Sprechstunde

Cochrane Reviews im Volltext – kostenlos

Wer einen Beitrag über eine Therapie oder eine Medikament recherchiert, sollte eigentlich immer auch einen Blick in die systematischen Übersichtsarbeiten der unabhängigen Cochrane Collaboration werfen. Journalisten haben die Möglichkeit, diese kostenlos im Volltext zu lesen. Wir verraten, wie man den Zugang erhält.

Ich hatte vor der Sommerpause einige Tipps gegeben, wie man als Journalist einen kostenlosen Zugang zum Volltext medizinischer Fachartikel bekommt. Dabei hatte ich eine Quelle ausgelassen, ohne die man eigentlich keinen ernsthaften Medizinjournalismus betreiben kann: die Übersichtsstudien der Cochrane Collaboration.

 

Die Mediziner dieser unabhängigen Organisation erstellen so genannte systematische Übersichtsarbeiten (engl.: systematic reviews), d.h., sie suchen sämtliche Studien zu einer Therapie oder einem Medikament zusammen, gewichten ihre Aussagekraft und versuchen auf Basis der methodisch besten Studien (der randomisiert kontrollierten Studien, RCT) ein fundiertes Urteil über den medizinischen Nutzen zu geben.

Diese Arbeiten werden gerne als der methodische „Goldstandard“ bezeichnet, als Journalist sollte man aber auch diesen Übersichtsarbeiten nicht bedingungslos vertrauen (etwa nach dem Motto „wenn das die Cochrane-Mediziner sagen, muss es ja stimmen“), denn auch diese Reviews haben ihre Tücken. Die Arbeiten sind aber eine sehr gute Quelle, um sich ein Urteil über eine Therapie oder ein Medikament zu bilden. Sie können also zum Beispiel ein guter Startpunkt für eine Recherche sein.

Für eine erste schnelle Orientierung genügt oft schon ein Blick in die Zusammenfassung eines Reviews, die man problemlos und kostenfrei in der Cochrane Library lesen kann. Mehr Informationen liefern aber die Übersichtsarbeiten im Volltext, für die man in Deutschland (anders als in manchen anderen Ländern) im Normalfall bezahlen muss. Nicht so, wenn man Journalist ist. Dann kann man  sich über die deutsche Seite der Cochrane Collaboration (des Deutschen Cochrane Zentrums in Freiburg) ganz einfach akkreditieren. Das bringt zwei Vorteile:

  1. Man erhält freien Zugang zu allen Cochrane-Reviews.
  2. Man erhält einen Newsletter, der vorab (auf Embargo-Basis) über die aktuellen Metaanalysen informiert.

Ein Einstieg auf der Webseite des deutschen Cochrane Zentrums findet sich hier (mit weiteren Links zu verschiedenen Ressourcen).

Um sich akkreditieren zu lassen, muss man sich auf diese Seite begeben. Kurz das Formular ausfüllen, und abschicken.

Während man auf die Akkreditierung wartet – das kann ein paar Tage dauern – kann man sich zum Beispiel den Medien-Guide (pdf, 8,6 MB) anschauen, der einem erklärt wie die Review-Seiten aufgebaut sind – oder man schaut sich einfach in den Reviews selbst um. Hilfreich sind auch die Erklärungen, was eigentlich Evidenz basierte Medizin (EbM) ist.

Einen Haken gibt es noch am gesamten System: Journalisten, die nicht so sicher mit der englischen Sprache sind, werden deutlich mehr mit den Reviews zu kämpfen haben, weil diese natürlich alle in Englisch verfasst sind. Ein Hilfe können in diesem Fall die deutschsprachigen Zusammenfassungen sein, die man auf dieser Seite durchsuchen kann. Aber es sind eben wieder nur  die Zusammenfassungen.

Links:

Akkreditierungsseite des Deutschen Cochrane Zentrums:
http://www.cochrane.de/de/zugang-akkreditierte-journalisten

Einstiegsseite zur Cochrane Library:
http://www.thecochranelibrary.com/view/0/index.html

Einstiegsseite zu deutschen Zusammenfassungen:
http://www2.cochrane.org/reviews/index_de.htm


Siehe auch:
„7 Wege zum medizinischen Fachartikel im kostenlosen Volltext“
http://www.medien-doktor.de/medizin/sprechstunde/7-wege-zum-medizinischen-fachartikel-im-freien-volltext/


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