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„Ammersbeker spüren Krebsviren auf“

„Ammersbeker spüren Krebsviren auf“

Das Hamburger Abendblatt berichtet über eine kleinere Firma, die einen diagnostischen Test anbietet, der Mund- und Rachenkrebs auslösende HP-Viren nachweisen kann. Einige Aspekte werden gut erklärt, andere weniger. Im Text der Firma werden die für solche Tests zentralen Begriffe Sensitivität und Spezifität verwechselt, für die Öffentlichkeit wesentliche Informationen werden gar nicht berichtet.

Zusammenfassung

Journalistischer Beitrag

Der Artikel im Wirtschaftsteil des Hamburger Abendblattes stellt eine regionale Firma und ihren diagnostischen Test vor, mit dem es möglich sein soll, HP-Viren (Humane Papillomviren, HPV) im Blut nachzuweisen, was ein starker Hinweis für Vorstufen oder Tumoren im Mund-Rachenbereich sein soll.

Der insgesamt gut lesbare und verständliche Text stellt den möglichen Nutzen und die Risiken nicht ausreichend dar. Wie gut der Test in Studien untersucht ist, bleibt offen. Eine kritische Einordnung durch einen unbeteiligten Mediziner gibt es nicht.  Der Text geht klar über die Pressemitteilung des Unternehmens hinaus, macht deutlich, dass es sich um einen neuen Test handelt und erklärt die Verfügbarkeit. Auch der Kostenaspekt wird angesprochen. Mund- und Rachenkarzinome werden bis auf den Einstieg in den Text nicht übertrieben dargestellt. Den Hinweis, der diagnostische Test habe die Aufnahme in die S3-Leitlinie geschafft, finden wir nicht bestätigt.

Pressemitteilung

Die Firma Abviris berichtet in der Mitteilung „Neue Studiendaten belegen hohe Spezifität des Prevo-Check®“ im Newsbereich der Webseite („Aktuelles“) über neue Studiendaten zu ihrem diagnostischen Test „Prevo-Check“, mit dem es möglich ist, HP-Viren nachzuweisen, die Mund- und Rachenkarzinome auslösen können.

Der für Laien schwer verständliche Text verwechselt die zentralen Begriffe „Sensitivität“ und „Spezifität“. Der mögliche Nutzen und die Risiken wie auch die Aussagekraft der Studie werden zudem nicht ausreichend erläutert. Die Finanzierung der Studie und mögliche Interessenkonflikte werden nicht erklärt. Ob der Test alt oder neu ist, bleibt offen, Alternativen zur Früherkennung von Mund- und Rachenkrebs werden nicht angesprochen, die Verfügbarkeit oder die Kosten nicht erklärt. Die beiden Krebsformen werden nicht übertrieben dargestellt.

Der Artikel erscheint für eine Mitteilung an Laien oder Journalisten nicht geeignet. Der Text, der offenbar primär ein Anschreiben an Ärzte oder Vertriebspartner war (samt Unterschrift des Geschäftsführers), hätte für eine breitere Öffentlichkeit umgeschrieben werden müssen.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Im journalistischen Beitrag ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Der Artikel macht klar, dass es sich um einen einfachen Bluttest handelt, der innerhalb einer Viertelstunde ein Ergebnis liefert. Im Text wird nur erwähnt, dass eine amerikanische Studie die „Wirksamkeit“ des Tests nachgewiesen hätte, wobei nicht klar ist, was mit Wirksamkeit eigentlich gemeint ist, denn es handelt sich ja nicht um ein Medikament. Dann heißt es, der Test „diene zur Orientierung. Falle er negativ aus, liege sehr wahrscheinlich kein Befall vor. Bei einem positiven Ergebnis müssten weitere Untersuchungen erfolgen.“

Später im Text wird einer der beiden Geschäftsführer folgendermaßen zitiert: „In 99,5 Prozent der Fälle liegt bei positivem Testergebnis eine Krebsvorstufe oder ein Tumor vor.“ Wie er zu dieser Zahl kommt, wird allerdings nicht erläutert.

