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„Hoher Blutdruck soll medikamentös behandelt werden“

„Hoher Blutdruck soll medikamentös behandelt werden“

Die Stuttgarter Zeitung berichtet über eine Studie (SPRINT), nach der sich eine stärkere Blutdrucksenkung als bisher für bestimmte Patienten lohnen könnte. Der Artikel versucht den Enthusiasmus der Deutschen Hochdruckliga etwas zu dämpfen. Die Fachorganisation gibt ihn ihrem Pressematerial viele wichtige Informationen, die indes zum Teil schwer verständlich sind.

Zusammenfassung

Journalistischer Beitrag

Der Artikel in der Stuttgarter Zeitung greift die Ergebnisse einer Studie (SPRINT, Systolic Blood Pressure Intervention Trial) auf, nach der es sich für eine bestimmte Patientengruppe lohnen könne, den Blutdruck mit Medikamenten nicht nur auf 140 mmHg (Millimeter auf der Quecksilbersäule), sondern sogar auf 120 mmHg zu senken (systolisch, also den höheren der beiden Blutdruckwerte).

Der mögliche Nutzen wird nicht ausreichend genau erklärt, Risiken und Nebenwirkungen werden jedoch eingeordnet. Es gibt auch den Versuch, die Bedeutung der Studie zu erläutern. Es kommen mehrere Experten zu Wort, wenn auch Interessenkonflikte nicht thematisiert werden. Der Text geht über die zahlreichen Pressemitteilungen hinaus und macht klar, was das Neue dieser Studie ist. Auf Alternativen geht der Artikel nicht ein, genauso wenig thematisiert er den Kostenaspekt. Bluthochdruck wird in dem weitgehend verständlichen Artikel nicht übertrieben dargestellt.

Pressemitteilung

Die Fachorganisation Deutsche Hochdruckliga reagiert mit einer Pressemitteilung („SPRINT-Studie wandelt Bluthochdrucktherapie: Deutsche Hochdruckliga spricht von Paradigmenwechsel“) und einer Stellungnahme („Stellungnahme zu den Ergebnissen der SPRINT-Studie“) auf eine Studie (SPRINT, Systolic Blood Pressure Intervention Trial). Diese kam zu dem Ergebnis dass es sich für eine bestimmte Patientengruppe lohnen könne, den Blutdruck mit Medikamenten nicht nur auf 140 mmHg (Millimeter auf der Quecksilbersäule), sondern sogar auf 120 mmHg zu senken (systolisch, also der höhere der beiden Blutdruckwerte).

Der möglich Nutzen sowie Risiken und Nebenwirkungen werden noch ausreichend dargestellt, die Aussagekraft der Studie hingegen nicht gut genug erklärt. Informationen zu möglichen Interessenkonflikten oder zur  Finanzierung von Studie bzw. Organisation gibt es nicht. Die Texte machen deutlich, was das Neue bei dieser Untersuchung ist und erwähnen auch alternative Möglichkeiten der Blutdrucksenkung. Auf Kosten gehen die Texte indes nicht ausreichend ein. Bluthochdruck und seine Folgen werden in den zeitnah zur Studie veröffentlichten Artikeln nicht übertrieben dargestellt.

Die begleitende Stellungnahme (auf die in der Pressemitteilung deutlich verlinkt wird) ist für Nicht-Mediziner z.T. schwer verständlich. Durch die Aufteilung auf zwei Texte besteht die Gefahr, dass wichtige Informationen Leser nicht erreichen.

Anmerkung: Wir haben innerhalb des Teams diskutiert, ob wir die Stellungnahme bei der Beurteilung der Pressemitteilung berücksichtigen sollen oder nicht. Sie gehört inhaltlich klar zur Pressemitteilung, wurde nur einen Tag zuvor veröffentlicht und in der Pressemitteilung deutlich (inklusive der URL) verlinkt.. Wir haben uns letztlich dafür entschieden, sie zu berücksichtigen, auch wenn wir die Konstellation für ungünstig halten und in diesem Fall auch nicht für gelungen.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Im journalistischen Beitrag ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Den möglichen Nutzen einer verstärkten Blutdrucksenkung (auf 120 statt 140 mmHg systolisch) quantifiziert der Artikel nur mit relativen Angaben, nicht mit absoluten Werten: „ (…) festgestellt, dass bei einer bestimmten Gruppe von Bluthochdruckpatienten über 50 Jahren bei diesem Wert fast ein Viertel weniger Todesfälle und knapp ein Drittel weniger Herzinfarkte, Schlaganfälle und Herzversagen auftreten.“ Mit diesen Zahlenangaben werden zwar die Ereignisse in beiden Studienarmen verglichen, jedoch ohne sie in Beziehung zu den insgesamt Behandelten zu setzen („ein Drittel weniger“). Es wird auch nicht erklärt, dass Herzinfarkte und Schlaganfälle einzeln betrachtet laut Studie gar nicht statistisch signifikant gesenkt wurden.

