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„Die Erderwärmung kommt“

„Die Erderwärmung kommt“

Das Hamburger Abendblatt befasst sich mit einer Studie zu einem umstrittenen Klimathema: der von Klimamodellen nicht vorhergesagten „Erwärmungspause“ in den letzten Jahren. Dass es sich laut Studie um rein zufällige Schwankungen handelt, wird korrekt berichtet, aber nicht ausreichend verständlich gemacht.

Hinweis: Unter der Rubrik Medien-Doktor PR-Watch haben wir unlängst nach Zufallsauswahl eine Pressemitteilung zur gleichen Studie begutachtet .

Zusammenfassung

Ein Artikel im Hamburger Abendblatt berichtet über Ergebnisse einer aktuellen Studie aus dem Fachmagazin „Nature“ zur Zuverlässigkeit der vom Weltklimarat IPCC genutzten Klimamodelle. Anlass dieser Untersuchung war, dass die Erderwärmung in den vergangenen 15 Jahren geringer ausgefallen ist, als von den Modellrechnungen vorhergesagt. Die Klimawissenschaftler Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und Piers Forster von der Universität Leeds kommen zu dem Schluss, dass diese Abweichungen vor allem darauf beruhen, dass im Klimageschehen immer auch in hohem Maße chaotische und zufällige Effekten auftreten. Der Grund für die Abweichung ist demnach also kein systematischer Fehler in den Klimamodellen des Weltklimarats IPCC; die Modelle seien für längerfristige Prognosen verlässlich und die Erderwärmung käme wie vorhergesagt auf die Weltgemeinschaft zu.

Zur Untermauerung nennt der Beitrag viele Zahlen und zieht weitere Quellen heran. Doch erläutert der Beitrag das Vorgehen der Forscher kaum, so dass unverständlich bleibt, wie sie zu ihren Schlüssen gekommen sind. Warum die Modellrechnungen laut Studie die Erderwärmung während der „Erwärmungspause“ der letzten 15 Jahre überschätzt hätten, gleichwohl aber langfristig verlässlich seien, ist nicht nachvollziehbar dargestellt. Auch erfahren Leserinnen und Leser nicht, dass es bereits frühere Untersuchungen zur gleichen Frage gab, was dabei herauskam, und welches die Besonderheiten der aktuellen Studie sind

Das Thema des Artikels – nämlich die Aussagekraft von Klimamodellen – ist hochrelevant für Politik und Wirtschaft, doch geht der Beitrag auf diese Hintergründe an keiner Stelle ein.

Anmerkung in eigener Sache
Der Zufall ist auch beim Medien-Doktor ein wichtiger Faktor: Wie immer wurde der hier bewertete Artikel zufällig aus den am Tag der Begutachtung vorliegenden geeigneten journalistischen Beiträgen ausgewählt. Zufällig haben wir am 2. Februar 2015 eine Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zur gleichen Studie im PR-Watch begutachtet. So ist nun ebenso zufällig wie interessant in diesem Fall ein direkter Vergleich zwischen den beiden Ebenen „journalistischer Beitrag“ und „Presseinformation“ möglich. Einen systematischen Vergleich von Pressemitteilungen und entsprechenden journalistischen Artikeln zu Medizin-Themen führen wir derzeit in unserem BMBF-geförderten Forschungsprojekt „INKA“ durch.

Umweltjournalistische Kriterien

1. KEINE ÜBERTREIBUNG / VERHARMLOSUNG:
Risiken und Chancen werden weder übertrieben dargestellt noch bagatellisiert.

Eine Studie in Nature, auf die sich der Beitrag hauptsächlich bezieht, kommt zu dem Schluss, dass die vom Weltklimarat IPCC berücksichtigten 114 Klimamodelle die Erwärmung der Erdoberfläche nicht systematisch überschätzen, wie es von „Klimaskeptikern“ häufig behauptet wird. Der vorliegenden Artikel fasst die Ergebnisse und die Argumentation der Nature-Autoren sachlich zusammen. Außerdem führt er Ergebnisse zum vorhergesagten und tatsächlichen Anstieg des Meeresspiegels aus einer früheren Untersuchung an. Es werden Aussagen der Klimaforscher zitiert, die die generelle Verlässlichkeit der Klimamodelle betonen und auf die Dringlichkeit hinweisen etwas gegen die globale Erwärmung zu tun. Die beobachteten Abweichungen zwischen den Modellen und der Realität sowie die Erklärungen der Wissenschaftler dazu werden weder übertrieben dargestellt noch bagatellisiert.