Diese Angabe reicht leider auch nicht aus, um die Genauigkeit eines diagnostischen Tests zu erklären (auch wenn es eine wichtige Angabe ist), denn dazu muss man nicht nur wissen, wie gut der Test eine tatsächlich vorhandene HPV-Infektion anzeigt (Sensitivität), wenn sie vorhanden ist, sondern auch, wie gut er anzeigt, dass sie tatsächlich nicht vorhanden ist (Spezifität). Die Aussage „Falle [der Test] negativ aus, liege sehr wahrscheinlich kein Befall vor.“ ist zu allgemein und ungenau. Es fehlt die genaue Zahlenangabe. Wir werten daher alles in allem knapp „nicht erfüllt“.

1. In der Pressemitteilung ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Das grundlegende Problem des Textes ist: In der Mitteilung werden die entscheidenden Kennbegriffe „Sensitivität“ und „Spezifität“ (Erläuterung siehe Kriterium Fakten) vertauscht, damit sind die Angaben dazu grundsätzlich falsch.

Im Text werden zwar als Ergebnis einer Studie Werte für Sensitivität und Spezifität angegeben, indes nur als relative Zahlen (Prozentwerte). Dies ist zwar üblich, aber in diesem Fall wäre es nötig gewesen anzugeben, wie hoch die realen Zahlen waren. So erfährt man nur, dass bei 170 Patienten mit einem Mundhöhlenkarzinom „wie zu erwarten (..) die Rate der HPV16-induzierten Tumoren im Bereich der vorderen Mundhöhle relativ gering“ war. Das legt den Verdacht nahe, dass die Aussage nur auf wenigen Probanden beruht, und somit der mögliche Nutzen übertrieben ist bzw. wahrgenommen werden kann. Wichtig wäre zudem zu wissen, dass es sich um Probanden handelt, die bereits Krebs haben, bei einem Screening (das am Ende des Artikels thematisiert wird), aber gesunde Menschen auf HPV getestet werden. Wie in einem solchen Fall die Werte für Sensitivität und Spezifität ausfallen, bleibt offen.

Dass durch die Kenntnis des HPV-Status letztlich auch Leben gerettet werden, wird in der Mitteilung zwar suggeriert, ob dies aber zutrifft, kann derzeit offenbar noch gar nicht beantwortet werden.

2. Im journalistischen Beitrag sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Die größten Risiken bei solchen Tests zur Früherkennung sind falsche Ergebnisse, wenn der Test also positiv ausfällt, obwohl es keine Viren gibt, oder wenn er negativ ausfällt, obwohl Viren vorhanden sind. Im ersten Fall kann löst das Ergebnis unnötige Ängste und Behandlungen nach sich ziehen. Im zweiten Fall kann es passieren, dass eine Erkrankung übersehen wird. Dies wird im Artikel nicht ausreichend erklärt.

2. In der Pressemitteilung sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Eines der größten Risiken bei einem diagnostischen Test wie diesem sind falsche Befunde – also das Übersehen von Krebserkrankungen / -vorstadien einerseits und die unnötige Beunruhigung von Patienten, die fälschlich eine Krebsdiagnose erhalten andererseits. Die Mitteilung sagt dazu nur vage „eine Verunsicherung von Arzt und Patient ist entsprechend nur sehr selten zu erwarten.“ Für diese Aussage fehlt, wie unter 1 ausgeführt, eine ausreichende Grundlage.

3. Im journalistischen Beitrag ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Der Artikel beschreibt, wie der ursprüngliche Test nach erfolgreichen Studien die Aufnahme in die S3-Leitlinie für Mundhöhlenkarzinome schaffte, obwohl er zunächst für den Nachweis von HPV-Viren in der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs gedacht war. „Der Test schaffte die Aufnahme in die S3-Leitlinien Mundhöhlenkarzinome Diagnose und Therapie. Das ist die höchste Kategorie von Empfehlungen an Ärzte für eine wissenschaftlich gestützte Therapie.“ Das mag Lesern vermitteln, dass es sich um einen aussagekräftigen Test handelt. In welcher Form der Test in der Leitlinie angesprochen wird, erklärt der Artikel indes nicht. In der Langfassung der Leitlinie (pdf), wird der Test namentlich indes gar nicht erwähnt, und es heißt nur: „Der Nachweis von HPV 16 im Serum ist assoziiert mit einem erhöhten Risiko für das Mundhöhlenkarzinom.“ (siehe Kriterium Fakten).