Der Text macht deutlich, welche Gruppe von Bluthochdruckpatienten in der betreffenden Studie untersucht wurde: „Die Probanden der Studie waren alle mindestens 50 Jahre alt, hatten ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko oder eine eingeschränkte Nierenfunktion. (…) Diabetes war ein Ausschlusskriterium.“ (siehe aber auch Kriterium Fakten).

Es wird deutlich, dass sich die Studienergebnisse nur auf diese Gruppe beziehen: „Es handelt sich also um eine Gruppe mit einer ganz bestimmten Kombination gesundheitlicher Probleme.“

Alles in allem werten wir „nicht erfüllt“.

1. In der Pressemitteilung ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Die Pressemeldung selbst beschreibt den Nutzen der stärkeren Blutdrucksenkung nur grob und mit relativen Angaben: „Wird der Blutdruck bei den Herz-Kreislauf-Patienten auf 120 mmHg statt auf 140 mmHg gesenkt, erleiden diese seltener schwere Herz-Kreislaufereignisse. Zudem sterben sie seltener frühzeitig – in der Studie waren es 25 Prozent weniger als in der Vergleichsgruppe mit einem Zielblutdruck von unter 140 mmHg.“ Die verlinkte „Stellungnahme“ beschreibt den Nutzen differenzierter, leider nur in einem Fall auch mit absoluten Angaben : „Nach einer medianen Behandlungsdauer von 3,26 Jahren trat der primäre Endpunkt um 25% hochsignifikant seltener unter intensiver Blutdrucksenkung auf (1,65% pro Jahr im Vergleich zu 2,19% pro Jahr) und die Gesamtsterblichkeit war ebenfalls hochsignifikant um 27% vermindert.“ Diese primären Endpunkte (also die Hauptziele) der Studie benennt der Text weiter vorne: „(…) hinsichtlich eines primären Studienendpunktes wie Auftreten von Herzinfarkt, akutem Koronarsyndrom, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder Tod aus kardiovaskulärer Ursache.“

Es wird klar, dass die Ergebnisse nur für eine bestimmte Gruppe von Patienten gelten: „Die Ergebnisse der SPRINT-Studie lassen sich nicht auf alle Hochdruckkranken übertragen. Sie gelten für Patienten mit einem hohen Risiko für Herz- Kreislauferkrankungen, die nicht unter Diabetes leiden oder bereits einen Schlaganfall erlitten haben.“

2. Im journalistischen Beitrag sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Die Nebenwirkungen einer verstärkten Senkung des Blutdrucks werden deutlich genannt: „Patienten, die auf diese Weise therapiert werden, müssen mit extremem Abfall des Blutdrucks, Kreislaufkollaps sowie akuten Nierenschäden oder Nierenversagen rechnen, (…)“). Es folgt eine Einordnung der Risiken im Verhältnis zum Nutzen durch ein Expertenzitat: „Es ist unwahrscheinlich, dass dieses höhere Risiko an unerwünschten Ereignissen den Nutzen der Therapie überwiegt.“ Wie häufig relevante Nebenwirkungen auftreten, wird jedoch nicht berichtet; dies wäre für eine realistische Einschätzung eine wichtige Information gewesen, daher werten wir nur knapp „erfüllt“.

2. In der Pressemitteilung sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Zum Thema Risiken und Nebenwirkungen heißt es in einem Satz: „Darüber hinaus birgt der Zielblutdruck 120 auch Risiken, etwa ein mögliches Nierenversagen: ‚Bei einer intensiven Blutdrucksenkung bei diesen Patienten müssen mögliche Nebenwirkungen besonders beachtet werden‘, betont der Experte.“ Weitere Nebenwirkungen oder das Ausmaß werden im Pressetext nicht angesprochen. Es wird darauf hingewiesen, dass eine engmaschige Kontrolle nötig wäre, (und während der Studie auch durchgeführt wurde), um auftretende Nebenwirkungen zu erkennen.

