In Frankreich wird eine Hormonpille gegen Akne, die Frauen auch zur Verhütung einsetzen, nach Todesfällen verboten. Der Beitrag nimmt dies zum Anlass über Risiken und Nebenwirkungen von Verhütungspillen generell zu berichten und informiert seine Leser in guter Art und Weise.
Zusammenfassung
In Frankreich wird das Medikament Diane 35 – eine Hormonpille gegen Akne – verboten, nachdem vier Todesfälle mit dem Medikament in Verbindung gebracht werden. Das Mittel wurde sehr häufig verkauft, was vermuten lässt, dass es auch zur Verhütung eingesetzt wurde.
Der Beitrag nimmt das Verbot des Mittels zum Anlass, ausführlicher über Risiken und Nebenwirkungen von Verhütungspillen zu berichten. Der Nutzen wird deutlich, auch wenn er nicht genauer erläutert wird, Risiken und Nebenwirkungen werden ausführlich angesprochen (insbesondere das Problem der Thrombosen), allerdings wird nicht ausreichend klar, auf welcher Grundlage (z.B. Studien) die Aussagen zur Sicherheit stehen. Der Artikel zitiert mehrere Quellen und verdeutlicht, dass das Problem der Sicherheit von Verhütungspillen seit längerem bekannt ist. Er geht auf Alternativen innerhalb der verschiedenen Pillengenerationen ein und kurz auf andere Verhütungsoptionen.
1. Der NUTZEN ist ausreichend und verständlich dargestellt.
Im Zentrum des Artikels stehen Risiken und Nebenwirkungen von Hormonpillen. Es wird klar gemacht, dass Diane 35 gegen Akne helfen soll und es ist klar, welchen Zweck Verhütungspillen haben. Da Risiken und Nebenwirkungen im Zentrum des Artikels stehen, und die „Akne-Pille“ eher Anlass denn Hauptthema ist, werten wir in diesem Fall zumindest knapp „erfüllt“. Für eine bessere Einordnung hätten wir es durchaus als hilfreiche Information empfunden, wenn zumindest kurz darauf eingegangen worden wäre, wie gut Diane 35 gegen Akne wirkt und wie sicher die „Pille“ etwa im Vergleich zu anderen Verhütungsmitteln vor einer Schwangerschaft schützen.
2. RISIKEN und Nebenwirkungen werden angemessen berücksichtigt.
Das eigentliche Thema des Artikels sind die möglichen Nebenwirkungen von hormonell wirkenden Medikamenten mit verhütender Wirkung. Ausführlich geht der Text auf das Thrombose-Risiko ein, erwähnt aber auch „Gewichtszunahme, nachlassende Lust an Geschlechtsverkehr oder das mögliche Auftreten von Depressionen“. Und er erwähnt, dass die Mittel unter Beobachtung stehen, weil sie möglicherweise Gebärmutterhalskrebs verursachen könnten. Bezüglich des Thrombose-Risikos macht der Artikel auch klar: Diese Nebenwirkung wiegt besonders schwer, weil in der Regel gesunde, junge Frauen erkranken. Das Risiko wird auch beziffert: „Bei diesen Präparaten sei die Wahrscheinlichkeit, an einer Thrombose zu erkranken, deutlich geringer als bei Pillen der dritten und vierten Generation. Von 100.000 Frauen, die die neueren Präparate verwenden, erkrankten 30 bis 40 Personen an einer Thrombose, bei dem Verhütungsmittel der zweiten Generation nur etwa halb so viele.“ Einschränkend wird allerdings auch erklärt: „Die EMA (…) versicherte jedoch bereits, dass das Risiko einer Thrombose-Erkrankung bei Einnahme einer Pille der dritten oder vierten Generation ‚sehr gering‘ sei. (…) Für das Absetzen eines solchen Präparats gebe es ‚überhaupt keinen Grund‘.“
3. Die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) wird richtig eingeordnet.
Auf was für Studien die Aussagen zur Sicherheit der Hormonpillen fußen, wird nicht erklärt. Die Informationen stammen von offiziellen Behörden oder dem befragten Experten, ohne dass deutlich würde, worauf sie letztlich beruhen. Wir werten daher knapp „nicht erfüllt“.
4. Es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENSKONFLIKTE hingewiesen.
Der Artikel nutzt eine Vielzahl von Quellen, nicht allein die französische Arzneimittelaufsicht ANSM oder die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA. So sind Zahlen zum Umsatz mit den Antibabypillen der dritten und vierten Generation dem Geschäftsbericht des Bayer-Konzerns entnommen, zu Nutzungsproblemen mit Diaphragma und Kondom wird ein Internetforum konsultiert. Als Experte wird leider nur ein einziger Mediziner für die Einordnung befragt, ein Professor für Arzneimittelversorgungsforschung der Universität Bremen.
