„Kritik an Corona-Studie aus Heinsberg“

Von uns bewertet am 17. April 2020

Veröffentlicht von: Zeit Online

Nach Wochen der Ausgangssperre dürften viele Menschen in Deutschland eine Rückkehr zur Normalität herbeisehnen. Kein Wunder also, dass die positiven Ergebnisse einer Studie zur Immunität gegen das neue Coronavirus aus dem Kreis Heinsberg mit Euphorie aufgegriffen wurden. Einem Artikel auf Zeit Online gelingt es dabei zeitnah und auf vorbildliche Weise, die möglichen Schwächen dieser Studie und ihre Hintergründe aufzuzeigen.

7. Es werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Alternativen zu dem in der Studie eingesetzten Antikörpertest werden nicht vorgestellt. Was allerdings daran liegen dürfte, dass derzeit keine anderen Tests zur Verfügung stehen – zumindest keine, die in einer Studie angewandt werden könnten. Zwar bieten verschiedene Hersteller andere Tests an; das Verfahren, mit dem die Antikörper nachgewiesen werden, ist jedoch im Prinzip das gleiche. Stets kommt der so genannte ELISA (für „enzyme-linked immunosorbent assays“) zum Einsatz (siehe auch: flexikon.doccheck.com/de/ELISA). Von Antikörper-Schnelltests, die mittlerweile auch im Internet zu finden sind, raten Experten ab. Denn zu diesen Produkten liegen noch keine validen wissenschaftlichen Studien vor (siehe auch: sueddeutsche.de/wirtschaft). Ein positives Testergebnis könnte Menschen also in falscher Sicherheit wiegen.Im aktuellen Artikel wird allerdings die Möglichkeit erwähnt, die Ergebnisse des neuen Antikörpertests mit Bestätigungsuntersuchungen zu überprüfen: „Um einschätzen zu können, wie oft es bei dem von Streeck und seinem Team verwendeten Test zu solchen Verwechslungen gekommen sei, brauche man Bestätigungsuntersuchungen im Labor.“ Dafür bringen Forscher das Coronavirus mit dem Serum des Patienten unter Laborbedingungen in einer Zellkultur zusammen. Wenn im Serum des Patienten tatsächlich Antikörper gegen den Erreger vorliegen, müssten sie das Virus abfangen (die Forscher sprechen von „neutralisieren“) und damit daran hindern, die Zellen zu befallen. Ob dies tatsächlich der Fall ist, wird in der Zellkultur überprüft.