In der Stellungnahme sind die Angaben genauer und auch quantifiziert, allerdings nur mit relativen Angaben: „Allerdings kam es im intensiven Behandlungsarm zu mehr schweren Nebenwirkungen wie Hypotonie (um 67%), Synkope (um 33%), Hypokaliämie (um 50%), Hyponatriämie um (76%) und akutem Nierenversagen (um 66%) (…).“

3. Im journalistischen Beitrag ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Es wird nur erklärt, dass die Studie zwei Vergleichsgruppen hat und welche Patienten eingeschlossen waren (siehe aber auch Kriterium Fakten).

Der Text versucht indes zu vermitteln, welche Aussagekraft und Bedeutung sie haben. An einer Stelle heißt es zunächst enthusiastisch: „Die Ergebnisse werden Eingang in die weltweiten und deutschen Leitlinien finden und diese maßgeblich verändern.“ Dies wird indes auch wieder relativiert, durch einen weiteren Experten: „Florian Limbourg, Koordinator des Hypertoniezentrums an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sieht eine Art ‚Soft-Erweiterung‘ der Leitlinien als wahrscheinlicher an.“ Und schließlich sagt er noch: „Die Studie selbst sei aber, so Limbourg, ziemlich gut.“

Er erklärt indes nicht, warum sein Urteil so ausfällt. Dass die Studie vorzeitig abgebrochen wurde, und welche Folgen dies für die Aussagekraft der Studie haben kann, wird nicht thematisiert. Vor allem gibt es keinen Blick über den Tellerrand, etwa auf andere Studien zu dem Thema, die helfen könnten, die Bedeutung der SPRINT-Studie besser einzuordnen, wie etwa diese Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration.

Alles in allem werten wir daher nur knapp „erfüllt“.

3. In der Pressemitteilung ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Es gibt in der Pressemitteilung nur eine sehr grobe Beschreibung der Studie; wie aussagekräftig sie ist und welche Grenzen sie hat, erfahren Leser in diesem Text nicht.

In der Stellungnahme wird die Studie zwar detailliert erläutert, indes sind diese Angaben für Nicht-Mediziner kaum zu verstehen. Sie werden auch nicht eingeordnet.

Lediglich aus der Behauptung, die Studie würde die Therapie wandeln, könnten Leser schließen, dass es sich um eine bedeutende und aussagekräftige Studie handelt.

Wie die Studienlage zuvor aussah und warum insbesondere nur diese eine Studie die Empfehlungen so dramatisch verändern sollten, wird indes nicht erklärt.

4. Im journalistischen Beitrag werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENSKONFLIKTE hingewiesen.

Im Artikel kommen der Vorsitzende der Fachgesellschaft Deutsche Hochdruckliga, die eine Pressemeldung und Stellungnahme zu der amerikanischen Studie herausgegeben hat, und ein weiterer Experte für Bluthochdruck zu Wort. Zitiert werden auch die Autoren eines Editorials zu der SPRINT-Publikation. Auf Interessenkonflikte wird indes gar nicht eingegangen, obwohl dieser Aspekt bei dem Thema eine durchaus wichtige Rolle spielt. Wir werten daher nur knapp „erfüllt“.

4. In der Pressemitteilung wird auf INTERESSENSKONFLIKTE und die FINANZIERUNG hingewiesen und es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert.

Es gibt keinerlei Informationen zur Finanzierung oder zu möglichen Interessenkonflikten, weder der Studie noch der Gesellschaft selbst. Es wird lediglich der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft zitiert, der indes nicht an der Studie beteiligt war, daher werten wir nur knapp „nicht erfüllt“.

5. Der journalistischen Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Der Text geht über die Pressemitteilungen hinaus, weil er z.B. einen deutschen Experten abseits der Hochdruckliga zitiert.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Dieses Kriterium ist bei Pressemitteilungen nicht anwendbar, wir beschreiben dennoch die über den reinen Pressetext hinausgehenden Zusatzinformationen.

Es gibt Kontaktdaten zur Pressestelle der Organisation. Es gibt keine bibliographischen Angaben oder einen Link zur Studie.

