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„Roboterarme ermöglichen Röntgen in allen Lebenslagen“

„Roboterarme ermöglichen Röntgen in allen Lebenslagen“

Siemens Healthcare präsentiert ein neues Gerät, dass klassisches Röntgen und CT vereint und Vorteile für Patienten und Mediziner bringen soll. Dass diese bisher noch nicht ausreichend durch Daten belegt werden können, macht der Artikel in den Nürnberger Nachrichten zumindest klar.

Zusammenfassung

Journalistischer Beitrag

Die Nürnberger Nachrichten berichten über die Präsentation eines neuen Röntgengeräts der Firma Siemens Healthcare (Multitom Rax (Robotic Advanced X-Ray), das klassisches Röntgen und Computertomografie (CT) in einem Gerät vereint und insgesamt flexibleres Arbeiten ermöglicht, was Vorteile für Patienten, Mediziner und das Krankenhaus haben soll.

Der Beitrag erklärt ausreichend, was die Vorteile sein sollen, macht zugleich aber deutlich, dass dies noch nicht durch Daten belegt ist. Auf Risiken und Nebenwirkungen geht der Text indes nicht ein. Unabhängige Mediziner oder Quellen werden nicht zitiert. Der Artikel geht nur an einigen Stellen über die Pressemitteilung hinaus. Der Text macht deutlich, was das Neue an dem Gerät ist und erklärt die bisherigen Alternativen. Ob das Gerät regional schon für Patienten eingesetzt wird, ist nicht ausreichend ersichtlich, auch den Kostenaspekt erklärt der Artikel nicht hinreichend. Insgesamt hätte der Artikel mehr journalistische Skepsis an den Tag legen können.

Pressemitteilung

Siemens Healthcare präsentiert ein neues Röntgengerät (Multitom Rax (Robotic Advanced X-Ray), das klassisches Röntgen und Computertomografie (CT) in einem Gerät vereint und flexibleres Arbeiten ermöglicht, was Vorteile für Patienten, Mediziner und das Krankenhaus haben soll.

In der Pressemitteilung werden Vorteile zwar erklärt, aber nicht in konkrete Zahlen gefasst, oder erklärt, dass es noch gar keine Daten dazu gibt, die das belegen. Auf Risiken und Nebewirkungen wird nicht hinreichend eingegangen. Interessenkonflikte des zitierten Mediziners werden nicht thematisiert. Der Text macht deutlich, was das Neue des Geräts ist und erklärt die klassischen Alternativen, macht indes nicht die Verfügbarkeit und die Kosten ausreichend klar.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Im journalistischen Beitrag ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Der Nutzen wird qualitativ hinreichend gut beschrieben: Röntgen unter natürlicher Gewichtsbelastung, keine Umlagerung des Patienten bzw. kein Transport / Raumwechsel, weniger Schmerzen, da die Position nicht an das Gerät angepasst werden muss, höherer Patientendurchsatz, eingesparte Personalkosten. Diese Angaben scheinen plausibel, doch werden keine Untersuchungen /Zahlen dazu angeführt, etwa dazu, wieviel schneller die Untersuchungen sind, oder in welchem Umfang Schmerzen vermieden werden können.

Zugleich wird auch deutlich, dass „(…) noch offen [sei], (…), wie groß der praktische Nutzen tatsächlich ist. ‚Der Produktivitätsfortschritt ist derzeit noch nicht messbar‘, so der Mediziner, weil in der Markteinführungsphase noch nicht genügend Fallzahlen gegeben seien, um Erfolge messbar zu machen.‘“

Andererseits sollte es aus der Erprobungsphase Daten geben und auch die Firma müsste mit konkreten Zahlen oder Schätzungen kalkulieren, um Größenordnungen vermitteln zu können. Dass es so gar keine konkrete Angaben zum mögliche Nutzen (etwa verringerte Strahlenbelastung) gibt, finden wir nicht hinreichend, daher werten wir in diesem Fall nur knapp „erfüllt”.

