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„Schlaganfall: Neue Katheter retten Leben“

„Schlaganfall: Neue Katheter retten Leben“

Ein Klinikum in Krefeld stellt in einer Pressemitteilung ein Verfahren vor, bei dem große Blutgerinnsel, die einen schweren Schlaganfall auslösen, mit einem Drahtgeflecht entfernt werden können. Der Text erklärt den Nutzen nicht ausreichend, die Risiken gar nicht. Eine Lokalseite der Rheinischen Post übernimmt die Pressemitteilung trotzdem nur mit wenigen Änderungen – und baut auch noch einen Fehler ein.

Zusammenfassung

Journalistischer Beitrag

Der Artikel auf einer Lokalseite der Rheinischen Post berichtet über ein noch recht neues Verfahren, um große Blutgerinnsel im Kopf zu entfernen, die einen Schlaganfall ausgelöst haben. Dazu wird der Pfropfen mit einem Drahtgeflecht (Stent-Retriever) aus dem Blutgefäß gezogen.

Der mögliche Nutzen wird im Text übertrieben und nicht ausreichend beschrieben, auf Risiken und Nebenwirkungen des Verfahrens geht der Beitrag gar nicht ein; die Belege für die Methode sind nicht ausreichend erklärt. Es kommen lediglich zwei Mediziner des Klinikums zu Wort, was nicht verwundert, da der Artikel bis auf wenige Änderungen eine Übernahme der Pressemitteilung des Krankenhauses ist. Der Text macht deutlich, was das Neue im Zusammenhang mit dem Verfahren und dem Klinikum ist, und erklärt einigermaßen die Verfügbarkeit und die Alternativen. Auf den Kostenaspekt geht der Text nicht ein. Schlaganfälle werden nicht übertrieben dargestellt. Der Text erklärt das Verfahren teilweise verständlich, weist indes einige sprachliche Mängel auf, die in einem Fall auch zu einem erheblichen Missverständniss führen. Der Teaser enthält einen Fehler zum möglichen Nutzen, der in der Pressemitteilung so nicht vor kommt.

Erneut erweist sich ein Artikel in der Rheinischen Post als Kopie bzw. weitgehende Übernahme einer Pressemitteilung (wie schon hier, hier und hier), was Lesern zudem nicht kenntlich gemacht wird.

Pressemitteilung

Das Helios Klinikum in Krefeld weist in der Pressemitteilung „Interventionelle Therapie erweitert Standardbehandlung bei großen Schlaganfällen“ auf ein recht neues Verfahren zur Schlaganfallbehandlung hin, dass in der Region nur in diesem Krankenhaus durchgeführt wird. Um große Blutgerinnsel im Kopf zu entfernen, wird der Pfropfen mit einem Drahtgeflecht (Stent-Retriever) aus dem Blutgefäß gezogen.

Der mögliche Nutzen wird im Text übertrieben und nicht ausreichend beschrieben, auf Risiken und Nebenwirkungen des Verfahrens geht der Beitrag gar nicht ein; die Belege für die Methode sind nicht ausreichend erklärt. Es kommen lediglich zwei Mediziner des Klinikums zu Wort. Der Text macht deutlich, was das Neue im Zusammenhang mit dem Verfahren und dem Klinikum ist, und erklärt einigermaßen die Verfügbarkeit und die Alternativen. Auf den Kostenaspekt geht der Text nicht ein. Schlaganfälle werden nicht übertrieben dargestellt. Der Text erklärt das Verfahren verständlich, weist indes einige sprachliche Mängel auf, die in einem Fall auch zu einem erheblichen Missverständniss führen. Alles in allem reicht es nur knapp zu drei Sternen.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Im journalistischen Beitrag ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Der mögliche Nutzen wird übertrieben und nicht ausreichend erklärt. Im Artikel heißt es zunächst im Vorspann: „Wenn ein Gerinnsel in einem hirnversorgenden Gefäß für eine medikamentöse Auflösung allein zu lang ist, gibt es mit diesem Verfahren eine Erfolgsquote von 90 Prozent, sagen Experten“. Dabei wir zunächst nicht erklärt, was Erfolgsquote genau bedeutet, zudem wird der Erfolg übertrieben dargestellt. Im Artikel heißt es dann nämlich: „In bis zu 90 Prozent kann dann mit dem Katheter das Gefäß wieder eröffnet werden.“ Allerdings wird mit „bis zu 90 Prozent“ ein Maximalwert angegeben, in solchen Fällen sind indes Durchschnittswerte wichtig.

