Sprechstunde

Ein Kasten, um über Studien zu informieren

Manche Autoren verzichten auf die Beschreibung einer Studie und deren Einordnung, weil sie finden, dass die komplizierte Materie nur den Lesefluss stört. Spiegel Online hat eine einfache Lösung für dieses Problem …

Wir vom Medien-Doktor finden es wichtig, dass Journalisten ihre Leser, Zuhörer und Zuschauer darüber informieren, wie gut die Studien sind, mit der zum Beispiel die Wirksamkeit einer Therapie oder eines Medikament belegt wird (Kriterium 3: Belege). Ein Autor sollte kurz vermitteln, wie die Studie aufgebaut ist und eine Einordnung liefern, die Lesern und Zuschauern helfen zu verstehen, wie aussagekräftig eine Studie ist.

All die Fachbegriffe, die einen Studienaufbau beschreiben, sind teilweise etwas schwierig zu erklären, und es gibt Autoren, die deshalb ganz darauf verzichten, weil sie finden, dass es den Lesefluss stört oder von anderen Dingen ablenkt. Die Folge kann aber sein, dass Konsumenten möglicherweise einen falschen Eindruck über die Aussagekraft einer Studie bekommen.

Einen Weg seine Leser zu informieren, ohne den Lesefluss zu stören, haben wir kürzlich erstmals im Wissenschaftsressort bei Spiegel Online entdeckt (in einem Artikel über ein Krebsmittel, das gegen das chronische Erschöpfungssyndrom (CFS) helfen könnte). Anstatt die Erklärungen zur Studie im Beitrag einzuflechten, wurden die wichtigsten Informationen und Ergebnisse in einem separaten Kasten ausgelagert. Dort erfahren Leser dann zum Beispiel:

„Es wurden zwei wichtige Standards eingehalten: Die Untersuchung war placebokontrolliert – die Hälfte der Probanden bekam zweimal das Medikament gespritzt, die andere Hälfte eine unwirksame Salzlösung. Zudem war die Studie doppelblind: Weder Ärzte noch Patienten wussten, wem Rituximab verabreicht worden war und wem ein Placebo. (…)“

Interessant und wichtig ist auch: Der Kasten findet sich nicht irgendwo in der Seitenleiste, wo Informationen gerne mal übersehen werden, sondern im Haupttext.

Über die Informationen im Kasten hinaus gibt es aber auch im Haupttext noch weitere Infos, die helfen, die Qualität der Studie einzuordnen:

„Dabei ist klar: Die jetzt veröffentlichte Untersuchung stützt sich auf zu wenige Patienten, um einen breiten Einsatz des Mittels zu rechtfertigen. Sie ist ein „wichtiger Schritt“, meint Carmen Scheibenbogen von der Charité. Aber: „Jetzt muss eine größere Untersuchung folgen, an der wir uns sofort beteiligen würden“, sagt die Ärztin.“

Das ist ein gelungener Ansatz, finde ich, den andere Medien (und dabei denke ich vor allem an Print- und Onlinemedien) durchaus übernehmen könnten, wenn sie der Meinung sind, genaue Informationen zur Studie störten den Lesefluss oder interessiere Leser gar nicht.

Ein solcher Kasten ist auf jeden Fall eine bessere Lösung, als ganz darauf zu verzichten.

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