1. In der Pressemitteilung ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Es wird eine Vielzahl von Vorteilen des Geräts plausibel qualitativ präsentiert (Röntgen unter natürlicher Gewichtsbelastung, keine Umlagerung des Patienten bzw. kein Transport u.a., weniger Schmerzen, höherer Patientendurchsatz, eingesparte Personalkosten). Untersuchungen bzw. Zahlen werden dazu nicht angeführt. Dass die betriebswirtschaftlichen Vorteil noch nicht zu beziffern sind, mag sein – hier wäre es gut gewesen, dies, wie im journalistischen Artikel, zu erläutern. Zum konkret benannten medizinischen Nutzen – vor allem dazu, dass, wie mehrfach betont, die Strahlendosis reduziert werden könne – müssten aber aus der Erprobungsphase Daten vorliegen, die dem Hersteller bekannt sind.

2. Im journalistischen Beitrag sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Auf das Thema Risiken und Nebenwirkungen oder Nachteile des Röntgenroboters geht der Artikel nicht ein.

2. In der Pressemitteilung sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Der Bericht geht nicht auf Risiken oder Nebenwirkungen oder Nachteile des neuen Röntgengeräts ein (zum Thema Strahlendosis siehe Kriterium Nutzen).

3. Im journalistischen Beitrag ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Im Artikel wird klar gemacht, dass es bisher nur wenige aussagekräftigen Daten zu dem Gerät gibt: „Allerdings noch offen, so schränkt der Arzt ein, wie groß der praktische Nutzen tatsächlich ist. ‚Der Produktivitätsfortschritt ist derzeit noch nicht messbar‘, so der Mediziner, weil in der Markteinführungsphase noch nicht genügend Fallzahlen gegeben seien, um Erfolge messbar zu machen.‘“ Auch der Hinweis, dass weltweit erst zehn Geräte im Einsatz sind, macht deutlich, dass es noch nicht allzuviele aussagekräftige Daten geben kann, da das Gerät ja erst wie im Artikel beschrieben auf den Markt gebracht wird.

3. In der Pressemitteilung ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Es wird nicht deutlich, dass es noch keine ausreichenden Daten gibt, welche die möglichen Vorteile des Geräts gegenüber anderen herkömmlichen Verfahren wie der klassischen Röntgenaufnahme oder dem CT belegen – weder von medizinischer noch von betriebswirtschaftlicher Seite. Eine Einordnung findet also nicht statt.

4. Im journalistischen Beitrag werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENSKONFLIKTE hingewiesen.

Es wird nur der Mediziner Michael Lell zitiert, der auch in der Pressemitteilung von Siemens genannt ist, und der mutmaßlich an der Erprobung des Geräts beteiligt war: Jedenfalls arbeitet er an der Uniklinik in Erlangen, an der es erprobt wurde. Lell hat außerdem Vortragshonorare von Siemens erhalten, wie aus früheren Veröffentlichungen hervorgeht (z.B. hier). Solche Interessenkonflikte benennt der Artikel nicht.

4. In der Pressemitteilung wird auf INTERESSENSKONFLIKTE und die FINANZIERUNG hingewiesen und es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert.

Es wird ein Beschäftigter der Firma Siemens zitiert sowie ein Mediziner der Uniklinik Erlangen, der offenbar an der Erprobung des Geräts beteiligt war und auch in der Vergangenheit schon Honorare von Siemens bezogen hat (siehe z.B. hier). Auf diesen Interessenkonflikt wird nicht hingewiesen.