Später im Text wird dann erklärt: „In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass deutlich mehr Patienten überleben und ohne wesentliche Defizite den Weg ins normale Leben zurück finden, betont der Facharzt.“ Wie viele Patienten mehr überleben (ob mit oder ohne wesentliche Defizite), wird nicht in Zahlen gefasst (siehe auch Kriterium Fakten).

Positiv ist, dass zumindest am Ende des Artikels darauf hingewiesen wird, dass das Verfahren nur etwa für einen von zehn Betroffenen geeignet ist.

1. In der Pressemitteilung ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Der mögliche Nutzen wird übertrieben und nicht ausreichend konkret dargestellt. Im Vorspann heißt es es zunächst nur allgemein: „Der Therapieerfolg bei großen Schlaganfällen kann entscheidend verbessert werden, wenn Kathetertechniken zum Einsatz kommen.“ Später im Artikel wird dann erklärt: „In bis zu 90 Prozent kann dann mit dem Katheter das Gefäß wieder eröffnet werden.“ Allerdings wird mit „bis zu 90 Prozent“ ein Maximalwert angegeben, in solchen Fällen sind indes Durchschnittswerte wichtig.

Später im Text wird dann erklärt: „In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass deutlich mehr Patienten überleben und ohne wesentliche Defizite den Weg ins normale Leben zurück finden, betont der Facharzt.“ Wie viele Patienten mehr und/oder ohne wesentliche Defizite überleben, wird nicht in Zahlen gefasst (siehe auch Kriterium Fakten), damit bleibt das Ausmaß der Verbesserung gegenüber der Therapie ohne Katheter völlig offen.

Positiv ist, dass zumindest am Ende des Artikels darauf hingewiesen wird, dass das Verfahren nur etwa für einen von zehn Betroffenen geeignet ist.

2. Im journalistischen Beitrag sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Risiken und Nebenwirkungen des Verfahrens erklärt der Artikel gar nicht.

2. In der Pressemitteilung sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Risiken und Nebenwirkungen des Verfahrens erklärt der Artikel gar nicht.

3. Im journalistischen Beitrag ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Wie gut das Verfahren untersucht ist, wird nur ansatzweise erklärt. An einer Stelle heißt es: „Dennoch wurde auch in der Vergangenheit bereits in Zentren mit Kathetern gearbeitet – bis vor kurzem allerdings ohne erwiesenen Nutzen.“ Darauf heißt es dann: „In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass (…).“ Außer, dass es sich um wissenschaftliche Studien handelt, erfahren Leser nichts darüber, wie aussagekräftig diese waren, es wird implizit davon ausgegangen, dass sie es waren, denn der Nutzen sei ja inzwischen „nachgewiesen“. Über Grenzen oder Schwächen der Aussagekraft dieser Studien, über deren Aufbau oder andere Aspekte erfahren Leser nichts.

3. In der Pressemitteilung ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Wie gut das Verfahren untersucht ist, wird nur ansatzweise erklärt. An einer Stelle heißt es: „Dennoch wurde auch in der Vergangenheit bereits in Zentren mit Kathetern gearbeitet – bis vor kurzem allerdings ohne erwiesenen Nutzen.“ Darauf heißt es dann: „In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass (…).“ Außer, dass es sich um wissenschaftliche Studien handelt, erfahren Leser nichts darüber, wie aussagekräftig diese waren, es wird implizit davon ausgegangen, dass sie es waren, denn der Nutzen sei ja inzwischen „nachgewiesen“. Über Grenzen oder Schwächen der Aussagekraft dieser Studien, über deren Aufbau oder andere Aspekte erfahren Leser nichts.

4. Im journalistischen Beitrag werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENSKONFLIKTE hingewiesen.

Es werden lediglich zwei Experten zitiert, die beide mit dem Verfahren arbeiten und bei der Klinik angestellt sind, die das Verfahren anbietet. Eine unabhängige Quelle fehlt.

4. In der Pressemitteilung wird auf INTERESSENSKONFLIKTE und die FINANZIERUNG hingewiesen und es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert.

