eines vollständigen Kriterienkatalogs für die Praxis stetig aktualisiert.

Philosophische Expertise in den Medien – was es zu beachten gilt
Die Philosophie ist eine überwiegend nicht-empirische Wissenschaft, deren erkenntnistheoretischen Fragestellungen die Grundlage für die moderne Forschung bilden. Historisch ist sie damit eine Art Meta-Wissenschaft. Bis heute erhalten Doktorand:innen in fast allen Geistes- und Kultur- sowie in vielen Sozialwissenschaften in Deutschland einen Dr. phil. (Doktor:in der Philosophie).
In der Regel liefert die Philosophie keine konkreten Ergebnisse, die sich als kompakte „news“ journalistisch darstellen lassen. Stattdessen entwickelt sie Perspektiven auf diverse Bereiche des menschlichen Denkens und Zusammenlebens. So fragt beispielsweise die politische Philosophie nach den Bedingungen eines gelingenden Miteinanders in liberalen Staatensystemen (John Rawls). Ein Bereich wie die Technikphilosophie konzentriert sich hingegen auf die ethischen Herausforderungen im menschlichen Umgang mit Technologien (Grunwald 2010).
Entsprechend werden philosophische Perspektiven in den Medien meist unter Verweis auf „große Namen“ oder in Form von Interviews mit prominenten Philosoph:innen behandelt. Ein klassischer medialer Ort für solche Beiträge ist das Feuilleton. Dabei fällt allerdings auf, dass das populäre Verständnis von Philosophie und ihren Protagonist:innen bisweilen recht wenig mit der akademischen Philosophie zu tun hat.
Das beste Beispiel hierfür sind die zahlreichen Veröffentlichungen in den Bereichen Lebenshilfe, Spiritualität und Achtsamkeit, die in großen Buchhandlungen und Bahnhofskiosken oft unter dem Label „Philosophie“ zusammengefasst werden. Nicht selten treten deren Erfolgsautor:innen dann auch als Philosoph:innen in TV-Formaten auf – unabhängig von ihrer akademischen Qualifikation.
Mehr noch als in anderen Disziplinen ist Philosophie im allgemeinen Sprachgebrauch aber keineswegs mit der akademischen Philosophie gleichzusetzen. Diese ist weit mehr als öffentliches Sinnieren über die Welt. Sie arbeitet nach strengen argumentativen und logischen Regeln, die in ihrer abstraktesten Form der theoretischen Physik nicht unähnlich sind. Journalist:innen sollte diese Unterscheidungen beachten und auf sie hinweisen.
Ähnlich wie in der Soziologie gibt es auch in der Philosophie eine langanhaltende Debatte über „Öffentliche Philosophie“ („public philosophy“), ihr Selbstverständnis und ihre Aufgaben. Und ähnlich wie die Soziologie konfrontiert auch die Philosophie Journalist:innen mit grundlegenden Fragen zu ihrem Selbstverständnis und ihrer Arbeitspraxis.
Um den Überblick zu behalten
In der Philosophie wird nicht nur in Journalen, sondern auch in Buchform publiziert. Journalist:innen sollten sich hier ebenfalls einen Überblick über den Forschungsstand verschaffen. Auf der Website der Information Philosophie findet sich eine kuratierte Liste einschlägiger Philosophie-Verlage. Weitere Überblickshilfen bieten die folgenden Quellen:
- PhilArchive (zentrales philosophisches Publikationsarchiv)
- PhilPortal (Fachinformationsdienst Philosophie macht Publikationen auffindbar)
- PhilPublica (Überblicksseite über Beiträge mit Philosophie-Bezug in den Medien)
- Linkliste FernUniversität Hagen (listet Links und Informationen zur Literaturrecherche in der Philosophie auf)
- tbc