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„Vitamin G! Wie Grün“

„Vitamin G! Wie Grün“

Sich im „im Grünen“ aufzuhalten, auch im Rahmen von Therapien, könnte helfen, gesundheitliche Probleme zu verbessern, berichtet die Welt, und verweist auf verschiedene Studien, die dies belegen sollen. Viele wichtige Infos werden nur oberflächlich oder gar nicht angesprochen, ob es Studien gibt, die dagegen sprechen, bleibt offen. Die Pressemitteilung zu einer der Studien bleibt ähnlich oberflächlich.

Zusammenfassung

Journalistischer Beitrag 

Die Welt trägt in einem längeren Artikel Ergebnisse verschiedener Studien zusammen, nach denen ein regelmäßiger Aufenthalt in der Natur (auch zum Beispiel innerhalb einer Therapie) positive Effekte für die körperliche und seelische Gesundheit haben könnte.

Den mögliche Nutzen des „Draußen seins“ erklärt der Text indes nicht ausreichend konkret. Auf das Thema „Risiken und Nebenwirkungen“ geht der Artikel gar nicht ein. Wie aussagekräftig die angesprochenen Studien sind, erfahren Leser nicht. Es kommen zwar keine Experten für eine Einordnung zu Wort, dafür zitiert der Text mehrere Studien als Quellen. Es wird deutlich, dass es sich nicht um ein neues Thema handelt, und dass es bisher kaum wissenschaftliche Studien zum Einsatz in der Therapie gebe. Auf Alternativen geht der Text nicht ein, die Verfügbarkeit solcher Angebote in Deutschland wird Lesern nicht hinreichend erklärt, ebenso wenig wie der Kostenaspekt. Die angesprochenen gesundheitlichen Probleme werden in diesem nicht aktuellen, aber ungewöhnlichen Thema nicht übertrieben dargestellt. Der Text berichtet einseitig positiv und erklärt die näher vorgestellte Studie nicht korrekt.

Pressemitteilung

Die Universität Göteborg berichtet in der Pressemitteilung „Gardening therapy helps women on long-term sick leave return to work“ über die Ergebnisse einer Studie im Fachmagazin „Scandinavian Journal of Caring Sciences“. Danach könnte eine Kombination aus Betreuung und Gartentherapie positive Effekte auf die Gesundheit von Frauen haben, die lange Zeit arbeitslos waren.

Den möglichen Nutzen erklärt der Text nicht ausreichend konkret und zudem übertrieben. Auf das Thema Risiken und Nebenwirkungen geht der Artikel gar nicht ein. Die Grenzen in der Aussagekraft der Studie werden ebenfalls nicht erläutert. Die Finanzierung der Studie wird deutlich, externe Quellen werden aber nicht zitiert. Es wird klar, dass die beiden Einzelkomponenten der Therapie etablierte Ansätze sind, die Kombination indes eher neu ist. Auf Alternativen geht der Text nicht ausreichend ein, die Verfügbarkeit in Schweden (bzw. Skandinavien) bleibt offen, der Kostenaspekt wird nicht hinreichend erklärt. Die gesundheitlichen Folgen einer Langzeitarbeitslosigkeit werden nicht übertrieben dargestellt. Der Text berichtet aktuell und klar strukturiert, insgesamt jedoch zu oberflächlich und stellt zwei Einzelaspekte nicht korrekt dar.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Im journalistischen Beitrag ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Der Artikel nennt zahlreiche gesundheitliche Parameter, die sich durch einen Aufenthalt in der Natur wie Gartenarbeit oder Spazierengehen usw. allgemein verbessern sollen. So heißt es etwa: „(…) führen Spiel und Bewegung im Freien zu einer Verbesserung von motorischen, sprachlichen und mathematischen Fertigkeiten und fördern Konzentration und Leistungsfähigkeit.“ Später heißt es auch: „Das kann sich positiv auf die Denkfähigkeit und die emotionale Stabilität auswirken. Zudem verbessern sich die Konzentrationsfähigkeit, die Aufmerksamkeit und somit auch die Arbeitsleistung.“ Etwas konkreter erklärt der Text an einer Stelle: „Wer draußen wanderte, im Garten arbeitete, Rad fuhr, fischte, Boot fuhr oder ritt, hatte bereits nach fünf Minuten seine geistigen Kräfte erholt.“ Das generelle Problem dabei ist, dass so gut wie nie das Ausmaß der Verbesserungen konkret in Zahlen gefasst wird. Für solche Faktoren gibt es Skalen, die mit Punkten anzeigen können, wie gut oder schlecht sich jemand zum Beispiel fühlt.

