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„Hirn auf Hochtouren“

„Hirn auf Hochtouren“

Eine Übersichtsstudie liefert Belege dafür, dass ein Mittel gegen Narkolepsie (Modafinil) die kognitive Leistungsfähigkeit für bestimmte Aufgaben steigern kann. Mit dem Artikel in der ZEIT sind Leser in fast allen Aspekten, die unsere Kriterien einfordern, gut informiert – insbesondere besser als die Pressemitteilung. Lediglich was die Verbreitung des Phänomens „Hirndoping“ angeht, finden wir die Darstellung als „Massenphänomen“ kritikwürdig.

Zusammenfassung

Journalistischer Beitrag

In einem ausführlichen Text widmet sich dieser ZEIT-Artikel dem Thema Hirndoping (Neuroenhancement) durch das Medikament Modafinil, einem Wirkstoff, der zur Therapie der Narkolepsie (Schlafkrankheit) eingesetzt wird. Anlass ist eine aktuelle Übersichtsstudie. Der mögliche Nutzen wird trotz zahlreicher Informationen nicht ausreichend konkret beschrieben. Nutzen und Risiken spricht der Text mehrfach an, auch werden die Aussagekraft und Grenzen der Studie erklärt. Es kommen mehrere, nicht an der Studie beteiligten Experten zu Wort, wodurch der Artikel deutlich über die Pressemitteilung hinaus geht. Der Text macht klar, was das Neue der Studie ist, klärt die Verfügbarkeit des Mittels und spricht kurz alternative Mittel an. Ebenso werden die Kosten konkret benannt. Es wird deutlich, dass es nicht um die Behandlung einer Erkrankung geht. In dem insgesamt informativen und sehr gut lesbaren und verständlichen Artikel erscheinen uns lediglich die Informationen zur Verbreitung des Phänomens auf wackligen Zahlen zu stehen, wodurch diese übertrieben dargestellt sein kann und der Artikel damit fünf Sterne knapp verpasst.

Pressemitteilung

Die Pressemitteilung „Systematic review shows ‚smart drug‘ modafinil does enhance cognition“ der Forschungsgesellschaft „European College of Neuropsychopharmacology“ fasst die Ergebnisse einer Übersichtsstudie zum Narkolepsie-Wirkstoff Modafinil zur kognitiven Leistungssteigerung zusammen, die in einem von der Organisation herausgegebenen Fachmagazin erschien.

Der mögliche Nutzen wird im Text nicht konkret genug beschrieben, Risiken und Nebenwirkungen werden thematisiert, die Aussagekraft der Studie indes nicht ausreichend erläutert. Es wird nicht auf die Finanzierung und mögliche Interessenkonflikte eingegangen, neben den Studienautoren kommt der Präsident der Gesellschaft zu Wort. Der Artikel macht klar, was das Neue an der Studie ist, geht nicht auf Alternativen und Kosten ein, erklärt aber die Verfügbarkeit. Ebenso macht der gut lesbare und übersichtlich strukturierte Text deutlich, dass es nicht um ein gesundheitliches Problem, sondern um reine Leistungssteigerung geht. Alles in allem reicht es indes nur knapp zu drei Sternen.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Im journalistischen Beitrag ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Zwar wird gut nachvollziehbar herausgearbeitet, worin der Nutzen von Modafinil bestehen soll, wie er abgeleitet wird (Wirkmechanismus ähnlich wie Amphetamin und Ritalin) und wozu er wann eingesetzt wird. Deutlich wird, dass die Leistungssteigerung nur bestimmte kognitive Formen betrifft: „Es verbessert vor allem das konvergente Denken, wenn es also darum geht, für die Lösung eines Problems verschiedene Informationen zusammenzuführen also logische Schlussfolgerungen. Divergentes Denken hingegen, bei dem die Gedanken um flexible Lösungen für ein Problem kreisen, wird nicht verbessert. Manchmal lässt das, was gemeinhin als Kreativität gilt, unter Modafinil sogar nach. Eine Juraprüfung ließe sich mit dieser pharmakologischen Hilfe also eher bewältigen als ein Kunstprojekt.“

Das Grundproblem ist, dass eine Quantifizierung der Ergebnisse völlig fehlt: Man erfährt nicht, wie viele Studienteilnehmer die eingesetzten Tests unter Modafinil „besser“ – und um wie viel besser – bewerkstelligten als die jeweilige Vergleichsgruppe. Damit bleibt das Ausmaß der Leistungssteigerung offen.

