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„Kognitive Leistungsfähigkeit: Schwitz dich schlau“

„Kognitive Leistungsfähigkeit: Schwitz dich schlau“

Wissenschaftler empfehlen auf Grundlage der Studienlage, mehr Möglichkeiten für Sport und Bewegung für Schüler und Schülerinnen zu schaffen. Spiegel Online fasst den Artikel verständlich zusammen, auch wenn einzelne Aspekte etwas ausführlicher hätten erklärt werden können, wie auch bei der Pressemitteilung des Fachmagazins.

Zusammenfassung

Journalistischer Beitrag 

Ein internationales Wissenschaftlerteam fasst in einem Konsensuspapier auf der Basis vorhandener Studien die Vorteile körperlicher Aktivität und Sport für Schülerinnen und Schüler zusammen und empfiehlt, in Schulen und im öffentlichen Raum mehr Möglichkeiten für ausreichende Bewegung zu schaffen.

Spiegel Online fasst den Text aus dem British Journal of Sports Medicine in einem gut lesbaren und verständlichen Text zusammen. Der mögliche Nutzen wird dabei indes nicht ausreichend konkret beschrieben. Wie gut letztlich die Studien und die Datenbasis für die einzelnen Empfehlungen sind, wird nicht hinreichend deutlich. Wissenschaftler als unbeteiligte Quellen für eine Einordnung der Empfehlungen zitiert der Artikel nicht, geht aber über die Pressemitteilung hinaus. Der Text macht klar, dass die Erkenntnis, wie wichtig Sport und Bewegung sind, keine Neuheit ist. Welche Rolle Kosten bei der Thematik spielen könnten, erklärt der Artikel nicht. Gesundheitliche Folgen von Bewegungsmangel werden in diesem aktuell berichteten Artikel nicht übertrieben dargestellt.

Pressemitteilung

Ein internationales Wissenschaftlerteam fasst in einem Konsensuspapier auf der Basis vorhandener Studien die Vorteile körperlicher Aktivität und Sport für Schülerinnen und Schüler zusammen und empfiehlt, in Schulen und im öffentlichen Raum mehr Möglichkeiten für ausreichende Bewegung zu schaffen. Das Fachmagazin British Journal of Sports Medicine, in dem der Artikel veröffentlicht wurde, fasst die Thesen der Wissenschaftler in der Pressemitteilung „Physical activity boosts kids’ brain power and academic prowess“ zusammen.

Der mögliche Nutzen wird im Text nicht ausreichend konkret – auch nicht beispielhaft – erläutert, die Datenbasis nicht hinreichend eingeordnet. Angaben zur Finanzierung oder möglichen Interessenkonflikten wird kein Platz eingeräumt. Es wird deutlich, dass es sich um kein völlig neues Problem handelt, auf Alternativen wird indes gar nicht eingegangen. Die Verfügbarkeit wird klar, der Kostenaspekt bleibt indes offen. Gesundheitliche oder soziale Probleme werden in dieser gut lesbaren und weitgehend verständlichen Pressemitteilung nicht übertrieben dargestellt. Auf die Konferenz, auf der die Wissenschaftler das Konsensuspapier erstellten, geht der Text außer in einer „Notes for Editors“ nicht ein. So reicht es nur knapp zu drei Sternen.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Im journalistischen Beitrag ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Der Artikel beschreibt zwar, welche Vorteile schon kleine Sporteinheiten haben können. Diese reichen von einer gesteigerten Gehirnfunktion über verbesserte akademischen Leistungen bis hin zu einer Stärkung des Herz-Kreislaufsystems, um nur wenige zu nennen. Nur wie groß die Effekte genau sind und wie viel sportliche Aktivität für welche Verbesserung tatsächlich notwendig sind, wird nicht deutlich. Auch die Stellungnahme der Wissenschaftler, über die hier berichtet wird, geht nicht näher darauf ein. Hier hätten ein paar konkrete Beispiele aus großen Untersuchungen helfen können, Lesern zu vermitteln, wie groß das Ausmaß der Verbesserungen sein können.