Das Schlussargument, in dem der journalistische Beitrag auf das Hitzerekordjahr 2014 verweist, wirkt indes weniger überzeugend. Denn dies sagt kaum etwas darüber aus, ob die Phase „zufällig verlangsamter“ Klimaerwärmung nun beendet sein könnte,  weil die Durchschnittstemperatur eines Jahres in Bezug auf langfristige Klimatrends wenig Aussagekraft besitzt. Insgesamt aber verzichtet der Beitrag auf sensationsheischende oder polemische Formulierungen und bleibt im Ton sachlich.

2. BELEGE/ EVIDENZ:
Studien, Fakten und Zahlen werden so dargestellt, dass deren Aussagekraft deutlich wird.

Der Artikel stellt heraus, dass die im IPCC berücksichtigten Klimamodelle langfristig verlässlich sind und erwähnt explizit, dass es sich um eine statistische Überprüfung von Modellrechnungen anhand real gemessener Klimadaten handelt. Doch wie die Autoren der Studie zu ihren Ergebnissen gekommen sind, wird dabei nicht ausreichend deutlich. Zwar können in einem solchen Beitrag nicht die statistischen Methoden im Einzelnen erläutert werden. Aber es wäre interessant gewesen zu erfahren, dass die Modelle zum einen auf Temperaturentwicklungen der Vergangenheit angewendet wurden, um etwaige Fehler zu entdecken. Die Forscher haben von 1900 an jeweils 15-Jahres-Intervalle gebildet und dann Realität und Modell verglichen. Zum anderen wurden denkbare Fehlerquellen überprüft, etwa eine zu große Empfindlichkeit der Modelle. Weil sich dabei keine systematische Ursache für die zu hohen Temperatur-Voraussagen fand, folgern die Klimaforscher, dass es sich um zufällige Abweichungen handelt. Dieses methodische Vorgehen wird in der Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft (LINK) besser erläutert als im journalistischen Beitrag.

Der Artikel referiert eine Fülle von Zahlen, ohne diese immer ausreichend zu erläutern. So heißt es an einer Stelle „die Forscher verglichen dazu (…) die 114 Simulationen mit den tatsächlichen Berechnungen. Wieso aber „die Simulationen“?  Vorher taucht die Zahl 114 nicht auf, und man fragt sich hier, ob man wissen müsse, welche Simulationen gemeint sind.

3.EXPERTEN/ QUELLENTRANSPARENZ:
Quellen werden benannt, Abhängigkeiten deutlich gemacht und zentrale Aussagen durch mindestens zwei Quellen belegt.

Der Zeitungsartikel bezieht sich auf eine aktuelle Nature-Publikation und nennt deren Autoren und die beteiligten Institute. Den einen der beiden Autoren, Jochem Marotzke vom MPI für Meteorologie in Hamburg, zitiert er mehrfach direkt. Allerdings fehlt hier der Hinweis, dass das MPI für Meteorologie und auch die Arbeitsgruppe von Marotzke selbst maßgeblich Klimamodelle entwickeln. Beide Verfasser der hier vorgestellten Studie gehören zu den Leitautoren des aktuellen IPCC-Berichts sowie früherer Berichte. Das ist einerseits nicht erstaunlich, da praktisch alle führenden Klimaforscher am IPCC beteiligt sind, wäre aber dennoch eine wichtige Information gewesen. Es könnte die Vermutung nahelegen, dass die Autoren ein Interesse daran haben, für die Verlässlichkeit der Klimamodelle zu argumentieren. Andererseits hatte sich Marotzke laut Spiegel online 2013 vehement (und im offenen Widerspruch zu Vertretern aus dem Umwelt- und dem Forschungsministerium) dafür ausgesprochen, der Diskrepanz zwischen Vorhersage und Realität in der 15-jährigen „Erwärmungspause“ eingehend und offensiv auf den Grund zu gehen , was eher gegen eine solche Voreingenommenheit spricht. Auch dies wäre aber eine interessante Zusatzinformation gewesen.

