„Dem Wald geht es besser“

Von uns bewertet am 11. Dezember 2013

Veröffentlicht von: Stuttgarter Nachrichten

Der Beitrag, der in den Stuttgarter Nachrichten erschienen ist, berichtet knapp und gut verständlich über den aktuellen Zustand des Waldes in Baden Württemberg. Dabei fasst er im Wesentlichen eine Pressemitteilung des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg zusammen. Eine kritische Einordnung der darin genannten Daten und Fakten fehlt.

2. BELEGE / EVIDENZ: Studien, Fakten und Zahlen werden so dargestellt, dass deren Aussagekraft deutlich wird.

9. ZEITLICHE DIMENSION (Nachhaltigkeit): Die zeitliche Reichweite eines Umweltproblems oder Phänomens wird dargestellt.

Aus dem Artikel geht hervor, dass der Zustand des Waldes eine Problematik ist, die mehrere Dekaden in die Vergangenheit zurück reicht, trotz dargestellter Verbesserungen nicht gelöst ist, und mit der sich Politik, und die Forschung (und letztendlich die gesamte Gesellschaft) auch in Zukunft werden beschäftigen müssen. Allerdings mangelt es an konkreten zeitlichen Bezügen, die über den Vergleich mit dem Vorjahr hinausgehen. So fehlt jeder Hinweis, dass der Wald in Baden-Württemberg seit 2004 und bis heute in einem deutlich schlechteren Zustand ist als in den vorausgehenden Jahren (von 1985, dem Beginn der Waldschadens/-zustandsberichte, bis 2003). Im Waldzustandsbericht 2013 heißt es dazu: „… zwei Drittel sind jedoch immer noch leicht oder mittelstark geschädigt. Der Zustand der Wälder ist damit deutlich schlechter als noch Mitte der 1980er Jahre…“. Dass es dem Wald in Baden-Württemberg demnach heute also schlechter geht als zu den Zeiten, als das Thema „Waldsterben“ in der öffentlichen Wahrnehmung Hochkonjunktur hatte, vermittelt der Beitrag nicht. Im Gegenteil: Mit der Formulierung „Vom Sterbebett auf die Intensivstation: In den 1980er-Jahren lag der ‘Patient’ Wald nach Darstellung vieler Experten in seinen letzten Zügen. Mittlerweile geht es zumindest den Beständen in Baden-Württemberg etwas besser.“ suggeriert er fälschlich, dass es dem Wald inzwischen besser ginge. Damit sind wichtige zeitliche Aspekte, die dem zugrundeliegenden Waldzustandsbericht leicht zu entnehmen gewesen wären, gar nicht oder irreführend dargestellt.

10. KONTEXT/KOSTEN: Es werden politische, soziale oder wirtschaftliche Aspekte eines Umweltthemas einbezogen.

Der Beitrag beschränkt sich darauf, Zahlen und Trends zur Verfassung des Waldes in Baden Württemberg zu nennen. Abgesehen davon, dass er einen Großteil der Landesfläche (40%) bedeckt, erfahren Leserinnen und Leser nichts über die wirtschaftliche, ökologische oder soziokulturelle Bedeutung des Waldes für das Bundesland, z. B. in Bezug auf die (langfristige) wirtschaftliche Produktivität der Wälder, Artenvielfalt, ökologische Funktion als Wasserspeicher und Bodenschutz, den Wald als Erholungsgebiet, touristischen Wert etc.. Wie sich der Zustand des Waldes auf diese Bereiche auswirkt, wird im Beitrag nicht einmal exemplarisch angesprochen. Daher werten wir „nicht erfüllt“.

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. THEMENAUSWAHL: Das Thema ist aktuell, oder auch unabhängig von aktuellen Anlässen relevant oder originell.

Der Bericht hat mit der Vorstellung des Waldzustandsberichts einen aktuellen Anlass, das Thema Waldschäden ist ein sowohl ökologisch als auch ökonomisch relevantes Thema.

2. VERMITTLUNG: Komplexe Umweltzusammenhänge werden verständlich gemacht.

Der Beitrag ist klar strukturiert, allgemeinverständlich formuliert und vermeidet weitgehend komplizierte Satzkonstruktionen und Fachtermini. Auch wird mit einem anschaulichen Vergleich („zwei Millionen Fußballfelder“) die räumlichen Dimensionen des Waldes in Baden Württemberg verdeutlicht. Allerdings ist dies einer der wenigen Punkte, wo sich der Beitrag von Formulierungen der Pressemitteilung löst. Inhaltlich fasst er lediglich die Pressemitteilung zusammen. Damit ist keine unabhängige journalistische Leistung zu erkennen.

3. FAKTENTREUE: Der Beitrag gibt die wesentlichen Daten und Fakten korrekt wieder.

Uns sind – mit Ausnahme des irreführenden Einstiegs – keine Fehler aufgefallen.

Umweltjournalistische Kriterien: 3 von 10 erfüllt

Allgemeinjournalistische Kriterien: 2 von 3 erfüllt

Da der Beitrag inhaltlich praktisch nicht über die Pressemitteilung hinausgeht, werten wir um einen Stern ab.

Kriterium erfüllt

Kriterium nicht erfüllt

Kriterium nicht anwendbar