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„Vitamin-D-Mangel im Corona-Winter? Wann ergänzende Präparate helfen – und wann nicht“

„Vitamin-D-Mangel im Corona-Winter? Wann ergänzende Präparate helfen – und wann nicht“

Britische Gesundheitsbehörden empfehlen der Bevölkerung, täglich Vitamin D einzunehmen, um einen Mangel auszugleichen, der in Pandemiezeiten entstehen könne. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nimmt die Empfehlung zum Anlass für einem informativen Artikel, der verdeutlicht, dass für deutsche Behörden die Belege für eine solche Empfehlung nicht ausreichen.

Zusammenfassung

Gesundheitseffekte von Vitamin D sind seit einigen Jahren in der Diskussion, und so verwundert es nicht, dass diese Debatten auch in Zeiten von Corona immer wieder aufkommen. So hatte es zuletzt wiederholt Meldungen gegeben, dass ein Mangel an Vitamin D das Risiko eines schweren Verlaufs einer Covid-19-Erkrankung erhöhen könnte. In Großbritannien empfehlen Gesundheitsbehörden die tägliche Einnahme von Vitamin D-Präparaten, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) in einem informativen Beitrag zum Thema. Der Artikel macht Leserinnen und Lesern deutlich, dass die Belege aus Sicht deutscher Institutionen nicht ausreichen für eine solche Empfehlung, ohne indes zu erklären, wie die britischen Behörden überhaupt zu dem Schluss kommen. Deutlich wird auch, dass es durchaus belegte positive wie negative Effekte von Vitamin D gibt, indes werden diese in keinem Fall quantifiziert, um Ausmaß oder Häufigkeit zu verdeutlichen. Der Text erklärt sehr schön auf welchen Wegen der Körper Vitamin D aufnehmen kann und zitiert zahlreichen Quellen, vor allem, um die deutsche Position zu erklären. Alles in allem ist dies ein gelungener Text, der lediglich die Chance verpasst, den Widerspruch zwischen deutscher und britischer Position spannender (etwa durch eine Einordnung durch Expertinnen oder Experten zu erklären), und damit den vorhandenen Widerspruch womöglich sogar aufzulösen.

1. Die positiven Effekte sind ausreichend und verständlich dargestellt.

Es wird erläutert, dass eine Vitamin D-Supplementierung möglicherweise Defizite ausgleichen kann, die durch den verringerten Aufenthalt im Freien während des Lockdown entstehen könnten. Der Effekt wird nicht quantifiziert, dabei jedoch erläutert, dass das aufgrund der Datenlage nicht möglich ist, und der Nutzen jenseits der Effekte auf die Knochengesundheit und insbesondere für Covid-19 insgesamt unklar ist – daher werten wir erfüllt. Offen bleibt, ob der angenommene Vitamin D-Mangel im Lockdown überhaupt besteht, ein Nutzen durch zusätzliche Vitamin D-Einnahme also plausibel erscheint – zumindest die Frage hätte gestellt werden sollen, auch gibt es keine konkreten Angaben zum Ausmaß des Schutzes der Effekte auf die Knochen – daher werten wir alles in allem nur „knapp“ erfüllt.

2. Die negativen Effekte werden angemessen berücksichtigt.

Es wird ausführlich darauf hingewiesen, dass zu viel Vitamin D aus Nahrungsergänzungsmitteln auch schädlich sein kann. Genannt werden „erhöhte Kalziumspiegel, die akut zu Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchkrämpfen, Erbrechen oder in schweren Fällen zu Nierenschädigung, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeit und Tod führen können“. Hier wäre es wichtig, konkrete Zahlen zu nennen. Daher werten wir nur „knapp“ erfüllt. Ferner wird auch auf das Risiko einer schleichenden Vergiftung hingewiesen und auf die Empfehlung, nicht mehr als 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag einzunehmen

3. Es werden alternative Lebensmittel/Ernährungsformen/Diäten vorgestellt/verglichen.

Weitere Nahrungsergänzungsmittel, denen ein positiver Einfluss auf Infektion und oder Krankheitsverlauf bei Covid-19 zugeschrieben wird, erwähnt der Beitrag nicht. Er macht aber deutlich, dass ausreichender Aufenthalt im Freien die wichtigste Alternative zur Vitamin-D-Einnahme ist und nennt Vitamin-D-reiche Lebensmittel.

4. Die Belege/Studien werden ausreichend eingeordnet.

Zu positiven Effekten, jenseits der nachgewiesenen Bedeutung für die Knochengesundheit heißt es, es gäbe „zahlreiche Beobachtungsstudien, aber wenig aussagekräftige Beweise“. Die unsichere Datenbasis wird mehrmals angesprochen und ist auch Kern des Artikels. „Das Problem: Eine eindeutige Datenlage gibt es auch dazu bislang nicht.“ „So wundert es nicht, dass nach einem Pandemiejahr auch der Zusammenhang mit Covid-19 noch nicht ausreichend ergründet ist.“ „Schlussfolgerungen für die Prävention von Covid-19 lassen sich aus den Daten derzeit allerdings nicht ableiten, da alle bewerteten Studien vor Auftreten der Pandemie durchgeführt wurden“, heißt es laut Fachgesellschaft.“ „Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Ende Oktober 2020 explizit klargestellt, dass keine Studien bekannt seien, die belegen, dass die Einnahme von Vitamin D vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützt.“

5. Es gibt weitere, unabhängige Experten und die Quellen sind transparent.

Der Beitrag zieht mehrere voneinander unabhängige Quellen heran: Ein Editorial im Fachjournal The Lancet, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und einen namentlich genannten DGE-Experten, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR) (dies allerdings ohne genaue Angaben zur Stellungnahme), eine Information der Verbraucherzentralen, einen „Steckbrief“ des Robert-Koch-Instituts (RKI) und eine Richtlinie des britischen Gesundheitsministeriums.