Es werden zwei Experten des Klinikums zitiert, die aber beide mit dem Verfahren arbeiten und bei der Klinik angestellt sind, die das Verfahren anbietet. Externe Quellen, die Aspekte zum Verfahren einordnen, werden nicht zitiert.

5. Der journalistischen Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Der Beitrag ist inhaltlich identisch mit der Pressemitteilung, einzelnen Text-Blöcke wurden nur etwas anders angeordnet, geringfügig wurden einzelne Worte geändert. Einen Hinweis für Leser, dass es sich um den Text einer Pressemitteilung handelt, gibt es nicht.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Dieses Kriterium ist bei Pressemitteilungen nicht anwendbar, wir beschreiben dennoch die über den reinen Pressetext hinausgehenden Zusatzinformationen.

Es gibt nur Kontaktdaten zur Pressestelle der Kliniken. Zusätzlich Informationen zur Klinikgruppe. Kontaktdaten der Ärzte oder Links bzw. bibliographische Angaben zu den Studien fehlen.

6. Der journalistische Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Das Verfahren sei zwar noch recht neu, werde aber schon eine Weile eingesetzt, aber erst jetzt sei der Nutzennachweis gelungen. Deutlich wird auch, dass die Klinik kürzlich als Ausbildungsstätte für Neurointerventionen qualifiziert wurde.

6. Die Pressemitteilung macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Das Verfahren sei zwar noch recht neu, werde aber schon eine Weile eingesetzt, doch erst jetzt sei der Nutzennachweis gelungen. Deutlich wird auch, dass die Klinik kürzlich als Ausbildungsstätte für Neurointerventionen qualifiziert wurde.

7. Im journalistischen Beitrag werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Das Auflösen eines Pfropfens mit einem Medikament (Lyse) als Standardtherapie wird erwähnt: „Die Gabe von Medikamenten über eine Vene zur Gerinnselauflösung galt lange als einzige ausreichend belegte Therapie zur Akutbehandlung des Schlaganfalls.“ Außerdem wird deutlich, dass das neue Verfahren nur zusätzlich zur Lyse eingesetzt wird.

7. In der Pressemitteilung werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Das Auflösen eines Pfropfens (Lyse) mit Medikamenten – das bisherige Standardverfahren – wird erwähnt: „Die Gabe von Medikamenten über eine Vene zur Gerinnselauflösung galt lange als einzige ausreichend belegte Therapie zur Akutbehandlung des Schlaganfalls.“ Außerdem wird deutlich, dass das Dragtflecht (der Retriever) nur zusätzlich zur Lyse eingesetzt werden.

8. Im journalistischen Beitrag wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Die Leser erfahren auf ihrer Lokalseite: „Das Helios-Klinikum bietet diese neuen Behandlungsmöglichkeiten als seines Zeichens einziges Krankenhaus in Krefeld an.“ Weiter heißt es: „Entsprechend ist in spezialisierten Schlaganfallzentren heute die Thrombektomie als neuer Therapiestandard etabliert. (…) Zwar sei in Zentren mit Kathetern gearbeitet worden – bis vor kurzem allerdings ohne erwiesenen Nutzen.“ Es wird somit klar, dass die Methode seit längerem vor allem von spezialisierten Häusern angeboten wird. Wir werten nur knapp „erfüllt“, weil sich die Information nur auf die Stadt Krefeld beschränkt; in der Pressemitteilung wird deutlich, dass dieses Verfahren am Niederrhein nur an diesem Krankenhaus verfügbar ist.

8. In der Pressemitteilung wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Die Leser erfahren: „Das HELIOS Klinikum bietet diese neuen Behandlungsmöglichkeiten als einziges Krankenhaus am Niederrhein an – rund um die Uhr an 365 Tagen des Jahres.“ Weiter heißt es: „Entsprechend ist in spezialisierten Schlaganfallzentren heute die Thrombektomie als neuer Therapiestandard etabliert. (…)“Zwar sei in Zentren bereits mit Kathetern gearbeitet worden – bis vor kurzem allerdings ohne erwiesenen Nutzen. Es wird somit klar, dass die Methode vor allem in speziellen Zentren angeboten wird.

9. Der journalistische Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Die Kosten des Verfahrens werden nicht thematisiert. Ob die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden, hätte man kurz erwähnen können.

9. Die Pressemitteilung geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Auf Kosten für die Patienten geht der Text nicht ein.