Der Zeitungsartikel nennt neben der o.g. Nature-Publikation noch Ergebnisse aus einem weiteren Fachbeitrag, der kürzlich in Nature erschienen ist, jedoch ohne nähere Quellenangaben. Darüber hinaus zitiert er Messwerte der NASA und der amerikanischen Wetterbehörde NOAA. Alles in allem werten wir „knapp erfüllt“.

4.PRO UND CONTRA:
Es werden die wesentlichen relevanten Standpunkte angemessen dargestellt.

Der Artikel legt den Fokus klar auf die Arbeit der Wissenschaftler, die die Korrektheit der Klimamodelle überprüft und dabei keinen systematischen Fehler entdeckt haben. Das Gegenargument, nämlich dass die Modelle die Erderwärmung systematisch überschätzen würden, wird nur gestreift, aber – als Ausgangpunkt für Studie und Artikel – noch ausreichend deutlich genannt.

Der Zeitungsartikel übernimmt weitgehend die Argumentation der Autoren der Nature-Publikation und beschreibt deren Ergebnisse. Darüber hinaus schildert er aber auch anhand einer anderen Untersuchung weitere Diskrepanzen zwischen prognostizierten und tatsächlich eingetretenen Klimaeffekten beim Anstieg des Meeresspiegels. Diese könnten als Argumente für die Sichtweise dienen, der Einfluss des Treibhauseffektes würde in den Simulationen systematisch überschätzt. Dazu werden wiederum Gegenargumente angeführt; es wird auf den verstärkten Anstieg des Meeresspiegels 1993 bis 2010 hingewiesen sowie auf eine Häufung von Hitzerekordjahren seit 2005. Insgesamt wird so ausreichend deutlich, worum es bei dieser Debatte geht.

5. PRESSEMITTEILUNG:
Der Beitrag geht deutlich über die Pressemitteilung / das Pressematerial hinaus.

Zu der vorgestellten Fachpublikation liegen Pressemeldungen der Max-Planck-Gesellschaft  und des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg  vor. Sie liefern zahlreiche der im Artikel genannten Informationen. Der Beitrag geht jedoch in mehreren Punkten darüber hinaus: Er zitiert einen der beiden Autoren mit Äußerungen, die nicht im Originalartikel stehen oder den Pressemitteilungen entnommen sind. Außerdem werden eine weitere Fachpublikation und Messungen von NOAA und NASA herangezogen.

6. ALT oder NEU:
Der Beitrag macht klar, ob es sich um ein neu aufgetretenes Umweltproblem, eine innovative Umwelttechnik o.ä. handelt, oder ob diese schon länger existieren.

Der Beitrag macht deutlich, dass bereits seit längerem über die Korrektheit der Klimamodelle debattiert wird, und dass die Grundlage des Artikels eine Studie ist, die die Diskrepanz zwischen Modellrechnungen  und gemessener Erwärmung neu untersucht hat („Dieser Diskrepanz wurde mit der statistischen Analyse nun nachgegangen“).

Es wird dabei aber nicht klar, ob es die bislang einzige Untersuchung ist, die den Abweichungen nachgeht, oder ob es dazu schon frühere Arbeiten gab. Es kann so der Eindruck entstehen, dass es sich um die erste Studie zu dieser Frage handelt. Wie aus einem News & Views-Kommentar in der Fachzeitschrift Nature hervorgeht, haben aber bereits viele andere Arbeiten nach Fehlern in den Klimamodellen gesucht, um die Abweichungen zu erklären. Der Kommentar macht zugleich die Besonderheiten der aktuellen Studie deutlich. Beispielsweise hebt er als wesentliche Innovation die Art und Weise hervor, wie die Kopplung von Ozeanen und Atmosphäre in die Berechnungen einbezogen wird. Der journalistische Beitrag informiert über diese Aspekte nicht.

7. LÖSUNGSHORIZONTE und HANDLUNGSOPTIONEN / kein „Greenwashing“:
Der Beitrag nennt Wege, um ein Umweltproblem zu lösen, soweit dies möglich und angebracht ist.

