In Österreich gibt es seit einigen Monaten ein Projekt, das – wie der Medien-Doktor – seine Arbeit auf medizinjournalistische Beiträge konzentriert. Medizin-Transparent überprüft, wie gut die Aussagen in ausgewählten Gesundheitsartikeln durch Studien gedeckt sind.
Unser Medien-Doktor-Projekt ist ja an sich keine völlige Neuerfindung, sondern basiert im Kern auf ähnlichen Projekten, die es seit einigen Jahren in anderen Ländern gibt, wie etwa HealthNewsReview in den USA oder dem allerersten Projekt dieser Art in Australien mit Namen Media Doctor Australia. Uns allen ist gemeinsam, dass wir medizinjournalistische Beiträge nach einem Kriterienkatalog bewerten und einordnen und auf diese Weise den Medizinjournalismus beurteilen.

Einen eher deskriptiven Weg in der Medienanalyse nimmt das britische „Behind The Headlines“, das sich vor allem darauf konzentriert, die wissenschaftlichen Belege hinter den Gesundheitsnachrichten zu beurteilen und einzuordnen. Seit April dieses Jahres gibt es nun ein ganz ähnliches Projekt im deutschsprachigen Raum: Es nennt sich Medizin-Transparent und wird von einem Team am Department für Evidenzbasierte Medizin und Klinische Epidemiologie an der Donau-Universität Krems betreut. Regelmäßig scannt ein Team um Michaela Strobelberger und Bernd Kerschner vor allem die österreichische Medienlandschaft nach Gesundheitsmeldungen und klopft die medizinischen Aussagen dieser Artikel auf ihre wissenschaftliche Evidenz ab.

Für eine erste Orientierung dient ein System von Punkten, um die Beweislage einzuordnen. Die Wirksamkeit einer Therapie oder eines Medikaments wird anhand eines Hakens oder eines Kreuzes dargestellt.
Wie auch beim Medien-Doktor die Sterne stellen diese Symmbole eigentlich nur eine erste grobe Orientierung dar. Wichtiger sind die genauen Erklärungen. Im Fall von Medizin-Transparent sind dies die ausführlichen Beschreibungen der Studienlage und eine Einordnung, die durch eine Liste der wichtigsten Studien komplettiert wird. Ein Glossar erklärt verständlich die wichtigsten Begriffe wie etwa “Randomisierung” oder “Kohortenstudie”. Besonders interessant: Leser können selbst Vorschläge einreichen. Das Team von Medizin-Transparent analysiert dann, wie gut die Aussagen in einem Gesundheitsartikel durch Studien gedeckt sind.
Hier ein Auszug aus der Selbstbeschreibung des Projektes:
Beinahe täglich berichten Zeitungen und Fachzeitschriften von neuen effektvollen Behandlungsmethoden oder diagnostischen Tests. Dadurch werden bei den LeserInnen Erwartungen, aber auch Ängste und Sorgen geweckt, und Verantwortliche im Gesundheitsbereich geraten oft unter Handlungsdruck. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Inhalten? Können wir wirklich glauben was wir lesen? (…)
Es ist wichtig, dass PatientInnen sowie ÄrztInnen und Entscheidungstragende im Gesundheitswesen beim kritischen Hinterfragen von Schlagzeilen unterstützt werden. (…) [MitarbeiterInnen des Departments] scannen bei „Medizin-Transparent.at“ (…) Schlagzeilen in Tageszeitungen und Fachzeitschriften und bewerten deren Evidenzgrundlage kritisch. Kurze, leicht verständliche und unabhängige Zusammenfassungen dieser wissenschaftlichen Recherchen werden dann auf der Webseite www.medizin-transparent.at veröffentlicht und damit nicht nur ÄrztInnen, sondern auch PatientInnen und allen Interessierten zugänglich gemacht.
Durch dieses Service sparen NutzerInnen viel Zeit für Recherchearbeit und werden nach dem aktuellsten Stand der Wissenschaft informiert. Somit wird es PatientInnen möglich gemacht, informierte Entscheidungen zu treffen, und ÄrztInnen können ihren PatientInnen schnell evidenzbasierte Informationen zu aktuellen Themen liefern.
Was Ärzten und Patienten nützt, kann ja durchaus auch Journalisten hilfreich sein.
Ein Video-Interview mit den Machern des Projekts kann man sich übrigens an dieser Stelle ansehen.
Wir wünschen den Kollegen viel Glück und Erfolg für ihr Projekt.