10. Der journalistische Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Der schwere Schlaganfall wird nicht übertrieben dargestellt.

10. Die Pressemitteilung vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING). 

Der schwere Schlaganfall wird nicht übertrieben dargestellt.

 

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA des journalistischen Beitrags ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Anlass ist offensichtlich die Pressemitteilung, für die die Auszeichnung der Klinik als Ausbildungsstätte für Neurointerventionen zweier Fachgesellschaften Anlass war. Dies nutzt der Text, um auf ein recht neues Verfahren hinzuweisen, dass für einen gewissen Teil der Patienten mit Schlaganfall relevant ist. Für eine Lokalseite kann dies ein relevantes Thema sein. Einen Schlaganfall mit einem Drahtgeflecht zu behandeln, ist zudem für Leser ein ungewöhnliches Thema.

1. Das THEMA der Pressemitteilung ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Das Thema ist relevant, da Patienten mit großen Schlaganfällen womöglich besser geholfen werden kann als früher. Die beiden jüngsten Studien, die einen Nutzen der Thrombektomie belegten, wurden allerdings im April und Juni publiziert. Die Pressemitteilung hätte also durchaus in größerer zeitlicher Nähe dazu erscheinen können. Eigentlicher Anlass scheint der Hinweis am Ende des Artikels zu sein: „Seit Herbst 2015 ist das HELIOS Klinikum Krefeld von der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DEGIR) sowie der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR) als Ausbildungsstätte für Neurointerventionen qualifiziert.“ Welche Anforderungen dazu nötig sind, wird nicht erklärt. Wir werten nur knapp „erfüllt“.

2. Die Darstellung des Themas ist im journalistischen Beitrag gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Die Darstellung des Verfahrens ist durchaus verständlich beschrieben, der Text teilweise gut lesbar, allerdings erwarten wir mehr journalistische Skepsis gegenüber den Aussagen eines Mediziners, der sein Verfahren vorstellt. Diese ist indes nicht zu finden, was nicht überrascht, da sich die redaktionelle Bearbeitung auf das Umstellen der Absätze aus der Pressemitteilung beschränkt. Hilfreich ist ein Infoabsatz mit den häufigsten Symptomen eines Schlaganfalls. 

Problematisch ist zudem, dass der Nutzen im Vorspann übertrieben zusammengefasst wird. Heißt es im Artikel noch: „In bis zu 90 Prozent kann dann mit dem Katheter das Gefäß wieder eröffnet werden.“ wird daraus im Teaser: „ (…) gibt es mit diesem Verfahren eine Erfolgsquote von 90 Prozent (…).“ (siehe auch Kriterium Nutzen). Eine Formulierung wie „als seines Zeichens einziges Krankenhaus“ klingt gestelzt. Es hätte außer dem Umstellen von Absätzen auch einige Stellen im Text gegeben, die man hätte redaktionell überarbeiten müssen. Statt „In bis zu 90 Prozent kann (..) mit dem Katheter das Gefäß (..) eröffnet werden“ müsste es „in bis zu 90 Prozent der Fälle  heißen; ein falscher Anschluss wäre eben so zu korrigieren: „gehört sie in die Hand erfahrener Spezialisten: eine neurovaskuläre Einrichtung, (…).“ Die Einrichtung ist aber kein Spezialist, da arbeiten höchstens welche.

Hinzu kommen viele Substantivierungen (z.B. „Die Gabe von Medikamenten über eine Vene zur Gerinnselauflösung“; „Die Länge des aufzulösenden Thrombus ist einfach zu groß“ statt „der Thrombus ist zu lang“) und Medizinerjargon in den Zitaten („Behandlung …realisieren „). Schließlich sollten auch solche Fehler korrigiert werden: Statt „Patienten, die keine Gerinnsel auflösende Medikamente bekommen“ muss es „die keine Gerinnsel auflösenden Medikamente“ heißen. (Siehe auch Kriterium Fakten zu einem Satz, der sehr missverständlich ist.)

Alles in allem werten wir daher das Kriterium „nicht erfüllt“, auch weil durch die schon nur geringe Bearbeitung des Textes ein deutlicher Fehler zum möglichen Nutzen in den Teaser eingebaut wurde („eine Erfolgsquote von 90 Prozent“ statt „eine Erfolgsquote von bis zu 90 Prozent“).