5. Der journalistischen Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Der Beitrag lehnt sich stark an die Pressemitteilung an (wenn er auch nur einen Teil der darin enthaltenen Informationen aufgreift). Mit der Anmerkung, dass Zahlen zum Nutzen noch fehlen, geht er jedoch an einer Stelle darüber hinaus, auch die Anzahl der weltweit aufgestellten Geräte ist nicht der Pressemitteilung zu entnehmen, ebenso wie das Patientenbeispiel zu Beginn des Artikels. Ob diese Informationen auf der Siemens-Pressekonferenz vermittelt wurden, ist von uns nicht zu beurteilen,  daher nur knapp „erfüllt“.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Dieses Kriterium ist bei Pressemitteilungen nicht anwendbar, wir beschreiben dennoch die über den reinen Pressetext hinausgehenden Zusatzinformationen.

Es gibt lediglich Kontaktdaten einer Siemens-Ansprechpartnerin, keine Kontaktdaten zum zitierten Mediziner.

6. Der journalistische Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Es wird klar, dass es sich um eine Neuentwicklung auf Basis der bekannten Röntgentechniken handelt. Das Produkt sei in der Markteinführungsphase, heißt es. Und es wird auch deutlich, dass sich beim Röntgen selbst um eine alte Methode handelt, die Entdeckung der Röntgenstrahlen vor 120 Jahren wird ebenfalls angesprochen.

6. Die Pressemitteilung macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Es ist von einer „neuen Kategorie“ in der medizinischen Bildgebung die Rede, „erstmals“ können „verschiedenste Untersuchungen aus unterschiedlichen klinischen Bereichen an nur einem Röntgensystem durchgeführt werden“. Es wird somit deutlich, dass es sich hier um einen neuen Ansatz handelt.

7. Im journalistischen Beitrag werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Als Alternative sind herkömmliche Röntgen- und CT-Geräte genannt, die jeweils als Einzelgeräte genutzt werden und oft in verschiedenen Räumen stehen. Ob es vergleichbare Kombigeräte von anderen Herstellern gibt, erklärt der Text nicht, daher werten wir nur knapp „erfüllt“.

7. In der Pressemitteilung werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Es werden die herkömmlichen Röntgen- und CT-Geräte als Alternativen genannt. Ob es vergleichbare Kombigeräte von anderen Herstellern gibt, erklärt der Text nicht ausreichend, daher werten wir nur knapp „erfüllt“.

8. Im journalistischen Beitrag wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Es wird zwar deutlich, dass das Gerät bislang kaum verfügbar ist. Am Ende des Artikels wird erwähnt, dass man gespannt warte „auf die Marktreaktionen, wenn das Multitom Rax jetzt auf der für die gesamte Branche wichtigen Fachmesse in Chicago vorgestellt wird. Bisher wurde das Röntgengerät weltweit erst zehnmal aufgestellt.“

Für die Leser der Regionalzeitung fehlt indes die entscheidende Information, ob das Gerät jetzt bereits an der Uniklinik Erlangen in der Klinikroutine genutzt wird, daher werten alles in allem „nicht erfüllt“.

8. In der Pressemitteilung wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Es wird lediglich erwähnt, dass das Gerät erstmals in der Uniklinik Erlangen präsentiert wurde. Ob es dort nun zum Einsatz kommen wird, bleibt unklar. In einer Fußnote am Ende des Textes wird noch erwähnt, dass das Gerät noch nicht in allen Ländern käuflich zu erwerben ist. Die Leserin der Pressemitteilung weiß am Ende des Textes also nicht, ob und wo das Gerät bereits zur Verfügung steht.

9. Der journalistische Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Es ist zwar von betriebswirtschaftlichen Vorteilen (in noch unbekannter Höhe) und einzusparenden Personalkosten die Rede. Doch erfährt man nicht, wieviel das Gerät selbst eigentlich kostet, und wie der Vergleich zu herkömmlichen Röntgen- und CT-Geräten ausfällt.

9. Die Pressemitteilung geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Die Pressemitteilung stellt zwar die wirtschaftlichen Vorteile heraus mit Formulierungen wie „ökonomische Effizienz erhöht“, „höherer Patientendurchsatz“, „spart Zeit und unnötige Kosten“. Doch weder werden dazu konkrete Angaben gemacht, noch erfährt man, was das Gerät selbst kostet (auch im Vergleich zu den bislang verwendeten Geräten).