6. Der journalistische Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Thema des Berichts sind die Ergebnisse einer Studie zur Blutdrucksenkung, und daraus resultierende neue Empfehlungen. Es wird deutlich, dass es sich quantitativ um eine neue Strategie handelt, die die deutsche Fachgesellschaft für den Bluthochdruck als „ (…) Paradigmenwechsel in der Therapie für Patienten mit einem bestimmten Krankheitsbild“ bezeichnet. Dass Blutdrucksenker keine neuen Mittel sind, dürfte bekannt sein. Indes erfahren Leser nicht, dass es zuvor bereits Studien und Übersichtsstudien zu dem Thema gegeben hat (siehe Kriterium Belege), , daher werten wir nur knapp „erfüllt“.

6. Die Pressemitteilung macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Es wird durch den Verweis auf die (möglichen) Änderungen in der Leitlinie klar, dass die Ergebnisse anders ausfallen als unter der bisherigen Standardempfehlung. In der Stellungnahme heißt es dazu: „Weil klare Evidenzen für den anzustrebenden Zielblutdruck insbesondere für (Hochdruck-) Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Gesamtrisiko, aber ohne Diabetes mellitus fehlen.“

7. Im journalistischen Beitrag werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Zwar vergleicht die zugrundeliegende Studie – und damit auch der Artikel – eine schwächere mit einer stärkeren medikamentösen Blutdrucksenkung, und damit zumindest quantitativ zwei unterschiedliche Therapien. Es kommt jedoch nicht zur Sprache, dass sich der Blutdruck auch mit einer Änderung des Lebensstils (Rauchverzicht, Ernährung, Gewichtsreduktion, Bewegung) senken lässt. Ob dies in diesem Fall eine Bedeutung haben könnte, wäre ein wichtiger Aspekt.

7. In der Pressemitteilung werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Auf Alternativen zur Senkung des Blutdrucks mit Medikamenten wird hingewiesen oder es werden zumindest Begleitmaßnahmen erwähnt: „Generell trägt ein gesunder Lebensstil zur Herz-Kreislauf-Gesundheit bei. Dazu gehört der Tabakverzicht, eine bevorzugt mediterrane, kochsalzarme Ernährung, regelmäßig Bewegung und das Anstreben von Normalgewicht.“ Solche Menschen bräuchten weniger Medikamente. Ob diese Alternativen auch im genannten Fall eine Rolle spielen, wird nicht erklärt.

8. Im journalistischen Beitrag wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Da Medikamente zur Blutdrucksenkung allgemein verfügbar sind, und es keinen Anhalt dafür gibt, dass in der Studie besondere Mittel zum Einsatz kamen, erscheint es uns nicht notwendig diesen Aspekt genauer zu erklären.

8. In der Pressemitteilung wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Zwar geht der Text nicht darauf ein, ob und wie die eingesetzten Medikamente verfügbar sind. Dies darf aber als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, und ist daher nicht unbedingt zu erwähnen.

9. Der journalistische Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Der Beitrag geht nicht auf die Kosten einer mehr oder weniger starken Blutdrucksenkung durch Medikamente ein. Dieser Aspekt wird in keiner Weise thematisiert.

9. Die Pressemitteilung geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Auf den Aspekt möglicher erhöhter Kosten deutet der Text nur an einer Stelle mit einem Satz an: „Die erforderliche engmaschige Kontrolle wird zukünftig eine große Herausforderung für alle sein – für uns Hypertensiologen, aber auch das Gesundheitssystem.“ Wir werten knapp „nicht erfüllt“.

10. Der journalistische Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Der Artikel vermeidet eine bei Berichten über den Risikofaktor Bluthochdruck häufig zu beobachtende Übertreibung („Der heimliche Killer“ o.ä.), indem er auf reißerische Formulierungen verzichtet und deutlich herausstellt, dass sich die Studienergebnisse nur auf Menschen mit hohem Risiko für Folgeschäden eines hohen Blutdrucks beziehen.

10. Die Pressemitteilung vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING). 

Die Pressemeldung stellt den Bluthochdruck generell nicht übertrieben dar. Indes heißt es in einem Absatz zur Hochdruckliga am Ende der Pressemitteilung: „Weltweit bleibt Bluthochdruck die größte Gefahr für die Gesundheit.“ Dies wird nicht näher erläutert oder begründet. Daher werten wir nur knapp „erfüllt“.

 

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA des journalistischen Beitrags ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Die Veröffentlichung des Artikels war zeitnah zur Publikation einer wissenschaftlichen Untersuchung, die in Fachkreisen großes Aufsehen erregt, und Auswirkungen für viele Menschen haben könnte. Er ist damit aktuell und relevant.