6. Der Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.
Der Artikel macht klar, dass der Verdacht nicht neu ist, das Aknemedikament Diane 35 könne in seltenen Fällen Thrombosen verursachen. Der Beipackzettel des 1987 zugelassenen Medikamentes enthalte einen entsprechenden Hinweis. Auch wird deutlich, dass die Nebenwirkungen von Verhütungspillen schon länger Thema der Berichterstattung sind: „Es scheint eine dieser „unendlichen Geschichten“ der Medizin zu sein: die Vorwürfe gegen Verhütungsmittel.“ heißt es gleich im einleitenden Satz. Und später dann: „Seit etlichen Jahren warnen Ärzte Frauen vor dem Risiko von Venenthrombosen und vor seltener auftretenden Schlaganfällen.“ Oder: „Genauso lange wie die Pille auf dem Markt ist, halten sich die Zweifel bezüglich ihrer Nebenwirkungen.“
7. Es werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.
Zur Verhütung werden verschiedene Alternativen angesprochen: Den echten Verhütungspillen der dritten und vierten Generation (im Gegensatz zur Aknepille), werden die Pillen der zweiten Generation gegenübergestellt, weil sie ein geringeres Thromboserisiko bieten. Des weiteren werden auch kurz Diaphragma und Kondom angesprochen. Alternativen zur Aknetherapie werden nicht vorgestellt, da der Artikel „Hormonpillen“ als zentrales Thema hat und nicht Hautprobleme, allerdings wird auch deutlich, dass Verhütungspillen zunehmend auch wegen ihrer Effekte auf das Hautbild beworben werden.
8. Es wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.
In Deutschland werde die Verschreibung von Diane 35 „sehr restriktiv“ gehandhabt, sagte ein Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn. Die Verschreibung des Medikaments ausschließlich zu Verhütungszwecken sei hierzulande ‚nicht mehr möglich‘. Die Verfügbarkeit der Pille zur Verhütungszwecken muss nicht näher erläutert werden, da dies allgemein bekannt sein dürfte Die Verbreitung dieser Verhütungsmethode wird erläutert: „Trotzdem nehmen Schätzungen zufolge sechs Millionen Frauen in Deutschland die Pille, im Alter von 18 Jahren sind es 80 Prozent.“
9. Der Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.
Eine wichtige Info zur Pille erhalten Leser in einem Nebensatz: „ (…) die Pille, die in Deutschland bis zum 21. Lebensjahr kostenlos ist, (…)“. Interessant wäre für andere zu erfahren gewesen, wie viel eine Packung dann kostet, und welche Preisunterschiede es zwischen den verschiedenen genannten Pillengenerationen gibt.
1. Das THEMA ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.
Durch den Vorstoß der französischen Behörden, das Aknemedikament Diane 35 vom Markt zu nehmen, gewinnt die Frage nach den Nebenwirkungen von Pillen der neueren Generationen neue Aktualität – auch, wenn sich an der Datenlage aktuell nichts geändert hat. Angesichts der Nutzerzahlen ist das Thema auch relevant.
2. Die journalistische Darstellung des Themas ist gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).
Der Text ist klar gegliedert: Der Artikel stellt zunächst die Positionen der einzelnen Akteure im Fall Diane 35 dar, dann fokussiert er auf das Thema Nebenwirkungen bei Hormonpillen – also vor allem das Problem der Thrombosen. Schließlich diskutiert der Text, inwieweit Hormonpräparate inzwischen fälschlich als Produkte der Kosmetikbranche betrachtet werden. Der Text ist in einfachen Sätzen und flüssig geschrieben, ein handwerklich gut gemachter Artikel. Es gibt keine Fachbegriffe, die Aussagen des Mediziners sind hilfreich, weil sie einige Informationen einordnen („‚Das Problem ist, dass die meisten Frauen, die die Pille nehmen, völlig gesund sind. Erst durch das Einnehmen des Verhütungsmittels geraten sie überhaupt in die Gefahr, beispielsweise an einer Thrombose zu erkranken‘, so Glaeske.“). Ein Kasten liefert interessante und kompakte Infos zur Antibabypille, einschließlich der interessanten Info, dass „Verhütung“ zu Beginn noch als Nebenwirkung beschrieben war, da die erste „Pille“ offiziell nur zur Behandlung von Menstruationsbeschwerden zugelassen wurde.


Kriterium erfüllt |
Kriterium nicht erfüllt |
Kriterium nicht anwendbar