Leser bekommen auch keine Informationen dazu, wie aussagekräftig die Studien zu Spezifität und Sensitivität des Tests sind. Ob die Ergebnisse überhaupt schon in begutachteten Fachmagazinen veröffentlicht wurden, bleibt ebenfalls offen.

3. In der Pressemitteilung ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Die Pressemitteilung berichtet über das Ergebnis einer Untersuchung, und vermittelt dabei zu wenig Informationen zur Aussagenkraft der Studie. 170 Patienten wurden untersucht. Allerdings spielten nur bei einem kleinen, nicht genauer bezifferten Anteil der Krebspatienten HP-Viren eine Rolle. Der Leser erfährt nicht, ob das Ergebnis der Forscher statistisch relevant ist, oder die Patientenzahl zu klein war, um genaue Aussagen zu treffen. Zudem scheint die Studie bislang nicht veröffentlicht worden zu sein. Auch im Fall einer zweiten kurz angesprochenen Studie gibt es außer dem Hinweis, dass es sich um einen Konferenzbeitrag handelt, keine Informationen zur Aussagekraft der Untersuchung.

Ob es Daten zu Tests an (vermeintlich) gesunden Menschen gibt, um die Aussagen zur Vorhersagewahrscheinlichkeit für ein Screening machen zu können, wird nicht erklärt.

4. Im journalistischen Beitrag werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENSKONFLIKTE hingewiesen.

Es wird im Text an einer Stelle der Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) als Experte mit folgender Aussage zitiert: „‚Ein solcher Test ist sehr wichtig, um zu sehen, ob ein HPV-Befall schon vorliegt‘ (…) Er diene zur Orientierung. Falle er negativ aus, liege sehr wahrscheinlich kein Befall vor. Bei einem positiven Ergebnis müssten weitere Untersuchungen erfolgen.“ Wie gut der Test tatsächlich ist, erklärt der Mediziner nicht. Der Experte wird auf der Webseite des Herstellers als regionale Anlaufstelle für die Durchführung des Tests angegeben. Im Artikel wird der mögliche Interessenkonflikt nur indirekt deutlich, weil das UKE am Ende des Textes als gute Anlaufstelle für Betroffene genannt wird. Wir finden, es wäre besser gewesen einen völlig unbeteiligten Mediziner für eine kritische Einordnung zu zitieren, und die Beziehung des Mediziners zum Unternehmen hätte besser dargestellt werden müssen. Daher werten wird knapp „nicht erfüllt“.

4. In der Pressemitteilung wird auf INTERESSENSKONFLIKTE und die FINANZIERUNG hingewiesen und es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert.

Ob es sich bei den beiden genannten Studien um vom Hersteller finanzierte Untersuchungen handelt, erfahren Leser nicht. Auf mögliche Interessenkonflikte wird nicht eingegangen.

Es kommt ein Mediziner der Uniklinik zu Wort, der die zweite erwähnte Studie durchgeführt hat: „Wenn der Test positiv ist, dann ist da auch was.“

5. Der journalistischen Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Der Beitrag geht über die Mitteilung der Firma hinaus, nennt mehr Hintergründe zur Firma, zitiert einen Arzt dazu. Ob die Mitteilung bei dem Artikel überhaupt eine Rolle spielte, können wir nicht sicher sagen.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Dieses Kriterium ist bei Pressemitteilungen nicht anwendbar, wir beschreiben dennoch die über den reinen Pressetext hinausgehenden Zusatzinformationen.

Es gibt die für einen Brief einer Firma üblichen Angaben im Briefkopf und dem Fußbereich.

6. Der journalistische Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Aus dem Artikel geht klar hervor, dass dieser Schnelltest eine Neuheit ist. Erst im vergangenen Jahr sei eine Gesellschaft gegründet. Zum Jahresanfang sei der Test dann schließlich auf den Markt gekommen. Auch wird deutlich, dass er eigentlich als Schnelltest für Gebärmutterhalskrebs entwickelt wurde. 