Die Ergebnisse zur aktuellen Studien sind zudem übertrieben dargestellt, denn es wird zunächst nur berichtet, dass Gartenarbeit, den Frauen, den Einstieg ins Arbeitsleben erleichterte. Später wird dann erst deutlich, dass auch noch andere Maßnahmen wie etwa ein Coaching eingesetzt wurden, sodass eigentlich nicht klar zu trennen ist, was auf die Gartenarbeit und was auf andere Maßnahmen zurückzuführen ist.

1. In der Pressemitteilung ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Zum möglichen Nutzen heißt es nur allgemein: „Being and working in a garden combined with active job coaching can effectively help women on long-term sick leave return to work.“ Die kombinierte Therapie habe die körperliche und mentale Gesundheit der Teilnehmerinnen gestärkt, sie hätten von verbesserter Vitalität und sozialer Kompetenz berichtet. Die Pressemitteilung drückt allerdings den Nutzen nicht in Zahlen aus. Man erfährt lediglich, dass die Lebensqualität, gemessen auf einer wissenschaftlich etablierten Skala, zu Beginn sehr niedrig gewesen sei. Offen bleibt, welchen Wert die Frauen infolge der Therapie erreichten und wie viele Frauen profitierten.

Im Vorspann der Pressemitteilung heißt es zudem, die kombinierte Therapie könne langzeitarbeitslosen, chronisch-kranken Frauen helfen, in den Beruf zurückzufinden. „(…) help women on long-term sick leave return to work“. Ob die Frauen tatsächlich in den Beruf zurückkehrten, wurde jedoch gar nicht untersucht.

2. Im journalistischen Beitrag sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Der Aspekt von Risiken und Nebenwirkungen der Maßnahmen wird an keiner Stelle thematisiert. Auf den ersten Blick erscheint dies einer der Vorteile der Verfahren zu sein, dass sie zum Beispiel weniger Nebenwirkungen als etwa Medikamente haben. Dies hätte man herausstellen können. Aber auch Tätigkeiten in der Natur können eigene Risiken mit sich bringen wie Verletzungsgefahr oder Allergien.

2. In der Pressemitteilung sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Risiken und Nebenwirkungen werden nicht diskutiert. Dabei gibt es sie: Eine beträchtliche Zahl von Interessentinnen für die Studie wurden als nicht geeignet bewertet. Allein dieser Auswahlprozess kann als stigmatisierend empfunden werden, wie die Publikation erläutert, nicht aber die Pressemitteilung: „Barriers include the sampling process, which implies categorising participants, and therefore could be experienced as stigmatising.“ Am Ende bekamen 129 den Fragebogen zur Lebensqualität zu drei verschiedenen Zeitpunkten, den aber nur 52 vollständig beantworteten. Mehrere dürften die Studie abgebrochen haben, was ein Gefühl des Scheiterns in ihnen auslösen und ihre Hoffnungslosigkeit verstärkt haben könnte – dies diskutiert die Veröffentlichung: „If an intervention is experienced as arduous and difficult, it can lead to feelings of failure, which in turn might increase the participant’s existing burden. On the other hand, persons randomised into the control group might feel disappointed and lose hope of recovery.“

3. Im journalistischen Beitrag ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Das Design der aktuellen Studie wird falsch beschrieben (siehe Kriterium Fakten). Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, deren Ergebnisse durch zahlreiche Faktoren verzerrt sein könnten. Die Studienautorinnen selbst nennen solche Faktoren, wie etwa die geringe Teilnehmerinnenzahl. Der Artikel gibt dazu keine Informationen.

Auch wenn zahlreiche weitere Studien genannt werden (die bis 1984 zurückreichen), die möglicherweise positive Effekte auf die Gesundheit gefunden haben, gibt es keinerlei Einordnung für Leser, wie hoch die Aussagekraft dieser Studien ist und wo ihre Schwächen und Grenzen liegen, wie gut belegt die Aussagen also sind. Ob es Studien gibt, die keine positiven Effekte gefunden haben, wird ebenfalls nicht erklärt.