Allerdings finden sich diese Zahlen weder in der Pressemitteilung noch im Fachartikel selbst. Hierzu wäre es nötig gewesen, die einbezogenen Studien heranzuziehen oder die Autoren zu befragen, um dann beispielhaft das Ausmaß der Verbesserung darzustellen.

An anderer Stelle wird die Erwartung auf eine Wirksamkeit auch wieder gedämpft, wenn es etwa heißt: „Ob die erhoffte Wirkung unter realen Bedingungen also wirklich eintritt, ist, wissenschaftlich betrachtet, nicht nachgewiesen.“ Später heißt es sogar: „Bei anderen Stimulanzien hat sich gezeigt, dass manche Menschen sogar schlechter werden.“

Wir werten alles in allem „nicht erfüllt“.

1. In der Pressemitteilung ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Eine Quantifizierung des möglichen Nutzens, die das Ausmaß der Leistungssteigerung veranschaulicht, gibt es nicht. Der in den Studien gefundene Nutzen wird lediglich allgemein berichtet: „ (…) shows that modafinil does indeed confer significant cognitive benefits in this group, at least on a particular subset of tasks. (…) Modafinil made no difference to working memory, or flexibility of thought, but did improve decision-making and planning.“

2. Im journalistischen Beitrag sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Auf mögliche Nebenwirkungen wird mehrfach eingegangen – und durch den Hinweis auf Risiken und Nebenwirkungen bei krankheitsbedingt regelmäßiger Einnahme wird auch klar, dass sie in seltenen Fällen auch schwer sein können. Zugleich wird erklärt, dass Langzeitfolgen zumindest nach den Studien nicht eingeschätzt werden können, weil die Studien nicht ausreichend lange durchgeführt wurden. Am Ende des Artikels wird der Fall eines Selbstversuchs beschrieben, der darauf hinweist, wie das Mittel auch die Persönlichkeit verändert. Schließlich werden noch Risiken für eine Gesellschaft angesprochen, in der einige versuchen, ihre Leistung auf diesem Wege zu steigern.

2. In der Pressemitteilung sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Risiken und Nebenwirkungen werden geschildert, allerdings ebenfalls ohne Zahlenangaben: „Very encouragingly, the 70% of studies that looked at the effects of modafinil on mood and side effects showed very little overall effect, although a couple reported insomnia,  headache, stomach ache or nausea (which were also reported in the placebo group).“ Dass es noch keine Langzeitdaten zu Risiken und Nebenwirkungen gibt, erfahren Leser nicht, daher werten wir alles in allem nur knapp „erfüllt“.

3. Im journalistischen Beitrag ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Die Art der Studie – systematische Übersichtsarbeit, ausgewählte Studien placebokontrolliert, Zufallsauswahl – wird beschrieben und erklärt. Diese werden auch als „hochwertig“ eingeordnet. Zugleich wird erklärt, wieso frühere Studien zu anderen Ergebnissen kommen konnten. Zu den Grenzen und Schwächen der Studie wird u.a. erklärt: „So wurde der Wirkstoff in manchen Studien nur einmal gegeben oder nur über wenige Tage hin verabreicht.“ An anderer Stelle heißt es: „Brem warnt im Gegenteil vor dem Konsum, weil die Datenlage bei Gesunden noch unzureichend ist.“

