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„Welche Maske bietet den besten Schutz?“

„Welche Maske bietet den besten Schutz?“

Ein Artikel in der Volksstimme erklärt anschaulich, wie man echte von falschen FFP2-Masken unterscheiden kann, lässt dafür bei manch anderen Aspekten Informationen vermissen.

Zusammenfassung

Angesichts der Pflicht zum Tragen medizinischer Masken in der Öffentlichkeit suchen viele Menschen Informationen zu diesem Thema. Die Volksstimme kommt dem in einem Artikel über die verschiedenen Maskentypen entgegen, und zeigt sehr schön, wie man echte von falschen FFP2-Masken unterscheiden kann und was die verschiedenen Beschriftungen bedeuten. Mehr Informationen hätten wir uns zum Thema „Risiken und Nebenwirkungen“ der Masken gewünscht, vor allem, um möglichen Fehlinformationen vorzubeugen. Der insgesamt gut verständliche Text lässt eine Kontroverse über die tatsächliche Filterleistung völlig unberücksichtigt, und verlässt sich nur auf die Aussagen einer Apothekerin der Region. Wie teuer die Masken in Apotheken, aber auch bei den Mitbewerbern sind, erklärt der Text leider nicht.


Diese Bewertung wurde mit Mitteln des Projektes CEOsys – Das Covid19-Evidenz-Ökosystem ermöglicht.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Die POSITIVEN EFFEKTE sind ausreichend und verständlich dargestellt (NUTZEN).

Die im Titel gestellte Frage, welche Maske den besten Schutz liefert, beantwortet der Text nur teilweise. Der Text macht klar, dass bei FFP2-Masken die Atemluft des Trägers von Viren reinigt und auch dafür sorgt, dass der Träger nur gereinigte Luft einatmet. „Träger und Umwelt werden gleichzeitig geschützt“. Leserinnen und Leser erfahren auch eine Zahl zur Filterwirkung: „94 Prozent der Aerosole sind gefiltert.“

Die aktuelle Diskussion über die infrage gestellte Schutzfunktion von 94 Prozent bleibt dabei indes unbeachtet (siehe zum Beispiel diesen Artikel oder diesen Artikel aus dem gleichen Zeitraum).

Wie gut die Wirksamkeit von OP-Masken ist, die ebenfalls derzeit in der Öffentlichkeit erlaubt sind, gibt es keine Aussagen, es wird indes klar, dass diese nur dem Fremdschutz dienen. Alles in allem werten wir knapp „erfüllt“.

2. Die RISIKEN & NEBENWIRKUNGEN werden angemessen berücksichtigt.

Auf das Thema Risiken und Nebenwirkungen geht der Artikel leider nicht ausreichend ein, obwohl dazu zahlreiche Falschinformationen kursieren. Das man sich deshalb keine Sorgen machen muss, wäre ein wichtige Information gewesen. Es wird deutlich gemacht, dass die Wirkung verloren gehen kann, wenn die Masken falsch verwendet werden. Der Text warnt indes nicht davor, dass man sich dank der besseren FFP2-Masken nicht in falscher Sicherheit wiegen sollte und zum Beispiel die Abstände zu Mitmenschen reduziert, daher werten wir – wenn auch knapp – „nicht erfüllt“.

3. Es wird klar, ob eine Therapie/ein Produkt/ein Test VERFÜGBAR ist.

Masken sind im Gegensatz zum Beginn der Pandemie keine Mangelware mehr. Das wird im Text auch ausdrücklich erwähnt: „Die Apotheken haben sich, so Petra Isenhuth, mit ausreichend FFP-2-Masken eingedeckt. Zu einem Engpass werde es ihrer Einschätzung nach nicht kommen.“  ES wird auch deutlich, dass es die Masken in Supermärkten und im Internet gibt. Zudem geht es am Ende des Beitrags um die Berechtigungsscheine. Der Beitrag macht am Beispiel der AOK deutlich, warum diese Post noch nicht bei allen Risikogruppen angekommen ist.