3. In der Pressemitteilung ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Der Leser erfährt zu wenig über die Studie. So wird noch nicht einmal klar, wie viele Frauen an der Untersuchung teilgenommen haben oder ob es zum Vergleich eine Kontrollgruppe gab. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, deren Ergebnisse durch zahlreiche Faktoren verzerrt sein könnten. Ob tatsächlich die Kombination zweier Behandlungsmaßnahmen eine Besserung bewirkte, ist nach Auffassung der Studienautoren selbst nicht bewiesen: Die Zahl der Probandinnen ist zu gering, möglicherweise verzerrende Faktoren kommen hinzu. So kann der Jahreszeitenwechsel zum Sommer zu einem besseren Befinden beigetragen haben, außerdem lagen viele Informationen zur Vorgeschichte der Frauen nicht vor. Auf all das geht die Pressemitteilung nicht ein.

4. Im journalistischen Beitrag werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENKONFLIKTE hingewiesen.

Es kommen zwar keine Experten zu Wort, doch es werden mehrere Studien angesprochen, die ebenfalls positive Effekte gefunden haben. Die Finanzierung dieser Studien wird in keinem Fall thematisiert, daher werten wir auch nur knapp „erfüllt“. Experten, die eine kritische Einordung der Studien hätten vornehmen können, hätten dem Artikel gut getan.

4. In der Pressemitteilung wird auf INTERESSENKONFLIKTE und die FINANZIERUNG hingewiesen und es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert.

Mit einem indirekten Zitat kommt eine der Wissenschaftlerinnen zu Wort. Zumindest werden mögliche Interessenkonflikte und die Finanzierung deutlich: Forscher und Durchführungspartner haben Regierungsgeld bekommen: „During the years 2010-2011, the government appointed special funds to reduce sick leave among women. As one of the four projects awarded funding, researchers at Sahlgrenska Academy in collaboration with a number of instances, combined two proven methods of rehabilitation.“

5. Der journalistischen Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Der Beitrag geht deutlich über die Pressemitteilung zur schwedischen Studie hinaus.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Dieses Kriterium ist bei Pressemitteilungen nicht anwendbar, wir beschreiben dennoch die über den reinen Pressetext hinausgehenden Zusatzinformationen.

6. Der journalistische Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

In dem Artikel heißt es, dass die Wirkung von Grünflächen auf die Gesundheit schon seit über dreißig Jahren untersucht werde. Es folgen verschiedene lose Beispiele von Untersuchungen, die vor allem die Wirkung der Natur auf die Psyche erforscht haben.

Beim therapeutischen Einsatz scheint die Lage anders zu sein: So heißt es zwar in dem Artikel, dass sich Studien mehren, nach denen das „Draußen sein“ in der Therapie genutzt werden kann. Später liest man jedoch auch, dass die „Greencare-Therapie“ in der Altenpflege, der Sozialarbeit und Psychiatrie bisher jedoch kaum wissenschaftlich untersucht sei. Auch über das schwedische Projekt ist zu lesen, dass die Wissenschaftler nun herausfinden wollten, ob man den scheinbar positiven Effekt tatsächlich therapeutisch nutzen kann.

6. Die Pressemitteilung macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Aus dem Text geht hervor, dass die Einzelkomponenten (Garden Therapy, Job Coaching) durchaus etablierte Therapien sind, dass die Kombination von beiden indes ein neuerer Ansatz ist.

7. Im journalistischen Beitrag werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Für all die Effekte, die durch das in der Natur sein, verbessert werden sollen, gibt es oft auch medizinische Therapien/Verfahren. Von diesen wird indes kein einziges erwähnt. So wäre es interessant zu wissen, ob etwa die Effekte vergleichbar gut ausfallen, oder ob zum Beispiel der Kostenaspekt anders ausfällt.

7. In der Pressemitteilung werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Man erfährt, dass „Garden therapy and job coaching (Supported Employment)“ für sich genommen erprobte Methoden sind. Welche anderen Konzepte, Programme oder Methoden es sonst noch gibt, Menschen mit chronischen Krankheiten, die schon lange nicht mehr arbeiten, zu helfen, erfährt man nicht. Wir werten knapp „nicht erfüllt“.