Einer der zitierten Mediziner kritisiert die Studie: „Brems Veröffentlichung hält er für eine ‚schöne Übersichtsarbeit‘, bemängelt allerdings, dass Modafinil ‚fast ausschließlich in Laborexperimenten untersucht wird und nicht unter lebensnahen Bedingungen.‘“ Die Folge sei: „Ob die erhoffte Wirkung unter realen Bedingungen also wirklich eintritt, ist, wissenschaftlich betrachtet, nicht nachgewiesen.“

3. In der Pressemitteilung ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Leser erfahren nur, dass es sich um einen „systematic review“ handelt, in den 24 Studien aus dem Zeitraum ab 1990 einbezogen wurden. Es wird erklärt, dass in der Studie inzwischen ein Effekt gefunden wurde, weil inzwischen andere Testsettings eingesetzt werden. Die Grenzen der Aussagen werden allerdings nur ansatzweise deutlich, wenn es heißt: „ (…) first, that, (…) in these controlled environments, modafinil can be considered a cognitive enhancer; and, second that we need to figure out better ways of testing normal or even supra-normal cognition in a reliable manner.” Wie klein die Studiengruppen waren, wäre ebenfalls eine wichtige Information für die Einordnung gewesen.

4. Im journalistischen Beitrag werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENSKONFLIKTE hingewiesen.

Neben einer Studienautorin werden zwei Psychiater und ein „Neuroethiker“ zitiert, die ihre Erfahrungen mit dem Wirkstoff beisteuern und ihre Einschätzung und Einordnung der Studie geben.

4. In der Pressemitteilung wird auf INTERESSENSKONFLIKTE und die FINANZIERUNG hingewiesen und es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert.

Es werden zwei Autoren zitiert, zusätzlich wird der nicht an der Studie beteiligte Präsident der Fachgesellschaft zitiert, die das Fachmagazin herausbringt. Er ordnet die Studienergebnisse nicht nur medizinisch, sondern auch ethisch und gesellschaftlich ein. Der unbeteiligte Mediziner arbeitet indes an derselben Universität wie die beiden Autorinnen, wenn auch nicht in derselben Arbeitsgruppe. Angaben zur Finanzierung oder möglichen Interessenkonflikten gibt es nicht. Wir werten daher alles in allem knapp „nicht erfüllt“.

5. Der journalistischen Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Der Beitrag geht weit über die Pressemitteilung hinaus, indem er das verbreitete „Hirndoping“ gesellschaftlich einordnet und dazu drei kritische deutsche Experten zu Wort kommen lässt.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Dieses Kriterium ist bei Pressemitteilungen nicht anwendbar, wir beschreiben dennoch die über den reinen Pressetext hinausgehenden Zusatzinformationen.

Die Pressemitteilung der Gesellschaft gibt Kontaktdaten für eine der Autorinnen, den Präsidenten und einen Pressestellenmitarbeiter an, außerdem ist das Abstract zu lesen und es gibt bibliographische Angaben zur Studie.

6. Der journalistische Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Der Text macht klar (allein schon durch den Hinweis, dass für die Metastudie Untersuchungen von 1990 einbezogen wurden), dass Modafinil kein neues Medikament ist und schon lange (gegen Narkolepsie z.B.) eingesetzt wird. Zugleich wird deutlich, dass das Neue dieser Studie ist, dass anders als in vergangenen Studien tatsächlich der gewünschte Effekt nachgewiesen werden konnte.

6. Die Pressemitteilung macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Der Beitrag macht klar, dass Modafinil schon lange (seit mindestens 1990) sowohl therapeutisch als auch „off-licence“ fürs „Hirndoping“ verwendet wird. Zur Studie selbst heißt es: „This is the first overview of modafinil’s actions in non-sleep-deprived individuals since 2008, and so we were able to include a lot of recent data.“

7. Im journalistischen Beitrag werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Als vergleichbare Alternativen zur Leistungssteigerung werden Amphetamin und Methylphenidat genannt, die allerdings süchtig machten, was bei Modafinil nicht der Fall sein soll. Außerdem werden Koffein und Tee angesprochen.

7. In der Pressemitteilung werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Auf Alternativen wird nicht eingegangen.