Der Beitrag beschäftigt sich nicht mit Lösungsmöglichkeiten und Handlungsoptionen. Allenfalls könnte man auf der wissenschaftlichen Ebene als Handlungsmöglichkeit anführen, dass man die überprüften Modelle nun weiter verwenden kann. Ansatzpunkte zu deren Verbesserung liefert die Studie nicht. „Nun können sie an keiner Schraube drehen, um die Vorhersagen ihrer Modelle noch präziser zu machen – der Zufall hat keine.“, heißt es in der Pressemeldung. Ein ähnlicher Hinweis hätte auch dem Artikel gut getan. Ansonsten aber lassen sich aus einer Studie, die nach systematischen Fehlern in Klimamodellen sucht und keine Schwachstellen findet, keinerlei Handlungsoptionen direkt herleiten. Wir wenden das Kriterium daher nicht an.

8. RÄUMLICHE DIMENSION (lokal / regional / global):
Die räumlichen Dimensionen eines Umweltthemas werden dargestellt
.

Dass es sich um eine globale Frage handelt, wird im Artikel klar, auch wenn es gut gewesen wäre, dies schon zu Beginn explizit zu sagen. Der wissenschaftliche Beitrag ist hier deutlicher, so ist schon im Titel des Nature-Artikels von „global temperature trends“ die Rede; in der Zusammenfassung wird der Begriff „global-mean surface temperature (GMST)“ eingeführt, also die mittlere Temperatur der Erdoberfläche (insgesamt), die im folgenden die untersuchte Schlüsselgröße darstellt. Im Zeitungsartikel ist allgemeiner von der potenziellen Überschätzung der „Erderwärmung“ die Rede, vom Anstieg des Wasserspiegels „der Ozeane“ und ihrer Wärmekapazität und vom Handlungsbedarf für die „Weltgemeinschaft“. Es wird damit noch hinreichend klar, dass es um Prognosen des Weltklimas geht. Dabei differenziert der Artikel nicht, welche der 114 Modelle (engmaschiger und trennschärfer) regionale Entwicklungen berechnen und welche (großskaliger und zwangsläufig ungenauer) globale. Doch sind bei diesem Thema besondere regionale Gesichtspunkte nicht zwingend zu berücksichtigen. Daher werten wir „erfüllt“.

9. ZEITLICHE DIMENSION (Nachhaltigkeit):
Die zeitliche Reichweite eines Umweltproblems oder Phänomens wird dargestellt.

Der Artikel enthält einige zeitliche Angaben, Insbesondere wird klar, dass es um die Phase von 1998 bis 2012 geht, in der die Erderwärmung nicht so stark war wie prognostiziert. Der Artikel nennt im Detail sowohl die gemessenen als auch die modellierten Werte. Bei der Untersuchung zum Meeresspiegelanstieg und den Wetteraufzeichnungsdaten macht der Zeitungsartikel präzise Aussagen zum Untersuchungszeitraum.

Wichtige zeitliche Informationen zur aktuellen Studie fehlen indes. So wird nicht berichtet, dass die Forscher für alle möglichen 15-Jahresperioden seit 1900 die Beobachtungen mit den verfügbaren Simulationen verglichen haben, um die Zuverlässigkeit der Modelle zu testen.

Unklar bleibt auch, wie lange schon der Vorwurf im Raum steht, die Klimamodelle würden den Effekt des CO2-Anstiegs systematisch überschätzen. Erst seitdem der „Hiatus“ – also der in den letzten Jahren langsamere globale Temperaturanstieg –  bekannt ist und diskutiert wird, oder schon vorher? Es wird nicht deutlich, dass dieser Vorwurf die Diskussion um die Ursachen des Klimawandels praktisch von Anfang an begleitet hat.

Der Aspekt der zukünftigen Entwicklung bleibt unkonkret. Der Artikel konstatiert: Die Erderwärmung wird in der Berechnung durch die IPCC-Klimamodelle nicht systematisch unterschätzt, sie kommt wie vorhergesagt. Es fehlt aber jegliche Information dazu, welche Erwärmung (und welcher Meeresspiegelanstieg) bis wann prognostiziert ist.

Insgesamt werten wir „knapp nicht erfüllt“.