1. In der Pressemitteilung ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Die Pressemitteilung macht deutlich, wie viele Vorteile schon kleine Sporteinheiten haben können. Diese reichen von verbesserten Gehirnfunktionen und akademischen Leistungen bis hin zu einer Stärkung des Herz-Kreislaufsystems. Nur, wie groß der Effekt genau ist, und wie viel sportliche Aktivität für welche Verbesserung tatsächlich notwendig ist, wird nicht deutlich, wird im Konsensuspapier der Wissenschaftler indes auch nicht beschrieben. Konkrete Beispiele aus großen Untersuchungen wären ein gute Möglichkeit gewesen, dem Leser etwas mehr an die Hand zu geben, um das Ausmaß der positiven Effekte zu verdeutlichen.

2. Im journalistischen Beitrag sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Auf Risiken und Nebenwirkungen geht der Text eigentlich nicht ein, wie auch die Stellungnahme der Wissenschaftler selbst. Dass es Verletzungsrisiken gibt und in der Folge zu Schulausfall kommen kann, ist offensichtlich, hätte man indes durchaus noch einmal erwähnen können. Es wird im Text generell darauf verwiesen, dass die schulische Leistung nicht leidet, wenn man der herkömmlichen Schulzeit, Stunden für den Schulsport abzwackt. Alles in allem werten wir knapp „erfüllt“.

2. In der Pressemitteilung sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Auf Risiken und Nebenwirkungen geht der Text eigentlich nicht ein, wie auch das Papier selbst. Dass es Verletzungsrisiken gibt und in der Folge zu Schulausfall kommen kann, ist offensichtlich, hätte man indes durchaus noch einmal erwähnen können. Es wird im Text generell darauf verwiesen, dass die schulische Leistung nicht leidet, wenn man der herkömmlichen Schulzeit, Stunden für den Schulsport abzwackt. Alles in allem werten wir daher knapp „erfüllt“.

3. Im journalistischen Beitrag ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Zur Aussagekraft des Konsensus-Statements heißt es nur: „Auf der Fachkonferenz hatten die Wissenschaftler um Peter Krustrup von der Universität von Kopenhagen die qualitativ besten Studienergebnisse zum Thema Hirnentwicklung und Bewegung bei 6- bis 18-Jährigen zusammengetragen.“ Es wird allerdings nicht klar, welche der 21 Einzelstatements tatsächlich auf Forschungsergebnissen beruhen und welche Meinungen wiedergeben. Auch bleibt offen, wie hoch die Aussagekraft der Studien war und was letztlich „beste Studienergebnisse“ bedeutet.

Immerhin wird aus dem Artikel deutlich, dass Studien den Zusammenhang von körperlicher Betätigung und Hirnentwicklung belegen. Wissenschaftlich belegt sei auch die Erkenntnis: Aus gesunden Kindern würden gesündere Erwachsene.

Wir werten knapp „nicht erfüllt“.

3. In der Pressemitteilung ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Es handelt sich bei der Veröffentlichung um ein Konsensus-Statement, das von 24 Experten unterschrieben wurde. Die Pressemitteilung schreibt dazu: „The Statement, which distils the best available evidence on the impact of physical activity on children and young people, was drawn up by a panel of international experts with a wide range of specialisms, from the UK, Scandinavia, and North America, in Copenhagen, Denmark, in April of this year.“ Der Leser erfährt nicht, wie sehr das Konsensus-Statement auf Einschätzungen und Meinungen beruht und wo ihm Evidenz in Form von Studien zugrunde liegt. Der Veröffentlichung selbst ist diese Information ebenfalls nicht zu entnehmen. Gerade deshalb hätte die Pressemitteilung diesen Punkt aber thematisieren können.

