Sprechstunde

Fakten, und wie man sie checkt

Dass die Fakten in einem Beitrag stimmen müssen, darüber sind sich alle einig. Doch wie schafft man es einen Beitrag ohne Faktenfehler zu veröffentlichen? Eine kleine Checkliste kann da weiter helfen. Wir verraten, wo man sie findet.

Eines unserer Kriterien, das wir bei unseren Bewertungen medizinjournalistischer Beiträge überprüfen, ist die Faktentreue. Wir starten dazu keine vollständige Gegenrecherche, das würde unsere Kapazitäten sprengen, sondern überprüfen den Text auf offensichtliche Fehler oder Fehler, die unsere Gutachter aufgrund ihrer Expertise im Rahmen der Möglichkeiten erkennen können.

Am liebsten sind uns natürlich Beiträge ohne größere Faktenfehler. Das ist auch bei Chefredakteuren und anderen leitenden Redakteuren der Fall. Die „Richtigkeit“ ist eines der wichtigsten Kriterien, an denen sie laut Medienforschung einen guten Artikel im Journalismus festmachen. Dass „Richtigkeit vor Schnelligkeit“ geht, konnte man auch zuletzt an dieser Stelle erfahren.

Aber wie erreicht man einen fehlerfreien Beitrag?

Da kann einem die folgende Checkliste helfen (Rechts in blau; das inhaltlich gleiche Exemplar, nur in anderer Aufmachung, gibt es auf der Webseite von Netzwerk-Recherche als pdf zum herunterladen.) Erstellt wurde sie von Bertram Weiß, einem Experten auf dem Gebiet. Auf der letzten Wissenswerte hat er zusammen mit Johannes Kückens einen Vortrag zum Thema gehalten; auf der zugehörigen Facebook-Seite gibt es weitere Informationen.

Für den Faktencheck erweisen sich gemäß dieser Checkliste drei Bereiche als potenzielle Fehlerquellen:

  • die Quellen
  • die Fakten
  • man selbst

Entsprechend ist es ratsam jede der drei Fehlerquellen gezielt zu überprüfen. Zur Quellenkontrolle zählt etwa, das man möglichst die Originalquelle zur Verfügung hat. Im Medizinjournalismus ginge es hier darum, den Original-Fachartikel zu lesen, und sich nicht nur auf die Pressemitteilung zu verlassen.

Bei der Faktenkontrolle achtet sollte man neben so beliebten Fehlerquellen wie Namen auch Fachbegriffe (wenn sie denn nötig sind) oder auch Kausalbezüge überprüfen. Im Medizinjournalismus könnte dies etwa eine Rolle spielen, wenn im Beitrag Aussagen gemacht werden wie: „Regelmäßiger Fischkonsum senkt das Herzinfarktrisiko um 50 Prozent.“ Dabei wird ein klarer kausaler Zusammenhang hergestellt. Solche Aussage beruhen aber in der Regel auf epidemiologischen Studien (Beobachtungsstudien) und/oder Korrelationen von Fischkonsum und Anzahl der Herzinfarkte. Damit lassen sich aber keine direkten kausalen Zusammenhänge herstellen, dafür braucht es andere Studientypen. Bei unseren amerikanischen Kollegen von HealthNewsReview.org gibt es Tipps, worauf man bei der Berichterstattung über solche Studien achten sollte.

Zur Selbstkontrolle gehört es schließlich, sich seine eigene Fehlerhaftigkeit einzugestehen, und zum Beispiel einen Kollegen zu bitten, den eigenen Text gegen zu lesen. Der sieht meist Dinge, die man auch beim dritten Mal lesen, übersehen hat.

Zum Schluss noch ein Tipp zu einem umfassenden Büchlein zum Thema: Netzwerk Recherche hatte im letzten Jahr dazu ein Seminar veranstaltet. Den Werkstatt-Reader mit den Texten der Referenten kann man auf dieser Seite herunterladen. Dort findet sich zum Beispiel auch ein Beitrag von Holger Wormer, dem Projektleiter des Medien-Doktor. Titel: „Problemfeld Interview: Zitatcheck und Autorisierung„.

Mehr Links und Informationen gibt es auf der eigens von Netzwerk Recherche eingerichteten Webseite www.factchecking.de
Die Checkliste gibt es an dieser Stelle als pdf zum herunter laden.

 

In dem Zusammenhang noch zwei aktuelle Veranstaltungshinweise:

1. Die WPK, einer der Journalistenverbände, die uns unterstützen, veranstaltet einen Workshop zum Thema: „Fact-Checking“ am Samstag, 16.4., 10.00 – 17.00 Uhr im Wissenschaftszentrum Bonn. Informationen dazu auf der WPK-Seite.

2. Das Netzwerk-Recherche bietet ein Seminar an: „Von anderen Rechercheberufen lernen„, Hamburg, nr Fachkonferenz,  Sa., 28.05.2011 bis So., 29.05.2011. Für Infos einfach dem Link folgen.

 

VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)

Schreiben Sie uns...