10. KONTEXT / KOSTEN:
Es werden politische, soziale oder wirtschaftliche Aspekte eines Umweltthemas einbezogen.

Der Beitrag beschäftigt sich ausschließlich mit den wissenschaftlichen Aspekten: mit der Messung der Klimadaten und ihrer Modellierung. Zu den Schlussfolgerungen zitiert er lediglich eine der oben erwähnten Pressemitteilungen zur Studie mit der vagen Aussage: „Die Erderwärmung wird am Ende dieses Jahrhunderts also höchstwahrscheinlich gravierende Ausmaße erreicht haben – wenn die Weltgemeinschaft nicht endlich beherzt dagegen vorgeht“. Der politische und sozio-ökonomische Kontext und die Brisanz der Studie kommen in dem Artikel praktisch nicht vor. Dass die Prognosen erhebliche politische und wirtschaftliche Konsequenzen haben, wird nicht erwähnt. Das wäre an der Stelle aber wichtig – können derartige zufällige Schwankungen z.B. bei künftigen Anpassungsmaßnahmen berücksichtigt werden?  

Auch dass mit dieser Studie ein wesentliches und langjähriges Argument aus dem Lager der „Klimaskeptiker“ offenbar entkräftet wird, und welche politische Bedeutung das haben könnte, bleibt außen vor. Selbstverständlich kann der Artikel darauf nicht im Detail eingehen, aber ein Hinweis darauf, dass es sich hier nicht nur um einen wissenschaftlichen Disput handelt, sondern um relevante Informationen für Politik und Wirtschaft, wäre nötig gewesen.

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. THEMENAUSWAH:
Das Thema ist aktuell, oder auch unabhängig von aktuellen Anlässen relevant oder originell.

Die Diskussion über die Verlässlichkeit der für Klimaprognosen verwendeten Klimamodelle bzw. einen vermeintlichen systematischen Bias in den Modellen ist ein Dauerbrenner und dient Klimaskeptikern immer wieder als (vermeintlich) schlagkräftiges Argument – speziell seit die „Erwärmungspause“ der letzten 15 Jahre im Gespräch ist. Damit ist das Thema auch von hoher Relevanz. Mit der aktuellen Nature-Publikation gibt es einen konkreten Anlass für die Berichterstattung.

2. VERMITTLUNG:
Komplexe Umweltzusammenhänge werden verständlich gemacht.

Der Artikel berichtet sehr nüchtern und sachlich über eine neue Studie. Das wichtigste Ergebnis wird in den ersten beiden Sätzen zusammengefasst – passend für einen nachrichtlichen Text. Er beleuchtet, warum die statistische Überprüfung der Klimamodelle nötig war. Es folgt dann eine Fülle von Zahlen und Detailinformationen, die das Lesen erschweren. So nennt allein der vierte Absatz in acht Zeilen acht Zahlen. Die Gründe, warum die Modelle in ihren Prognosen von den tatsächlich gemessenen Werten abweichen, bleiben dabei weitgehend unverständlich. Ebenso wenig erklärt der Artikel, weshalb die Klimamodelle die Erderwärmung trotzdem langfristig korrekt vorhersagen. Als größtes Manko des Artikels sehen wir, dass er letztlich das Vorgehen der Forscher nicht verständlich macht, und man daher einfach akzeptieren muss, dass Ursache der Abweichungen wohl der Zufall ist und kein systematischer Fehler.

Hinzu kommen weitere Ungenauigkeiten und fehlerhafte Formulierungen. So heißt es an einer Stelle: „Nachbesserungen bei den Modellen zur Klimaentwicklung gibt es durchaus immer wieder.“ Im folgenden Absatz geht es dann aber überhaupt nicht um Nachbesserungen bei den Modellen, sondern um eine Neuauswertung der Messdaten. An andere Stelle wird fälschlich formuliert, die Modelle hätten „verschiedene Annahmen, wie viel Temperatur die Ozeane – zumindest vorübergehend – speichern…“ (Gespeichert wird Wärmeenergie, nicht „Temperatur“).

3. FAKTENTREUE:
Der Beitrag gibt die wesentlichen Daten und Fakten korrekt wieder.

Uns sind keine Faktenfehler aufgefallen.

 

Umweltjournalistische Kriterien: 5 von 9erfüllt

Allgemeinjournalistische Kriterien: 2 von 3 erfüllt


Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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