4. Im journalistischen Beitrag werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENKONFLIKTE hingewiesen.

Es gibt zwar einen Verweis auf den deutschen Jugendsportbericht, aus dem hervorgeht, dass Schüler in Deutschland häufig zu wenig Sport treiben. Für eine Einordnung der Ergebnisse der 24 Forscher wird hingegen kein unbeteiligter Experte zitiert. Auf Interessenkonflikte wird nicht eingegangen, sie spielen laut Fachartikel aber auch keine Rolle. Wir werten knapp „nicht erfüllt“.

4. In der Pressemitteilung wird auf INTERESSENKONFLIKTE und die FINANZIERUNG hingewiesen und es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert.

Es werden keine weiteren Experten zitiert; der Information, ob möglicherweise Interessenkonflikte vorliegen, wird kein Raum geben, die Finanzierung der Konferenz wird ebenfalls nicht erklärt.

5. Der journalistischen Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Vor allem durch die Einordnung der Diskussion in den ersten Absätzen hebt sich der Artikel deutlich von der Pressemitteilung ab. Am Ende liefert der Text zudem eine mögliche Erklärung für den Effekt von Sport.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Dieses Kriterium ist bei Pressemitteilungen nicht anwendbar, wir beschreiben dennoch die über den reinen Pressetext hinausgehenden Zusatzinformationen.

Kontaktdaten zu einem der Wissenschaftler fehlen.

6. Der journalistische Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

An zwei Stellen wird klar, dass die Erkenntnisse aus dem Konsensus-Statement nicht ganz neu sind: Es sei gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis, dass gesunde Jugendliche und Kinder gesündere Erwachsene würden und schon mäßige Bewegung positive körperliche Effekte habe; seit langem gebe es zudem Studien zu körperlicher Betätigung und kognitiver Leistungsfähigkeit. Ob es ähnliche Konsenuspapiere bereits in der Vergangenheit gab, wird indes nicht erklärt.

6. Die Pressemitteilung macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Schulsport und sportliche Angebote für Kinder und Jugendliche gibt es schon lange und die Diskussion um ein angemessenes Maß ist fast genauso alt. Das muss man nicht ausführlich belegen. Man hätte höchstens noch erwähnen können, wie alt die wissenschaftliche Evidenz zu den Vorteilen von Bewegung ist. Ob es solch ein Konsensus-Papier in der Vergangenheit schon einmal gab, bleibt offen.

7. Im journalistischen Beitrag werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Alternative Möglichkeiten, die kognitive Leistungsfähigkeit zu steigern, werden im Einstieg zumindest indirekt angedeutet und dürften auch bekannt sein: „Hausaufgaben machen, für die Klassenarbeit lernen und dann noch zum Musikunterricht.“

Neben Sport erscheint vor allem auch die Ernährung und ausreichender Schlaf wichtig für die geistige und körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das hätte man kurz als Alternative erwähnen können, auch wenn diese bekannt sein dürften. Wir werten knapp „erfüllt“.

7. In der Pressemitteilung werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Es wird überhaupt nicht berichtet, welche alternativen Maßnahmen vielleicht ebenso wichtig für körperliche und intellektuelle Leistungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen, für Selbstvertrauen und soziale Einbindung sind. Auch ein Aspekt wie die Ernährung oder ausreichender Schlaf, werden nicht erwähnt. Diese sind zwar eigentlich bekannt, in einer Pressemitteilung zu einem Expertenstatement, hätten wir indes zumindest einen kurzen Hinweis für sinnvoll gehalten.

8. Im journalistischen Beitrag wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Dass Schulsport Teil jeden Stundenplans ist, muss nicht extra erklärt werden, ebenso wenig wie die, dass es zahlreiche Möglichkeiten für Sport und Bewegung auch außerhalb der Schule gibt. Der Artikel verlinkt auf einen anderen Text des Mediums, in dem es um Bewegungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum geht. Interessant wäre zusätzlich ein Hinweis auf Pilot-Programme wie dieses an der Universitätsklinik Ulm entwickelte Präventionsprogramm „Komm mit in das gesunde Boot“ für Grundschulen und Kindergärten, das 5-minütige Bewegungspausen in jeder Schulstunde vorsieht.

