Sprechstunde

Lesetipp: Die Evidenz-Sprechstunde

Neben der Bewertung akueller journalistischer Artikel und Beiträge (derzeit wegen einer umfangreichen Auswertung unterbrochen), ist es uns immer wichtig, Journalisten (und auch Mitarbeitern von Pressestellen) Tipps und Ratschläge für ihr Handwerk zu vermitteln. Dafür haben wir die Rubriken „Tools für Journalisten„, unser Special mit den „Praxisberichten“ oder die zahllosen Posts hier im Blog.

Es gibt im deutschsprachigen Raum nur wenige Seiten, die Medizinjournalisten oder solchen, die es werden wollen, wirklich fundierte und verständliche Tipps zum Thema Medizin geben. Eine dieser Seiten ist eine lesenswerte Serie, die auf der Webpräsenz der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ) zu finden ist:

Die Evidenz-Sprechstunde.

Die Medizinjournalistin Iris Hinneburg, ausgebildete und promovierte Pharmazeutin und u.a. Autorin eines empfehlenswerten Buches mit dem Titel Klinische Studien kritisch lesen,  widmet sich in jedem ihrer Artikel einem Thema rund um die evidenzbasierte Medizin und dem Verständnis von Studien.

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Erfreulich ist, dass sie es nicht auf Lobeshymnen auf die evidenzbasierte Medizin abgesehen hat, sondern immer auch erklärt, wo die Stärken und die Schwächen liegen, warum zum Beispiel selbst ein „Goldstandard“ wie eine Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse immer auch Probleme bereiten kann. Das ist hilfreich nicht nur für Anfänger, sondern auch für Journalisten, die schon länger über Medizin und Gesundheit schreiben.

Im Dezember erklärte sie  zum Beispiel die Tücken bei Aussagen zu Nebenwirkungen von Medikamenten, warum etwa die Information, die Nebenwirkungsrate befände sich „auf Placebo-Niveau“, nur den Ahnungslosen beruhigen könne. Sie erklärt die „Einzelstudien-Falle“ oder geht der Frage nach, wie viel Evidenz in den medizinischen Leitlinien stecken.

Jeder Artikel ist gespickt mit hilfreichen, weiterführenden Links wie etwa zur (auf diesem Blog auch schon vorgestellten) deutschsprachigen Onlineversion des englischen Testing Treatments: Wo ist der Beweis?

Das alles ist in einem klaren, unaufgeregten und verständlichen Stil erklärt, der die Artikel auch für Nicht-Pharmazeuten nachvollziehbar macht. Die gelegentlich eingestreuten Hinweise für die pharmazeutische Praxis sollten niemanden davon abhalten, die Serie regelmäßig zu lesen

(Disclaimer: Unsere Gutachterin Nicola Kuhrt ist Chefredakteurin der Onlineseite der DAZ.)


LINKS:

Iris Hinneburg: Die Evidenz-Sprechstunde, DAZ.de

Evans, I. u.a. (2013): Wo ist der Beweis, Testing treatments interactive, deutsche Ausgabe herausgegeben von Gerd Antes.

Medien-Doktor: Tools für Medizinjournalisten


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