10. Der journalistische Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Im Beitrag geht es um keine spezielle Erkrankung, darum ist dieses Kriterium nicht anwendbar.

10. Die Pressemitteilung vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING). 

Im Beitrag geht es um keine spezielle Erkrankung, darum ist dieses Kriterium nicht anwendbar.

 

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA des journalistischen Beitrags ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Ein neuartiges Röntgengerät, zumal wenn es im Einzugsbereich der Zeitung verfügbar sein sollte, ist ein relevantes Thema, mit der Vorstellung durch den Hersteller gibt es einen aktuellen Anlass.

1. Das THEMA der Pressemitteilung ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Ein neuartiges Röntgengerät, dessen Vorteile zumindest plausibel erscheinen, bietet einen hinreichenden Anlass für eine Pressemitteilung (und in diesem Fall auch eine Pressekonferenz).

2. Die Darstellung des Themas ist im journalistischen Beitrag gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Der Beitrag ist routiniert geschrieben. Allerdings lehnt er sich inhaltlich stark an die Pressemitteilung an (sogar in sprachlichen Merkwürdigkeiten wie dem „Berührbildschirm“). Auf einen leicht lesbaren Einstieg folgt im weiteren Verlauf  Fachvokabular (etwa der „43 mal 43 Zentimeter große(n) Flachdetektor, der nicht nur statische und dynamische Bilder, sondern auch fluoroskopische Sequenzen ermöglicht“). Warum das Gerät eigentlich ein Roboter sein soll, erfahren Leser nicht, abgesehen davon, dass Siemens es so nennt („Robotic Advanced X-Ray“) und das Gerät „Roboterarme“ hat. Insgesamt mangelt es dem Beitrag an journalistischer Distanz.

2. Die Darstellung des Themas ist in der Pressemitteilung gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Die recht lange Pressemitteilung schildert unterschiedliche Vorteile des neuen Geräts und richtet sich damit offenbar eher an ein Fachpublikum. Der Text ist zum Teil redundant (z.B. zu den ökonomischen Vorteilen oder zu der Tatsache, dass die Detektoren an die Position des Patienten angepasst werde können) und verwendet vielfach Fachtermini, ohne sie zu erläutern („Angioskopien“, „fluoroskopisch geführte Nadelbiopsien“, „Wechselbare Streugitter“). Der eingedeutschte „Berührbildschirm“ ist zwar gut gemeint, erscheint aber auch etwas seltsam. 

Einige Formulierungen wirken etwas unbeholfen (z.B. „ (…) können sich Kinder selbstständig darauf positionieren.“), der substantivierende Stil ist unschön („die Vermeidung wiederholter Untersuchungen unter Röntgenstrahlung (…).“)

Gemessen an der Länge des Textes mangelt es an konkreten (auch quantitativen)  Informationen. Insgesamt ist der Artikel zwar logisch aufgebaut und nachvollziehbar strukturiert, an einigen Stellen auch verständlich; alles in allem werten wir aber  – wenn auch knapp – nicht „erfüllt“.

3. Die Fakten im journalistischen Beitrag stimmen.

Faktenfehler sind uns nicht aufgefallen.


Da drei von fünf erfüllten medizinjournalistischer Kriterien nur knapp erfüllt sind, werten wir um einen Stern ab.

3. Die Fakten in der Pressemitteilung stimmen. 

Faktenfehler sind uns nicht aufgefallen.

Journalistischer Beitrag
Pressemitteilung
Medizinjournalistische Kriterien
5 von 9 erfüllt
2 von 8 erfüllt
Allgemeinjournalistische Kriterien
2 von 3 erfüllt
2 von 3 erfüllt
Gesamtbewertung

Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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