6. Es wird auf mögliche Interessenkonflikte eingegangen.

Es konnten keine relevanten Interessenkonflikte festgestellt werden.

7. Es gibt eine Einordnung in den Kontext (Neuheit/Verfügbarkeit/Kosten/Herkunft o.a.)

Die Verfügbarkeit von Vitamin-D wird detailliert thematisiert: „In der Regel bildet der Körper in der Haut 80 bis 90 Prozent des Vitamins selbst – mithilfe von Sonnenlicht, genauer: UV-B-Strahlung. Dabei ist ein Aufenthalt im Freien nötig. „Ein Aufenthalt in hellen Räumen reicht nicht aus, da die UV-B-Anteile im Sonnenlicht nicht durch das Glas in Fensterscheiben dringen können“. „Die Ernährung trägt laut RKI mit einem geschätzten Anteil von rund zehn bis 20 Prozent nur einen relativ geringen Anteil zur Vitamin-D-Versorgung bei. Nur wenige Lebensmittel enthalten nennenswerte Mengen an Vitamin D – zum Beispiel fetter Seefisch, bestimmte Innereien, bestimmte Speisepilze und Eier. Neben natürlichen Quellen kann Vitamin D deshalb auch über Nahrungsergänzungsmittel – sogenannte Supplemente – und angereicherte Lebensmittel zugeführt werden.“ Kosten werden indes nicht thematisiert. Da es in Deutschland indes auch keine Empfehlung zur Substitution gibt, erscheint dies in diesem Fall auch nicht zwingend erforderlich.

8. Die Fakten stimmen.

Faktenfehler sind uns im Rahmen unserer Möglichkeiten keine aufgefallen.

9. Der Beitrag ist überwiegend eine journalistische Eigenleistung.

Das Zitat des DGE-Präsidenten stammt zwar aus einer Pressemitteilung der Gesellschaft, auch weitere Passagen wurden fast wortgleich übernommen. Der Beitrag weist jedoch korrekt darauf hin, dass hier aus einer Stellungnahme der Fachgesellschaft zitiert wird und zieht zahlreiche weitere Quellen heran, sodass klar ist, dass eine einzelne Pressemitteilung nicht die alleinige Quelle des Beitrags ist.

10. Der Beitrag vermittelt das Thema attraktiv.

Der Beitrag informiert einerseits darüber, dass die britische Regierung die Einnahme von Vitamin D unter Pandemie-Bedingungen empfiehlt, und zitiert andererseits deutsche Quellen, die auf fehlende Belege für die Wirksamkeit hinweisen. Statt dies einfach nur nebeneinanderzustellen, wäre es sehr viel spannender und zielführender gewesen, einen oder mehrere Experten direkt zu befragen, wie sie die britische Empfehlung einschätzen, ob die Lage hinsichtlich eines Vitamin D-Mangels möglicherweise in beiden Ländern unterschiedlich ist, oder warum es sonst zu den unterschiedlichen Einschätzungen und Vorgehensweisen kommt. So gelingt es nicht den offensichtlichen Widerspruch aufzulösen bzw. zu erklären, vor allem, weil nicht deutlich wird, worauf sich die Empfehlungen der britischen Regierung eigentlich stützen.

11. Das Thema ist verständlich erklärt.

Der Beitrag ist flüssig und routiniert geschrieben, vermeidet Fachbegriffe und ist meist gut verständlich. Etwas irreführend ist der zweite Teil der Headline: „Wann ergänzende Präparate helfen – und wann nicht“ – das löst der Beitrag nicht ein. Er macht eher deutlich, dass man das eben nicht wirklich weiß. Leser, die hier nach der Überschrift etwas anderes erwarten, könnten enttäuscht sein. Auch gibt es vereinzelte Passagen, die verständlicher sein könnten, wie z.B.: „Bislang fehlen aber auch hier die Beweise für eine kausale Beziehung zwischen den Befunden. Gleiches ließ sich bei Demenz und Depressionen feststellen, nicht aber bei Asthma, MS und Diabetes mellitus Typ 1.“ Wir werten daher nur knapp „erfüllt“.

12. Das Thema ist aktuell, relevant oder originell.

Die Richtlinie der britischen Regierung und das Lancet-Editorial dazu sind aktuelle Anlässe, das Thema Vitamin-D und Covid-19 aufzugreifen. Mögliche Wege den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung oder das Ansteckungsrisiko positiv zu beeinflussen, und der Forschungsstand dazu, sind auf jeden Fall relevant.

 

Journalistische Kriterien: 11 von 12 erfüllt

Wir werten aufgrund mehrerer nur knapp erfüllter Kriterien um einen Stern ab.


Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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