6. Die Pressemitteilung macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Seit wann es den Schnelltest gibt, wird nicht deutlich. Es wird auch nicht erwähnt, dass er ursprünglich in der Diagnostik von Gebärmutterhalskrebs entwickelt wurde.

7. Im journalistischen Beitrag werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Es werden keine alternativen Testmethoden bzw. andere Methoden der Früherkennung genannt, etwa die genaue Inspektion der Mundschleimhaut, die in der S-3-Leitlinie genannt ist.

7. In der Pressemitteilung werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Auf Alternativen zur Krebsfrüherkennung im Mund- und Rachenbereich geht der Text nicht ein.

8. Im journalistischen Beitrag wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Der Leser erfährt: „Seit einem halben Jahr suchen sie zunächst in Hamburg Krankenhäuser, die als Kompetenzzentren die Krankheit behandeln können. Das UKE, das Bundeswehrkrankenhaus, die Asklepios Klinik Heidelberg und das HNO-Zentrum Alstertal seien gute Anlaufstellen für betroffene Patienten.“ In Zukunft solle das Angebot ausgeweitet werden. Für eine Regionalzeitung halten wir das für ausreichend.

8. In der Pressemitteilung wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Wird der Test schon außerhalb von Studien angewendet? Und wenn ja, wo? In Krankenhäusern oder Arztpraxen? Keine dieser Fragen wird beantwortet.

9. Der journalistische Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Der Text geht ausführlich auf die Kosten ein: „Bisher hat das Unternehmen mehr als 1000 Tests für 25 Euro verkauft. Zielgruppe sind die über 40-Jährigen. Gesetzlich Versicherte müssen die Leistung allerdings noch selbst bezahlen. Daher hofft Abviris zunächst vor allem auf die vier Millionen privat Krankenversicherten, für die der Test kostenlos sei.“ Nicht ganz klar wird, ob 25 Euro auch der Preis für Patienten sein wird.

9. Die Pressemitteilung geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Wie teuer der Test für Patienten sein wird, und ob Krankenkassen für die Kosten aufkommen, erfährt man nicht.

10. Der journalistische Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Das Mundhöhlen-Karzinom wird nicht übertrieben dargestellt. Allerdings beginnt der Text mit der Beschreibung eines sehr drastischen Einzelfalls, ohne zu erklären, wie typisch dieser ist. Hier wäre eine Einordnung nötig gewesen. Wie hoch der Anteil der durch HPV-induzierten Karzinome ist, wird nicht erklärt. Wir werten knapp „erfüllt“.

10. Die Pressemitteilung vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING). 

Das Mundhöhlen-Karzinom wird nicht übertrieben dargestellt. Wie hoch der Anteil von Karzinomen im Mund und Rachenbereich ist, die durch HPV ausgelöst werden, wird indes auch nicht erklärt.

 

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA des journalistischen Beitrags ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Einen aktuellen Anlass scheint es nicht zu geben, der Artikel erschien im August 2015 während die Firma den Test „zum Jahresanfang“ (2015) auf den Markt gebracht hat. Relevanz besteht zum einen dadurch, dass es sich um eine Firma im Bereich der Zeitung handelt, zudem wird deutlich, dass ein solcher Test, ein Rolle in der Krebsprävention spielen könnte.

1. Das THEMA der Pressemitteilung ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Die Vorstellung einer neuen Studie auf einem Kongress, zumal zu einem  Schnelltest, kann ein aktueller Anlass für eine Pressemitteilung sein. Einschränkend sollte dabei aber immer erwähnt werden, dass die Studie noch nicht publiziert wurde – das ist hier leider nicht der Fall. Da es um Krebsprävention geht, auch angesichts der zunehmenden Bedeutung der HP-Viren bei Mund- und Rachenkrebs, erscheint das Thema durchaus relevant.

