Sprechstunde

Rauschkorrelationen nach TV-Spots für Alkohol

Vorsicht bei der Berichterstattung anlässlich einer aktuellen Pressemitteilung (6.10.15) der DAK: Diese berichtet über eine Studie, die eine mögliche Verbindung zwischen der Anzahl der gesehenen TV-Spots über alkoholischen Getränke und der Häufigkeit von Rauschtrinken/Komasaufen untersuchte.

In der Pressemitteilung heißt es: 

„Alkoholwerbung verführt Jugendliche zum Komasaufen
Neue Studie von DAK-Gesundheit und IFT-Nord: Bis zu vier Mal höheres Risiko für häufiges Rauschtrinken durch TV-Spots

Alkoholwerbung im Fernsehen steigert das sogenannte Komasaufen bei Kindern und Jugendlichen. Durch häufiges Sehen von TV-Werbespots über Bier oder Schnaps erhöht sich das Risiko für regelmäßiges Rauschtrinken bei Minderjährigen bis zu vier Mal.“

Problem: Es handelt sich bei dem Studientypus um eine – wenn auch gut gemachte – Beobachtungsstudie. Diese können aber kausale Zusammenhänge (X macht Y) nicht eindeutig belegen, sondern höchstens Hinweise liefern. Journalisten und Pressestellen sollten also bei solchen Studien höllisch aufpassen, wie sie dies formulieren. So wie es die Pressestelle der DAK gemacht hat, scheint der Zusammenhang zwar ganz klar belegt, dies ist aber mit diesem Studiendesign und mit nur einer Studie, nicht möglich. Das ist für die Berichterstattung zwar verlockend, könnte sich aber als Fehlschluss erweisen. Dass die DAK die Ergebnis so eindeutig formuliert verwundert indes nicht, erfreulich transparent schreibst sie in der Pressemitteilung:

„Die Krankenkasse und das Kieler Institut betreiben unter dem Motto „bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“ seit sechs Jahren eine Aufklärungskampagne zum Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen.“

Hier zur PM: http://www.dak.de/dak/bundes-themen/Alkoholwerbung_steigert_Komasaufen-1704912.html

Die Studie gibt es erfreulicherweise hier als pdf: http://www.dak.de/…/Studienergebnisse_Alkoholwerbung_Rausch…

Die Darstellung von kausalen Zusammenhängen, die sich angeblich aus Beobachtungsstudien ergeben, ist ein grundlegendes Problem im Medizin- und Wissenschaftsjournalismus. Wir haben zuletzt an dieser Stelle darauf hingewiesen (Kaffee schütz vor erneutem Darmkrebs – oder auch nicht), ausführlicher auch hier (Mit Schlaftabletten Leser erschrecken). Mehr zur Aussagekraft verschiedener Studiendesigns findet ihr hier und hier.


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