8. Im journalistischen Beitrag wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Ob es in Deutschland bereits Therapien gibt, die sich den Effekt des „Vitamin G!“ bereits zu Nutzen machen, erfahren Leser leider nicht konkret. Es gibt lediglich den sehr allgemeinen Satz: „In der Altenpflege, der Psychiatrie und der Sozialarbeit ist in den vergangenen Jahrzehnten die Therapieform des „Greencare“ in Mode gekommen.“ Wir werten daher – wenn auch knapp “nicht erfüllt“.

8. In der Pressemitteilung wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Das Projekt wurde laut Fachartikel von Januar 2010 bis Juni 2011 durchgeführt. Leser erfahren in der Pressemitteilung, dass die Ergebnisse wissenschaftlich ausgewertet wurden, aber nicht, ob in der Folge ähnliche Projekte in Schweden begonnen wurden, oder ob der Ansatz überhaupt angeboten wird.

9. Der journalistische Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Der Kostenaspekt wird nicht thematisiert. Denkbar wäre, dass man Kosten einspart, da zum Beispiel Kosten für Medikamente eingespart werden können.

9. Die Pressemitteilung geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Was würde so ein Programm kosten, und was könnte es einsparen? Bei chronischen Krankheiten spielt Geld nicht nur für Patienten, sondern auch für das Gesundheitssystem eine wichtige Rolle, das macht die Pressemitteilung leider nur ansatzweise klar. Konkrete Informationen bekommen Leser indes nicht. Wir werten knapp „nicht erfüllt“.

10. Der journalistische Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Krankheiten und gesundheitliche Beschwerden werden in dem Artikel nicht übertrieben dargestellt.

10. Die Pressemitteilung vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Die Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit und chronischer Krankheit werden nicht übertrieben dargestellt.

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA des journalistischen Beitrags ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Es handelt sich durchaus um ein interessantes, ungewöhnliches Thema. Bei Therapien denkt man vor allem an Medikamente, an Spritzen, Pillen und manchmal auch an therapeutische Gespräche. Da im besten Fall sowohl (noch) gesunde Menschen wie auch Patienten profitieren, werden sich viele Leser angesprochen fühlen. Aktuell ist der Artikel sicher nicht, denn zum Beispiel die Studie der Universität Göteborg stammt vom Jahresende 2015, der Artikel kommt also einige Monate zu spät für ein tagesaktuelles, überregionales Medium. Allerdings dient die Studie vor allem als Aufhänger für das Thema.

1. Das THEMA der Pressemitteilung ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Die Pressemitteilung der Universität Göteborg berichtet zeitnah zur Publikation im „Nordic College of Caring Science“. Das Problem ist relevant, wie die Studienautoren zu Beginn schildern: Frauen sind überproportional von chronischer Krankheit und Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, und laut der WHO sind die Herausforderungen für diese Gruppe nicht ausreichend erforscht.

2. Die Darstellung des Themas ist im journalistischen Beitrag gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Der Artikel lässt sich durchaus gut lesen, und ist mit einer gewissen Leichtigkeit geschrieben. Er spricht den Leser an und will ihn von der Sache mit der Natur überzeugen. Die vielen unterschiedlichen Studien, die nicht eingeordnet werden, überfordern jedoch etwas. Man hat den Eindruck, dass das gewollt ist, denn so entsteht nur das allgemeine Gefühl, dass die Natur für Gesundheit und Geist irgendwie wichtig ist. Ob die Studien dies indes hergeben, bleibt offen, auch wenn Leser den Eindruck bekommen müssen, dass der Nutzen belegt ist. Damit wird der Text zu einer unkritischen Sammlung angeblich belegter positiver Effekte der Natur auf die Gesundheit. Journalistische Skepsis ist bei der Vermittlung nicht zu spüren. Wir werten daher wenn auch knapp „nicht erfüllt“.

2. Die Darstellung des Themas ist in der Pressemitteilung gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Der Text ist eher nachrichtlich gehalten, gut lesbar und leicht verständlich ohne störende Fachbegriffe.