2. Die Darstellung des Themas ist im journalistischen Beitrag gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Der Artikel berichtet nicht nur über den neuen Test, sondern auch über das Unternehmen und die beiden Gründer. So soll der Text nicht nur aufklären, sondern auch unterhalten und in den Wirtschaftsteil der Zeitung passen; entsprechend erfahren Leser viel zu den wirtschaftlichen Aspekten des Themas. Die Beschreibungen sind insgesamt lebhaft und bis auf wenige Ausnahmen (Biomarker, HPV) auch gut verständlich. Insgesamt wäre ein kritischerer Blick auf den diagnostischen Test angebracht gewesen. Einige kleinere sprachliche Schnitzer: Im Artikel heißt es an einer Stelle „den Virus“ statt korrekt „das Virus“; wie schon unter dem Kriterium „Nutzen“ angesprochen kann man bei einem diagnostischen Test nicht von einer „Wirksamkeit für Mund- und Rachenkrebs“ sprechen.

2. Die Darstellung des Themas ist in der Pressemitteilung gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Der Text beginnt ziemlich abrupt. Mit keinem Satz wird in das grundsätzliche Thema eingeführt. Die Ergebnisse einer Studie werden völlig ohne Einordnung oder Erklärungen präsentiert. Man erfährt weder, wie häufig solche Tumoren sind, wie häufig HP-Viren dabei eine Rolle spielen oder warum der Test nur nach HPV-16-Antikörpern sucht. Außerdem ist die Mitteilung für Laien und Journalisten weitgehend unverständlich. Fachbegriffe (PCR; Sensitivität, Spezifität etc.) werden nicht erklärt. Obwohl der Test unter „Aktuelles“ der Firma auftaucht und damit auch für Laien und Journalisten erreichbar ist, hat der Text die Aufmachung eines Anschreibens, möglicherweise an Ärzte oder Vertriebsfirmen. Nur so ist zu erklären, dass am Ende des Textes eine Grußformel („Mit besten Grüßen (…)“) und die Unterschrift des Geschäftsführers abgedruckt sind. 

Aus unserer Sicht hätte der Text für die Öffentlichkeit umgeschrieben werden müssen.

3. Die Fakten im journalistischen Beitrag stimmen.

Im Text heißt es: „Der Test schaffte die Aufnahme in die S3-Leitlinien Mundhöhlenkarzinome Diagnose und Therapie.“ In der Langfassung der aktuellen Leitlinien (pdf) finden wir jedoch keinen Eintrag dazu. Es heißt lediglich in einem „Statement“: „Der Nachweis von HPV 16 im Serum ist assoziiert mit einem erhöhten Risiko für das Mundhöhlenkarzinom.“ Eine direkte Empfehlung diesen Test durchzuführen, gibt es in der Leitlinie nicht.

Eine Textstelle hinterlässt den Eindruck, dass Rauchen und Alkohol heute nicht mehr als Risikofaktoren angesehen würden, HP-Viren dagegen für alle Tumoren im Mundbereich verantwortlich seien: „Früher hat man gedacht, Mundkrebs entsteht durch Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum“, sagt Hilfrich, ein 50 Jahre alter promovierter Biologe. Allerdings blieb unklar, wieso Menschen, die nie geraucht oder getrunken haben, an Rachen- und Mundhöhlenkrebs erkrankten. 1983 wurden Humane Papillomviren (HPV) als Auslöser dafür erkannt, (…)“.

3. Die Fakten in der Pressemitteilung stimmen. 

Der Text verwechselt die zentralen Begriffe „Sensitivität“ (Richtig-Positiv-Rate, also die Rate, mit der vorhandene Viren korrekt erkannt werden) und „Spezifität“ (Richtig-Negativ-Rate, also die Rate, mit der ein Test korrekt nicht anschlägt, wenn keine Viren vorhanden sind). Außer im Titel heißt es im Text dazu: „(…) aber die herausragende Spezifität von 100%. In jedem Fall ging ein positives Ergebnis mit dem Prevo-Check® auch einher mit dem Nachweis von HPV DNA im Tumorgewebe.“


Aufgrund der Mängel in den allgemeinjournalistischen Kriterien werten wir um einen Stern ab.

Journalistischer Beitrag
Pressemitteilung
Medizinjournalistische Kriterien
5 von 10 erfüllt
1 von 9 erfüllt
Allgemeinjournalistische Kriterien
2 von 3 erfüllt
1 von 3 erfüllt
Gesamtbewertung

Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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