Sprechstunde

Richtlinien für medizinische Pressemitteilungen gefordert

Vor etwas mehr als zwei Jahren wiesen wir an dieser Stelle auf eine Studie hin, die erste Hinweise dafür lieferte, dass die Qualität in der Gesundheitsberichterstattung nicht nur am Journalismus fest zu machen ist, sondern auch mit der Qualität von Pressemitteilungen zusammenhängt.

Jetzt fordert im Britisch Medical Journal (BMJ) die Ärztin und Kolumnistin Margaret McCartney bessere Richtlinien für medizinische Pressemitteilungen (inzwischen unterstützt von einigen Kommentatoren (frei zugänglich), darunter Ben Goldacre, Gary Schwitzer und David Colquhoun.)

In ihrem Artikel „Research press releases need better policing“ (leider hinter des Bezahlschranke) schreibt sie:

„Blaming the media for bad reporting is good sport. It’s easy to find headlines in the broadsheets as well as the tabloids breaking health news with overstated research findings. (…) The media have been repeatedly blamed for misinformation and health scares, and no wonder: when patients voice or act on misconceptions in the press, trying to redress the balance can eat up scarce clinical time. I confess a previous secret pleasure in playing the dissing bad headlines game. My own crossness with bad health reporting was the reason I started writing. But the rules were never fair, I now realise.“

Immer wieder finden sich Beispiele, in denen Fehler schon in der Pressemitteilung zu finden sind, und von Journalisten übernommen werden (aus welchen Gründen auch immer). Während es im Forschungsbereich konkrete Handreichungen für das Verfassen medizinischer Studienartikel gibt (z.B. CONSORT), fehlt vergleichbar konkretes im Bereich der Pressemitteilungen. Für Journalisten hingegen liefern die von uns und anderen internationalen Projekten verwendeten Kriterien eine gute Hilfestellung für die medizinische Berichterstattung.

Um die Lücke zu schließen fordert McCartney daher:

„We urgently need to ensure the public get better information about medical research. We need guidelines for press releases. Research should be placed in context, caveats made crystal, limitations defined, and the meaning of an association spelled out. And relative risks should be banned forthwith.“

Dass diese Richtlinien unserer Meinung nach gar nicht so sehr anders aussehen müssen wie die Kriterien für gute Medizinberichterstattung über Therapien, Medikamente oder diagnostische Tests, dürfte Leser dieses Blogs nicht überraschen, denn wir nutzen sie bereits in unserem Projekt „PR-Watch“.

Wir hatten schon vor zwei Jahren darauf verwiesen, dass diese Kriterien auch für Autoren von Pressemitteilungen ein „Geländer“ sein können, um Journalisten – und immer mehr auch Endnutzer direkt – angemessen zu informieren. Inwiefern Pressemitteilungen noch einmal besondere Anforderungen erfüllen müssen/sollten, auf die Journalismus keine Rücksicht nehmen muss, diskutieren wir derzeit ausgiebig mit Kollegen aus dem Bereich der Wissenschafts-PR.

Dabei haben wir nicht nur die Pressemitteilungen im Blick: Wie sehr sich die Qualität medizinischer Informationen in der gesamten Kaskade vom medizinischen Fachartikel über die Pressemitteilungen bis zum journalistischen Beitrag verändert, untersuchen wir gezielt in unserem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt INKA. Denn, dass Fehler und Übertreibungen bereits auf der Ebene der Fachartikel in die Verwertungskette gelangen, auch dafür gibt es erste Belege (siehe zum Beispiel diese Studie hier).


LINKS:

McCartney, M. (2014): „Research press releases need better policing“, BMJ
http://www.bmj.com/content/348/bmj.g2868

Sprechstunde (2012): „Medizinberichterstattung: Die Rolle der Pressemitteilungen“
http://www.medien-doktor.de/medizin/sprechstunde/medizinberichterstattung-die-rolle-der-pressemitteilungen/


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