8. Im journalistischen Beitrag wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Es wird klar gemacht, dass das Mittel seit 1992 verfügbar ist, dass es verschreibungspflichtig ist und seit 2011 nur zur Behandlung einer Narkolepsie verschrieben werden darf.

8. In der Pressemitteilung wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Es wird klar, dass das Mittel schon lange verfügbar ist, dass es normalerwiese zur Therapie der Narkolepsie dient, dass es abseits der Zulassung („off licence“, off-label) zur Leistungssteigerung verwendet wird, und dass wahrscheinlich sogar von mehr Menschen als zur Behandlung der Narkolepsie (was indes nur behauptet wird, ohne es zu belegen).

9. Der journalistische Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Zu den Kosten heißt es konkret: „Gerhard Gründer weist auf ein Problem ganz anderer Art hin: „‚Modafinil ist ziemlich teuer.‘ Eine Packung mit 20 Tabletten kostet in Deutschland mehr als 60 Euro (…).“ Dann führt der Text aus, welches Problem dadurch erwachsen kann: „(…) – ein Luxus, den sich nur Wohlhabende leisten könnten. Wenn man Reichen gestatte, sich durch teure Medikamente bessere Chancen auf Bildung und höhere berufliche Positionen zu erkaufen, steuern wir immer weiter auf ein Zweiklassenbildungssystem zu‘, sagt der Bonner Neuroethiker Thorsten Galert vom Deutschen Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (…).“

9. Die Pressemitteilung geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Der Kostenaspekt wird nicht angesprochen.

10. Der journalistische Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Der Artikel macht klar, dass es nicht um eine Erkrankung geht, sondern um eine Leistungssteigerung, zugleich warnt er davor, dass dies in eine Leistungsspirale in der Gesellschaft führen kann.

Problematisch finden wir, dass die Verbreitung des Phänomens „Hirndoping“ aus unserer Sicht übertrieben dargestellt wird (siehe Kriterium Fakten). Da es sich dabei indes nicht um eine Erkrankung oder ein gesundheitliches Problem handelt, können wir dies in diesem Kriterium nicht berücksichtigen.

10. Die Pressemitteilung vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING). 

Der Text macht deutlich, dass es nicht um eine Erkrankung geht, sondern um reine Leistungssteigerung.

 

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA des journalistischen Beitrags ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Das Thema „Neuroenhancement“ ist mit wachsendem Wissen in der Hirnforschung und neuer Medikamente, die Hirnleistungen modulieren, ein aktuelles und relevantes Thema. Die veröffentlichte Metastudie als Anlass zu nehmen, das Thema aufzugreifen, ist daher angemessen und für eine Wochenzeitung auch aktuell berichtet.

1. Das THEMA der Pressemitteilung ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Die Veröffentlichung der Metastudie ist ein angemessener Anlass für eine Pressemitteilung, über die allgemeine Relevanz des Themas Hirndoping hinaus.

2. Die Darstellung des Themas ist im journalistischen Beitrag gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Der Beitrag liest sich spannend und flüssig, die komplexen Zusammenhänge sind weitgehend verständlich beschrieben. Zum Einstieg gibt es eine „story“, die den Leser gleich ins Thema und seine Bedeutung hineinzieht. Der Sinn und die Art der Studie lassen sich gut nachvollziehen, und die kritische Einordnung und Erklärung medizinischer Details und ethischer Fragen übernehmen kluge, gut zu lesende Expertenzitate. Der Aufbau hält den Spannungsbogen aufrecht, und am Ende rundet noch einmal eine kurze Geschichte das Thema ab.

