Sprechstunde

Erste Analyse von über 300.000 Pressemitteilungen im idw

Von Julia Serong

In Rahmen unseres INKA-Projekts haben wir uns hier in den vergangenen drei Jahren intensiv mit der Informationsqualität in der Medizinkommunikation beschäftigt. Seitdem haben wir beim Medien-Doktor Medizin neben journalistischen Artikeln auch Pressemitteilungen unter die Lupe genommen. Die Fälle, die wir bisher beim Medien-Doktor Medizin begutachtet haben, sind nur ein kleiner Ausschnitt dessen, was sich im gesamten Feld der Medizin- und Gesundheitskommunikation bzw. in der Wissenschaftskommunikation überhaupt zuträgt. Während es für den Bereich des Wissenschaftsjournalismus bereits einige empirische Studien gibt, die u. a.  die hohe Relevanz von Medizin- und Gesundheitsthemen zeigen, mangelt es an entsprechenden Analysen der institutionellen Wissenschafts-PR.

Am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus des Dortmunder Instituts für Journalistik haben wir uns daher den „Informationsdienst Wissenschaft (idw)“, der vor zwei Jahren sein 20-jähriges Jubiläum gefeiert hat, genauer angeschaut. Hierzu haben wir uns mit unseren Kollegen von der TU Dortmund, Prof. Dr. Kristian Kersting (Fakultät für Informatik) und Prof. Dr. Jörg Rahnenführer (Fakultät Statistik), zusammengetan. So konnten wir nicht nur eine Stichprobe, sondern den gesamten Datensatz von über 300.000 Pressemitteilungen, die vom idw im Zeitraum von 1995-2015 verbreitet wurden, analysieren.

Zahl der Pressemitteilungen der Universitäten im idw zuletzt rückläufig

In unserem kürzlich erschienenen Beitrag im Fachmagazin Publizistik haben wir die Ergebnisse unserer Längsschnittstudie veröffentlicht. Dafür haben wir den Datensatz nach verschiedenen Typen von Forschungseinrichtungen und wissenschaftlichen Disziplinen differenziert. Die Befunde stützen die vieldiskutierte Annahme, dass sich Forschungsinstitutionen zunehmend um mediale Publizität und Aufmerksamkeit bemühen, insbesondere für den Zeitraum 1995 bis 2008. So stammen die meisten Pressemitteilungen von Universitäten, allen voran die Unis von Jena und Bochum sowie des Saarlandes.

Die Aktivität der Universitäten beim idw ist in den letzten Jahren indes stark rückläufig gewesen. Ob sich die Trendwende seit 2008 auf eine Komplementärnutzung von Social Media als Distributionskanäle zurückzuführen ist, oder auch andere Ursachen hat, wäre in anschließenden Studien zu prüfen.

Unser Vergleich der außeruniversitären Forschungsorganisationen Fraunhofer- und Max-Planck-Gesellschaft sowie Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft hat Hinweise darauf geliefert, dass eine starke Anwendungsorientierung in der Forschung mit einer intensiven PR-Tätigkeit einhergeht. Allerdings hat die Analyse auch gezeigt, dass gerade die einzelnen Mitgliedseinrichtungen der Helmholtz- und der Leibniz-Gemeinschaft, die beide kollegial und nicht-korporativ verfasst sind, ihre Öffentlichkeitsarbeit intensiviert haben. Vermutlich spielt also auch die Organisationsstruktur der Forschungsgemeinschaften und die Bedeutung der zentralen Pressestelle innerhalb der Organisation eine wichtige Rolle.

Was die verschiedenen Sachgebiete betrifft, die es beim idw zur Auswahl gibt, so sind die Themenfelder Medizin und Gesundheit, ähnlich wie im Wissenschaftsjournalismus, auch in der Wissenschafts-PR vorherrschend.

Mit dieser Arbeit haben wir einen Grundstein für die Analyse der Pressemitteilungen auf der idw-Plattform gelegt. Wir sind gespannt auf die weiteren Ergebnisse, die sicher einen wichtigen Beitrag in der Debatte über Qualität in der Wissenschaftskommunikation leisten können.


LINKS:

Serong, J., Koppers, L., Luschmann, E. et al. (2017): Öffentlichkeitsorientierung von Wissenschaftsinstitutionen und Wissenschaftsdisziplinen, Publizistik, Springer Verlag.
https://link.springer.com/article/10.1007/s11616-017-0336-6


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