1. Das THEMA der Pressemitteilung ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Die Pressemeldung thematisiert zeitnah zu deren Publikation eine wichtige wissenschaftliche Studie, deren Ergebnisse sich auf die Behandlung von Menschen mit erhöhtem Blutdruck auswirken können. Das Thema ist somit aktuell und relevant. 

2. Die Darstellung des Themas ist im journalistischen Beitrag gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Das Stück liefert über weite Strecken gut strukturiert und verständlich geschrieben interessante Einblicke in eine wichtige wissenschaftliche Studie. Schon der Untertitel formuliert eine zentrale Schlussfolgerung: „Die Ergebnisse einer US-Studie werden die Therapie wohl nachhaltig ändern – jedoch nicht für alle Patienten.“ Es werden mehrere Experten zitiert, um die Relevanz der Erkenntnisse einzuordnen. Und der Text stellt eine wichtige Frage: „Ist der Nutzen also größer als diese potenziellen Nebenwirkungen?“ Das Problem dabei: Es gibt keine objektiven Kriterien für diese Abwägung, denn es ist eine sehr individuelle Entscheidung, was jeder bereit ist, für einen Therapieerfolg in Kauf zu nehmen.

Es bleiben auch andere Fragen offen: Was heißt es etwa, die Studie sei „schneller als erwartet“ publiziert worden?

Gut ist, dass der Beitrag die praktische Relevanz der Ergebnisse zu beleuchten versucht und auch der enthusiastischen Beurteilung des Vertreters der Hochdruckliga relativierende Aussagen eines weiteren Mediziners entgegensetzt.

So werten wir alles in allem, wenn auch knapp „erfüllt“.

2. Die Darstellung des Themas ist in der Pressemitteilung gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Der Text der Pressemitteilung ist zwar flüssig geschrieben, gut verständlich und klar strukturiert, lässt aber einige wichtige Informationen vermissen und ist insgesamt sehr enthusiastisch gehalten („Paradigmenwechsel“). Weitere Informationen finden sich in der deutlich verlinkten Stellungnahme, die zu der Pressemittelung gehört und am Tag zuvor online veröffentlicht wurde. Bei einer solchen Abkopplung besteht indes das Risiko, dass wichtige Informationen einen Teil der Leser nicht erreichen. Hinzu kommt, dass die Stellungnahme gespickt ist mit Fachbegriffen und überlangen Sätzen, sodass sie für Nicht-Mediziner schwer verständlich ist. Insgesamt betrachtet, wäre es besser gewesen, die nötigen Informationen in verständlicherer und zurückhaltenderer Form in einem einzigen Text unterzubringen.

3. Die Fakten im journalistischen Beitrag stimmen.

Uns sind zwei kleine, aber wichtige Fehler aufgefallen: Bei der Beschreibung der untersuchten Patientengruppe heißt es: „Die Probanden der Studie waren alle mindestens 50 Jahre alt, hatten ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko oder eine eingeschränkte Nierenfunktion.“ Richtig ist, dass alle ein erhöhtes Herz-Kreislaufrisiko hatten, zum Beispiel durch eine eingeschränkte Nierenfunktion (oder eine bestehende Herz-Kreislauferkrankung, oder hohes Alter).

Später heißt es nach der Beschreibung der Risiken: „Ist der Nutzen also größer als diese potenziellen Nebenwirkungen? Zwei australische Mediziner, die die Studie kommentierten, sind eher skeptisch: ‚Es ist unwahrscheinlich, dass dieses höhere Risiko an unerwünschten Ereignissen den Nutzen der Therapie überwiegt.‘“ Statt „skeptisch“ müsste es hier zum Beispiel „optimistisch“ heißen, um einen Sinn zu ergeben. Denn tatsächlich bestätigen die beiden Kommentatoren, dass ihrer Ansicht nach der Nutzen überwiegt.


Wir werten um einen Stern ab aufgrund von insgesamt vier nur knapp „erfüllter“ medizinjournalistischer Kriterien.

3. Die Fakten in der Pressemitteilung stimmen. 

Faktenfehler sind uns keine aufgefallen.


Aufgrund der Mängel in der Darstellung und Vermittlung insbesondere der für Nicht-Mediziner schwerer verständlichen Stellungnahme werten wir um einen Stern ab.

Journalistischer Beitrag
Pressemitteilung
Medizinjournalistische Kriterien
7 von 10 erfüllt
6 von 9 erfüllt
Allgemeinjournalistische Kriterien
2 von 3 erfüllt
2 von 3 erfüllt
Gesamtbewertung

Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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