Sprechstunde

Berichterstattung über Früherkennung und Screening: Was man wissen sollte

Eine kurzer Lesetipp für alle, die über Früherkennung und Screening berichten. Die Gesundheitsseite des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) Gesundheitsinformationen.de erklärt in einem ausführlichen Artikel das notwendige Wissen zum Thema.

Eigentlich kann man Früherkennungssuchungen nur positiv finden, oder? Je früher man einen Tumor im Darm oder in der Brust findet, desto besser sind die Überlebenschancen. Dieses so einleuchtende Mantra „je früher, desto besser“ hört und liest man häufig in Beiträgen über Früherkennungssuntersuchungen und Screenings. Viele Ärzte befürworten diese Tests gesunder Menschen ohne jeglichen Anfangsverdacht uneingeschränkt. Und viele Journalisten folgen ihnen unkritisch, weil sie der Meinung sind, dass es dagegen nun überhaupt keine Argumente gäbe.

Dabei wäre gerade bei diesem Thema ein differenzierter Blick nötig. Denn wie bei allem in der Medizin hat eine Maßnahme nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken und Nebenwirkungen, die es gegeneinander abzuwägen gilt.

Wichtige Fragen gilt es zu klären: Etwa nach der Treffsicherheit der Tests. Wie oft löst etwa eine Mammografie falschen Alarm aus und beunruhigt eine Frau damit unnötig? Wie viele Jahre leben Männer dank eines PSA-Tests länger im Vergleich zu Männern, die keinen Test durchgeführt haben?

Der Beitrag auf Gesundheitsinformation.de informiert ausführlich und verständlich über folgende Fragen zum Thema:

  • Was ist eine Früherkennungsuntersuchung?
  • Kann Früherkennung Krankheiten verhindern?
  • Wann kann sich eine Früherkennungsuntersuchung lohnen?
  • Wie kann man feststellen, ob eine Früherkennungsuntersuchung nützlich ist?
  • Wie kann mir meine Ärztin oder mein Arzt bei der Entscheidung über eine Früherkennungsuntersuchung helfen?

Vor allem beim Thema des Nutzens einer Früherkennungsuntersuchung machen anschauliche Beispiel deutlich, wo die Fallstricke in diesem Feld der Medizin liegen. Ein Beispiel, das vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung entwickelt wurde, macht klar, wie notwendig es ist, sich die Daten genau anzusehen:

„Bei der Gruppe ohne Früherkennung wurde der Krebs mit 67 Jahren entdeckt, 3 Jahre vor ihrem Tod. In der „gescreenten“ Gruppe wurde der Krebs hingegen schon mit 60 Jahren entdeckt. Betrachtet man nur, wie viele Teilnehmende 5 Jahre nach der Krebsdiagnose noch am Leben waren, sieht es so aus, als wäre das Screening hochwirksam. In Wirklichkeit sind aber alle im Alter von 70 Jahren verstorben – mit oder ohne Früherkennung. Früherkennung hat hier nicht das Leben verlängert, sondern nur die Diagnose nach vorne verlegt.“

Wer also als Journalist gewissenhaft über das Thema Früherkennung und Screening berichten will, dem kann man diesen Beitrag empfehlen (auch wenn er nicht speziell für Journalisten verfasst wurde, sondern für alle, die sich zum Thema informieren wollen).

 

Link:
Was Sie über Früherkennungsuntersuchungen wissen sollten
http://www.gesundheitsinformation.de/artikel-was-sie-ueber-frueherkennungsuntersuchungen-wissen-sollten.552.de.html 

 

Disclaimer: Der Chefredakteur von Gesundheitsinformation.de Klaus Koch ist Gutachter beim Medien-Doktor.

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