Sprechstunde

Medien-Doktor Bewertung: Dass so was von so was kommt

Was wird eigentlich aus den Bewertungen, wenn wir sie einmal online gestellt haben? Wir benachrichtigen den Autor/die Autorin oder die Redaktion, die uns immer wieder auch ein Feedback geben, ob sie die Bewertung nachvollziehen können, hilfreich finden oder womit sie nicht einverstanden sind.

In einem Fall nahm die Geschichte aber einen etwas anderen Verlauf.

Wir hatten im Juni einen Artikel der Rhein-Zeitung (pdf) bewertet, bei dem uns vor allem aufgefallen war, dass er bis auf einige Änderungen der Pressemitteilung eines Koblenzer Klinikums entsprach. Für Leser erkennbar war das allerdings nicht, sie mussten den Text für einen redaktionellen Beitrag halten. Alles in allem hatten wir den Artikel mit einem von fünf möglichen Sternen bewertet, weil wir auch sonst einiges an dem Artikel zu kritisieren hatten. Uns geht es ja nicht nur um rein journalistische Aspekte, sondern auch darum, wie gut Leser über Therapien, Medikamente und Tests informiert werden. Der Aspekt Pressemitteilung ist nur einer von insgesamt 13 Kriterien, mit dem wir die Qualität eines Beitrags bewerten.

Stefan Niggemeier vom BILDblog war auf unsere Bewertung aufmerksam geworden. In seinem Blogpost stellte er den Text der Pressemitteilung und des „Zeitungsartikels“ vergleichend gegenüber. Er wies auch darauf hin, dass dies bereits der zweite Fall eines medizinischen Textes war, bei dem in der Rhein-Zeitung ein Pressemitteilungstext ohne Kenntlichmachung übernommen worden war (allerdings in einer anderen Lokalredaktion und im Jahr zuvor).

Der Chefredakteur der Rhein-Zeitung Christian Lindner war auf die Fehlleistung der Redaktion aufmerksam geworden, und machte über Twitter klar, dass dies nicht vorkommen dürfe.

Doch damit war die Sache noch nicht erledigt. BILDblog hatte beim Presserat Beschwerde eingelegt (wie der Blog gestern berichtete) – mit Folgen für die Rhein-Zeitung:

„Der Presserat hat aufgrund einer Beschwerde von uns [BILDblog] eine „Missbilligung“ ausgesprochen. Der Artikel verstoße gegen die Richtlinie 1.3 des Pressekodex, wonach Pressemitteilungen als solche gekennzeichnet werden müssen. Die Chefredaktion der „Rhein-Zeitung“ hatte es in ihrer Stellungnahme gegenüber dem Gremium bedauert, dass die journalistische Distanz nicht gewahrt wurde. Sie habe die Kritik zum Anlass genommen, die Redakteure schriftlich auf das Einhalten der journalistischen Grundsätze hinzuweisen.“

Anders als viele andere Medien druckte die Rhein-Zeitung die Missbilligung auch ab und machte ihren Lesern damit transparent, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Verpflichtet war sie dazu nicht.


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