„Deutliche Mehrheit im Bundestag für Zustimmungslösung in der Organspende-Debatte“

Von uns bewertet am 28. Januar 2020

Veröffentlicht von: Tagesthemen

Nach einer hoch emotionalen Debatte hat der Deutsche Bundestag über die gesetzliche Regelung der Organspende entschieden. Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn angeregte Widerspruchslösung wurde abgelehnt, stattdessen für die erweiterte Zustimmungslösung gestimmt. Welche Argumente zur Diskussion standen und wie Eltern kranker Kinder diese Diskussion erlebten, hat ein Themenblock der Tagesthemen aktuell aufgegriffen.

Zusammenfassung

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte die Widerspruchlösung vorgeschlagen, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen: Menschen, die sich vor ihrem Hirntod nicht aktiv gegen eine Organspende ausgesprochen haben, würden damit automatisch zu Spendern. Im Bundestag wurde Mitte Januar darüber abgestimmt – ein gewichtiger Grund für die Tagesthemen, das Thema über eine Sendestrecke von mehr als 13 Minuten aufzugreifen. Dafür wurde in einem der Beiträge des Themenblocks als lebensnaher Einstieg von einem Jungen berichtet, der durch eine Organspende eine neue Niere bekommen hat. Zudem erfährt man, wie bei Patienten der Hirntod festgestellt wird. Der wenige Minuten lange Beitrag zu diesem Thema ist allerdings zu kurz, um dem Aspekt wirklich gerecht zu werden. An vielen Stelle bleibt der gesamte Themenblock zu vage. Weder erfährt man wirklich, wie groß der Nutzen der wichtigsten unterschiedlichen Organspenden ist, noch kann man den einzelnen Beiträgen entnehmen, welche Risiken es für die Empfänger gibt. Auch in anderen Bereichen verrät die Sendung zu wenig, zum Beispiel bei der Frage, welche Kliniken überhaupt transplantieren dürfen und wie über eine Vergabe entschieden wird.Damit bestätigt sich der erste Eindruck zumindest teilweise: Der als Negativ-Beispiel vorgeschlagene Themenblock zeigt ein paar Schwächen; vor allem wurde die Gelegenheit versäumt, die verschiedenen Argumente mit Zahlen zu unterfüttern und damit auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen – etwa zum Bedarf und dem Nutzen von unterschiedlichen Organspenden. Ebenso wenig wird diskutiert, ob es neben der juristischen Regelung auch andere Gründe/Motivation für hohe bzw. niedrige Spendenbereitschaft gibt, etwa vor dem Hintergrund von Organspendeskandalen in der Vergangenheit (vgl. z.B. sueddeutsche.de/gesundheit/aktenlage-organspendeskandal). Das hätte das große, ganze Bild etwas deutlicher zurechtgerückt.