Sprechstunde

Die Gewinner des Peter Hans Hofschneider Recherchepreises 2014

Bekanntgabe der diesjährigen Gewinner des Peter Hans Hofschneider Recherchepreises
für Wissenschafts- und Medizinjournalismus auf der Jahrestagung des netzwerk recherche in Hamburg

Bereits zum 8. Mal wurden auf der Jahrestagung des netzwerk recherche in Hamburg die Preisträger für den Peter Hans Hofschneider Recherchepreis für Wissenschafts- und Medizinjournalismus bekannt gegeben. Der Preis, ausgeschrieben von der Stiftung Experimentelle Biomedizin in Zürich in Kooperation mit dem netzwerk recherche, will kompetenten Wissenschaftsjournalismus fördern und Reporter und Reporterinnen ermuntern, nicht nur Jubelberichterstattung zu betreiben, sondern Themen aus Wissenschaft und Medizin kritisch zu hinterfragen und in den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Kontext einzuordnen.

In diesem Jahr wurde der Preis gleich zweimal vergeben, einmal in die Schweiz und einmal nach Deutschland. In Deutschland geht der Preis an die freie Wissenschaftsjournalistin Franziska Badenschier für einen Beitrag im Deutschlandfunk vom 10.08.2014 über das „mysteriöse Kopfnicksyndrom“ (hier beim DLF auch zum Nachlesen und zeitlich begrenzt noch zum Nachhören). Für die Schweiz geht der Preis an Odette Frey, Wissenschaftsredakteurin beim Schweizer Radio SRF, für zwei Beiträge auf SRF 2 Kultur „Gentechnik für Afrika?“ und „Der Run auf die Daten“. Bei beiden Preisträgerinnen würdigte die Jury nicht nur die bereits veröffentlichten Beiträge, sondern jeweils auch ein vertraulich eingereichtes, noch nicht veröffentlichtes künftiges Rechercheprojekt.

Die Urkundenübergabe an Preisträgerin Odette Frey erfolgt im Laufe des Jahres in der Schweiz. Preisträgerin Franziska Badenschier wurde bereits auf der Jahrestagung des netzwerk recherche am 3./4. Juli in Hamburg gewürdigt. „Ein fremder Herr in ihrem Kopf: von nickenden Kindern und der Ohnmacht der Medizin“, heißt ihre nun ausgezeichnete Hörfunkreportage. Gesendet wurde dieses vorbildlich recherchierte und umgesetzte Stück über das rätselhafte Kopfnick-Syndrom im Rahmen einer Serie der Autorin über vergessende Krankheiten im Deutschlandfunk.

Franziska Badenschier erzählt von Experten, die ratlos sind wie die Einheimischen. Der Hörer lernt ohne erhobenen Zeigefinger, wie und vor allem warum Wissenschaftler im Dunkeln tappen. Warum Forscher wegschauen in Krisenregionen, in denen jahrelang Kriege wüteten. Frau Badenschier folgt den Menschen vor Ort, gibt ihren Zweifeln, ihrem Verdacht Raum. Aber sie recherchiert auch Forschern hinterher, die nicht reden wollen. Geht Gerüchten über den Einsatz von Chemiewaffen nach, erkundet und entkräftet Hypothesen. Sie zeigt, wie fragil Forschung oft bleibt. Am Ende bleibt die Ursache des Kopfnickens der Kinder rätselhafter denn je. „It is extremely strange. Still this is a mystery“, erklärt ein WHO-Funktionär. Der Hörer ahnt da längst, warum das so ist: Weil die westliche Welt wegschaut bei solchen rätselhaften Krankheiten, weil es womöglich kaum jemand wirklich wissen will. Welche eminent politischen Konsequenzen das Wegschauen haben kann, will Franziska Badenschier auch mit ihrer neuen Recherche zeigen.

Der Peter Hans Hofschneider-Preis ist jeweils mit einem Recherchestipendium in Höhe von 20.000,- Schweizer Franken dotiert, das es den Preisträgern ermöglichen soll, ein weiteres eigenes Projekt zu realisieren. Dabei spielen für die Jury unter Mitwirkung der Journalisten Hans Leyendecker und Volker Stollorz sowie des Dortmunder Wissenschaftsjournalismus-Professors Holger Wormer Kriterien wie die Relevanz des Themas und die Originalität des Recherche-Ansatzes eine wichtige Rolle.

Ab sofort läuft auch die erneute Ausschreibung des Recherchepreises – noch bis Ende November 2015. Weitere Informationen unter: www.recherchepreis-wissenschaftsjournalismus.ch und www.medien-doktor.de/medizin/?sprechstunde=mehr-als-19-000-euro-fuer-die-recherche-gewinnen.

 


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