2. Die Darstellung des Themas ist in der Pressemitteilung gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Der Artikel ist klar aufgebaut, das Verfahren wird vom Neuroradiologen anschaulich erklärt. Fachausdrücke wie Stentretriever werden in der Regel erläutert.

Der Text enthält einige sprachliche Merkwürdigkeiten. Statt „In bis zu 90 Prozent kann dann mit dem Katheter das Gefäß wieder eröffnet werden“, müsste es „In bis zu 90 Prozent der Fälle“ heißen; Verfehlt ist auch die Formulierung „gehört sie in die Hand erfahrener Spezialisten: eine neurovaskuläre Einrichtung, (…).“ Die Einrichtung ist indes kein Spezialist, da arbeiten höchstens welche.

Hinzu kommen viele Substantivierungen („Die Gabe von Medikamenten über eine Vene zur Gerinnselauflösung“, oder „Die Länge des aufzulösenden Thrombus ist einfach zu groß“ statt „der Thrombus ist zu lang“). Einzelne Sätze klingen etwas sehr technisch wie z.B.: „Die Thrombektomie wird in Kathetertechnik über die Leistenarterie durchgeführt, meist in Narkose unter Röntgenkontrolle im Interventionszentrum.“ (Siehe auch Kriterium Fakten zu einem Satz, der sehr missverständlich ist).

Hilfreich ist ein Infoabsatz mit den häufigsten Symptomen eines Schlaganfalls und einigen Zahlen zur Häufigkeit der Erkrankung.

Alles in allem werten wir daher nur knapp „erfüllt“.

3. Die Fakten im journalistischen Beitrag stimmen.

Im Vorspann wird die Erfolgsquote falsch wiedergegeben (siehe Kriterium Nutzen und Darstellung). Eine zweite Textstelle zum möglichen Nutzen halten wir für so missverständlich, dass wir sie als Faktenfehler betrachten: Im Artikel heißt es: „In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass deutlich mehr Patienten überleben und ohne wesentliche Defizite den Weg ins normale Leben zurück finden.“ Wer den Aspekt zum Überleben als Einzelaussage betrachtet (weil ja schon der Titel des Artikels „Schlaganfall: Neue Katheter retten Leben“ den Schwerpunkt auf diesen Aspekt legt), bekommt einen falschen Eindruck, denn tatsächlich gab es zwischen den Untersuchungsgruppen in den letzten Studien (bis auf eine) keine Unterschiede in der Wahrscheinlichkeit, den betrachteten Zeitraum zu überleben

So heißt es etwa in der Revascat-Studie: „(…) rates of death were 18.4% and 15.5%, respectively (P=0.60).“ ; oder auch in der Swift Prime-Studie: „There were no significant between-group differences in 90-day mortality (9% vs. 12%, P=0.50)(…).“


Wir werten um einen Stern ab, da der Text der Pressemitteilung bis auf ganz wenige Änderungen übernommen wurde; eine angemessene journalistische Umsetzung der Redaktion ist nicht erkennbar.

3. Die Fakten in der Pressemitteilung stimmen. 

Eine Textstelle zum möglichen Nutzen finden wir so missverständlich, dass wir sie als Faktenfehler betrachten. Im Artikel heißt es: „In mehreren wissenschaftlichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass deutlich mehr Patienten überleben und ohne wesentliche Defizite den Weg ins normale Leben zurück finden.“ Wer den Aspekt zum Überleben als Einzelaussage betrachtet, bekommt einen falschen Eindruck, denn tatsächlich gab es zwischen den Untersuchungsgruppen in den letzten Studien (bis auf eine) keine Unterschiede in der Wahrscheinlichkeit, den betrachteten Zeitraum zu überleben.

So heißt es etwa in der Revascat-Studie : „(…) rates of death were 18.4% and 15.5%, respectively (P=0.60).“ http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1503780; oder auch in der Swift Prime Studie: „There were no significant between-group differences in 90-day mortality (9% vs. 12%, P=0.50)(…).“

Journalistischer Beitrag
Pressemitteilung
Medizinjournalistische Kriterien
4 von 10 erfüllt
4 von 9 erfüllt
Allgemeinjournalistische Kriterien
1 von 3 erfüllt
2 von 3 erfüllt
Gesamtbewertung

Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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