8. In der Pressemitteilung wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Dass Schulsport Teil jeden Stundenplans ist, muss nicht ausführlich erklärt werden. Interessant wären Informationen dazu, wie häufig dieser ausfällt.

9. Der journalistische Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Wie hoch die Kosten für Schulsport sind, ist sicher nicht einfach zu ermitteln. Ein paar grundsätzliche Angaben hätte man jedoch machen können oder den Aspekt zumindest ansprechen können. Den positiven Effekt auf das Gesundheitssystem hätte man kurz aufgreifen können. Oder es wäre ein Hinweis denkbar, dass zu den (eingesparten) Kosten derzeit keine Aussagen möglich sind.

9. Die Pressemitteilung geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Wie hoch die Kosten für Schulsport sind, ist sicher nicht einfach zu ermitteln. Ein paar grundsätzliche Angaben hätte man jedoch machen oder den Aspekt zumindest ansprechen können. Den positiven Effekt für das Gesundheitssystem hätte man kurz aufgreifen können. Oder es wäre ein Hinweis denkbar, dass zu den (eingesparten) Kosten derzeit keine Aussagen möglich sind.

10. Der journalistische Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Die Folgen von Bewegungsmangel bei Kindern oder Jugendlichen werden nicht übertrieben dargestellt.

10. Die Pressemitteilung vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Die angesprochenen gesundheitlichen und sozialen Probleme werden nicht übertrieben dargestellt.

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA des journalistischen Beitrags ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Das Thema ist relevant, wie der Artikel durch Verweis auf den Kinder- und Jugendsportbericht belegt. Zudem ist der Ausgangspunkt eine zeitnah berichtete Veröffentlichung im British Journals of Sports Medicine.

1. Das THEMA der Pressemitteilung ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Die Pressemitteilung bezieht sich auf eine Veröffentlichung im British Journal of Sports Medicine und wird aktuell berichtet. Das Thema ist relevant, körperliche Aktivität hilft vorbeugend gegen viele Krankheiten und ist eine Frage des Lebensstils.

2. Die Darstellung des Themas ist im journalistischen Beitrag gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Der Artikel ist journalistisch gut gemacht. Die ersten zwei Absätze führen in das Thema ein und machen Lust, weiter zu lesen. Die Aufzählung im Mittelteil macht den Text übersichtlich. Weder Fremdwörter noch Endlossätze oder Passiv-Konstruktionen stören beim Verständnis. Die mögliche Erklärung für die Wirkung von Sport am Ende ist ein zudem ein guter Ausstieg aus dem Thema.

2. Die Darstellung des Themas ist in der Pressemitteilung gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Die Pressemitteilung ist sehr übersichtlich und in großen Teilen verständlich. Vor allem durch die Aufzählung im Mittelteil ist man schnell bei den Kernaussagen des Statements. Allerdings fehlt es vor allem am Anfang an einer verständlichen Einführung, die klar macht, worum es hier geht und warum es diese wissenschaftliche Stellungnahme gibt. Von der Konferenz etwa, während der Wissenschaftler die Stellungnahme erarbeitet haben, erfährt man in der Pressemitteilung leider nichts. Alles in allem werten daher nur knapp „erfüllt“.

3. Die Fakten im journalistischen Beitrag stimmen.

Faktenfehler sind uns nicht aufgefallen.

3. Die Fakten in der Pressemitteilung stimmen.

Faktenfehler sind uns nicht aufgefallen.

Journalistischer Beitrag
Pressemitteilung
Medizinjournalistische Kriterien
6 von 10 erfüllt
4 von 9 erfüllt
Allgemeinjournalistische Kriterien
3 von 3 erfüllt
3 von 3 erfüllt
Gesamtbewertung

Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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