2. Die Darstellung des Themas ist in der Pressemitteilung gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Positiv zu werten ist, dass die ersten beiden Sätze der Pressemitteilung knapp das Ergebnis der Metastudie zusammenfassen, aber auch auf die ethische/gesellschaftliche Relevanz zumindest hinweisen. Die nächsten beiden Absätze beschäftigen sich dann mit der aktuellen Studie und ihren Ergebnissen. Einordnende längere Zitate der beiden Autorinnen folgen, schließlich ein einordnender Kommentare des ECNP-Präsidenten – eine insgesamt übersichtliche Struktur. Fachbegriffe werden weitgehend vermieden oder erklärt („narcolepsy (excessive sleeping)“), allerdings nicht immer („nootropic agent“ wird nicht erklärt). Aus journalistischer Sicht erscheint es eher ungünstig, dass die Pressemitteilung beim Leser Fragen aufwirft, ohne sie zu beantworten, insbesondere was die aufgeworfenen ethischen, gesellschaftlichen und regulativen Folgen von „Neuroenhancement“ betrifft.

3. Die Fakten im journalistischen Beitrag stimmen.

Problematisch finden wir, daher werten wir auch „nicht erfüllt“, die laxe Verwendung von Umfragezahlen als Beleg für die weite Verbreitung von Hirndoping, das als „Massenphänomen“ bezeichnet wird. Dass dies umstritten ist, erfahren Leser nicht.

Stattdessen heißt es im Artikel: „Sie [die Neuroenhancer] sind heute Alltag für viele Menschen. Etwa im Job: Laut einer Studie der Krankenkasse DAK aus dem Frühjahr 2015 nutzen etwa drei Millionen Deutsche Medikamente, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein.“ Es entsteht der Eindruck, dass drei Millionen Menschen bereits Neuroenhancer wie das eingangs genannte Modafinil nehmen.

In der DAK-„Studie“ (die eher eine Umfrage und eine Erhebung von Daten über verschriebene Medikamente ist), ist aber die Rede von „Medikamente[n] gegen Angst, Nervosität und Unruhe (60,6 Prozent) sowie Medikamente[n] gegen Depressionen (34 Prozent) (…). Etwa jeder achte Doper schluckt Tabletten gegen starke Tagesmüdigkeit [,] 11,1 Prozent nehmen Betablocker.“ Es geht also um eine Bandbreite von Medikamenten. Darüber hinaus bekomme „(…) mehr als jeder Zweite (…) für die entsprechenden Medikamente ein Rezept vom Arzt.“ Wie viele Menschen die Mittel nehmen, weil sie tatsächlich krank sind, oder als Gesunde die Leistung steigern wollen, erscheint aus diesen Zahlen nicht eindeutig erkennbar.

Die Behauptung, dass „drei Millionen“ Erwerbstätige Neuroenhancer nehmen, ist zudem nicht (wie suggeriert) eine Zählung, sondern bestenfalls eine Hochrechnung aus den Angaben der 5000 nicht-repräsentativ Befragten. Hinzu kommt: In der DAK-„Studie“ wird erwähnt, dass die besagten drei Millionen Menschen es „mindestens ein Mal“ probiert haben – was auch heißen kann: nur ein Mal.

Desweiteren wird auf Umfragen unter Studenten verwiesen, bei denen auch nicht klar ist, wie repräsentativ sie für diese Gruppe sind, zumal Ergebnisse mit einer Streuung von zwischen 5 und 20 Prozent herauskommen. Welche Umfragen das gewesen sein sollen, lässt sich nicht rückverfolgen, weil entsprechende Angaben fehlen.

Die im Text erwähnte Nature-„Erhebung“ ist eine Leser-Umfrage, die ebenfalls nicht repräsentativ ist.   

Wir halten es für problematisch, aus dieser unklaren Datenlage zu schlussfolgern: „Hirndoping ist zum Massenphänomen geworden“.


Aufgrund der Darstellung der Häufigkeit von Hirndoping werten wir das Gesamtergebnis um einen Stern ab.

3. Die Fakten in der Pressemitteilung stimmen. 

Faktenfehler sind uns keine aufgefallen.

Journalistischer Beitrag
Pressemitteilung
Medizinjournalistische Kriterien
9 von 10 erfüllt
4 von 9 erfüllt
Allgemeinjournalistische Kriterien
2 von 3 erfüllt
3 von 3 erfüllt
Gesamtbewertung

Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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