Die Pressemitteilung orientiert sich im Aufbau an der wissenschaftlichen Studie – Problemaufriss und Forschungsstand stehen am Anfang. Die eigentliche Neuigkeit – das Ergebnis der Studie – folgt indes erst im fünften Absatz: „A combination of garden therapy and coaching strengthened the participants’ physical and mental health, and led to the women reporting improved vitality and social capabilities.“

Im Folgenden werden willkürlich zwei Zahlen aus dem Lebensqualitätsfragebogen herausgegriffen, die aber nur etwas über den Zustand der Frauen zu Beginn der Untersuchung aussagen. Das suggeriert eine Quantifizierung der Ergebnisse, die dann aber nicht geliefert wird. Im Folgenden werden wieder Zahlen genannt – die Altersspanne der Teilnehmerinnen – aber es fehlt die Information, wie viele Teilnehmerinnen es waren, und wie viele den Fragebogen ausgefüllt haben. Erneut eine ungenaue, jedoch Genauigkeit suggerierende Angabe. Es erschließt sich nicht, warum die Pressemitteilung an diesen Stellen ins Detail geht, sonst aber sehr allgemein bleibt.

Insgesamt gibt die Pressemitteilung die Ergebnisse der Studie nur sehr oberflächlich wieder.

3. Die Fakten im journalistischen Beitrag stimmen.

Im Artikel heißt es: „An der Studie von Eva Lidén und ihren Kollegen nahmen 244 Frauen zwischen 21 und 62 Jahren teil.“ Das stimmt so nicht. Im Fachartikel heißt es: „Interest in participating was expressed by 329 women who sent an application to the project leader (KA). Of these, 245 were considered eligible for the programme (…).“ Die im ersten Schritt als geeignet eingeschätzten Frauen wurden dann aber noch einer genaueren Auswahl durch ein Telefoninterview unterzogen: „(…) a more thorough assessment of whether the applicants’ eligibility for participating in the programme was conducted by the project leader after a structured telephone interview.“ Ergebnis: „101 women did not fulfil the criteria, or their health status was so poor that they were deemed incapable of participating in the FLC activities. Thus, 144 women remained, of whom 129 agreed to participate in the FLC rehabilitation programme and 123 agreed to answer the SF-36 questionnaire. However, only 52 women answered the questionnaire on all three measurement occasions. These 52 women constituted the study group.“

Gemäß diesem Vorgehen ist auch die folgende Aussage im Artikel falsch: „Nach der randomisierten Aufteilung in zwei Gruppen erhielt eine Hälfte der Teilnehmerinnen zwei- bis viermal in der Woche eine Kombination aus praktischer Gartenarbeit, Bewegungsaktivitäten und mentalen Übungen, sowie ein zusätzliches Coaching für die Jobsuche.“

Als Kontrolle dienten die Daten von 1370 Menschen aus der „Swedish SF-36 normative database“ einer Datenbank, die die Zufriedenheit der schwedischen Durchschnittsgesellschaft wiedergeben soll. Die teilnehmenden Menschen haben für die Datenbank den gleichen Fragebogen zur Lebensqualität ausgefüllt, wie die Studienteilnehmer. So konnten die Wissenschaftler ermitteln, welche Zufriedenheitswerte unter Frauen ähnlichen Alters normal sind.

3. Die Fakten in der Pressemitteilung stimmen.

Im Vorspann der Pressemitteilung heißt es, die kombinierte Therapie könne langzeitarbeitslosen, chronisch-kranken Frauen helfen, in den Beruf zurückzufinden. „(…) help women on long-term sick leave return to work“. Ob die Frauen tatsächlich in den Beruf zurückkehrten, wurde jedoch gar nicht untersucht.

Ein weiterer kleiner Faktenfehler kommt hinzu. In der Pressemitteilung heißt es: „The project included women between 21 and 62 that had received economic support from 1 up to 10 years“. In der Studie heißt es dagegen auf Seite 3 oben: „They had received financial support from <1 year to >10 years .“ Also weniger als ein Jahr bis mehr als zehn Jahre“. Das ist nicht unerheblich, weil am Ende von den 129 Teilnehmerinnen nur 52 übrig blieben, die alle Fragebögen ausfüllten und somit letztlich die Studiengruppe bildeten. Von diesen 52 hatte eine größere Anzahl weniger als ein Jahr finanzielle Unterstützung bezogen.

 

Journalistischer Beitrag
Pressemitteilung
Medizinjournalistische Kriterien
4 von 10 erfüllt
3 von 9 erfüllt
Allgemeinjournalistische Kriterien
1 von 3 erfüllt
1 von 3 erfüllt
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