4. Es werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Als Alternative zu FFP2-Masken werden im Text OP-Masken und FFP3-Masken angeführt. Und es wird erläutert, warum FFP3-Masken nicht geeignet sind: „Oft wird Petra Isenhuth auch gefragt, ob FFP-3-Masken nicht noch besser wären. „Das sind sie für den Virenschutz nicht, denn diese Masken haben ein Ventil. Das schützt den Träger vor dem Einatmen von Schadstoffen, seine eigene Atemluft wird aber über das Ventil ungefiltert in die Umgebung abgegeben.“ (siehe dazu aber auch Kriterium Faktentreue). Weiter oben im Artikel heißt es: „Die OP-Masken können genutzt werden, aber bei ihnen handele es sich tatsächlich nur um Einweg-Masken.“ Dass Abstand halten nach wie vor ein probates Mittel gegen Ansteckung ist, wird nur zum Schluss nochmal angedeutet, weil „(…) enge Warteschlangen sind ja das, was wir zurzeit nicht grade brauchen.“ Dass die Aha-Regeln weiterhin wichtig sind, das hätte der Artikel noch einmal betonen können.

5. Die KOSTEN werden im journalistischen Beitrag in angemessener Weise berücksichtigt.

Leider gibt es keinerlei konkrete Preisinformationen zu den Masken. Lediglich gibt es diesen Hinweis: „Ob im Internet oder sogar in manchen Supermärkten, Mund-Nasenschutz-Masken werden massenweise und zu billigen Preisen angeboten.“ Was die Masken aber tatsächlich in der Apotheke oder beim Discounter kosten, erfahren Leserinnen und Leser nicht.

6. Es sind keine Anzeichen von Krankheitserfindungen/-übertreibungen zu finden (DISEASE MONGERING).

Die Krankheit Covid-19, vor dessen Erreger die Masken schützen sollen, wird im Beitrag nicht angesprochen, damit auch nicht übertrieben dargestellt. Auch die Debatten der Masken-Verweigerer bzw. Coronaleugner kommen im Text erfreulicherweise nicht vor.

7. Der journalistische Beitrag ordnet die QUALITÄT der Belege/der Evidenz ein.

Wie sicher die Werte zur Filterleistung der Masken sind, wird nicht diskutiert, obwohl Recherchen anderer Medien zeigen, dass diese mit Vorsicht zu genießen sind.

8. Es werden UNABHÄNGIGE EXPERTEN oder QUELLEN genannt.

Außer der Apothekerin gibt es keine weiteren Expertinnen oder Experten zum Thema, die vielleicht auch etwas zu den Filterwirkungen hätten sagen können. Warum gerade sie als Expertin ausgewählt wurde, wird nicht erläutert. Auch gibt es keine Verweise auf andere Quellen, wie etwa das BfArM, das zum Thema Masken eine ausführliche Seite anbietet, auf denen auch Grafiken das Thema verdeutlichen:

Später im Text kommt eine AOK-Pressesprecherin zu Wort, die sich aber nicht zu Masken, sondern zu Bezugsscheinen äußert.

9. Es werden, falls vorhanden, INTERESSENKONFLIKTE im Beitrag thematisiert.

Die Apothekerin als einzige Expertin hat einen Interessenkonflikt, weil sie selbst Masken verkauft, neben vielen anderen Anbietern. Dann weißt sie aber darauf hin: „Ob im Internet oder sogar in manchen Supermärkten, Mund-Nasenschutz-Masken werden massenweise und zu billigen Preisen angeboten. Der Verbraucher kann aber, wenn er sich nicht auskennt, kaum entscheiden, ob diese Masken tatsächlich auch schützen (…).“ Damit lässt sie die Mitbewerber schlecht aussehen und suggeriert, dass es gute Masken vor allem in der Apotheke gibt. Dem hätte man etwas entgegensetzen können, oder diesen Punkt noch einmal einschränken können.

10. Der Beitrag liefert Informationen zur EINORDNUNG der Thematik in einen Kontext (Neuheit, Ethik).

Es wird klar, dass zum Zeitpunkt des Artikels (seit wann genau, wird indes nicht angegeben) lediglich FFP2-Masken und OP-Mund-Nasenschutz-Masken im öffentlichen Raum erlaubt sind, früher aber auch Stoffmasken erlaubt waren. Seit wann und warum die Wahl auf diese Maskentypen gefallen ist, erläutert der Text nicht. Dass es eine Diskussion, um die Filterleistung der Masken gibt wird ebenfalls nicht angesprochen. Wir werten knapp „erfüllt“.

11. Der Beitrag gibt die wesentlichen Daten und Fakten korrekt wieder (FAKTENTREUE).

Im Text heißt es, FFP3-Masken seien wegen des Ventils keine Alternative. Das Ventil ist aber nicht das Unterscheidungskriterium zwischen FFP2 und FFP3-Masken. Es gibt auch FFP2-Masken mit Ventil. FFP2-Masken müssen mindestens 94 % und FFP3-Masken mindestens 99 % der Testaerosole filtern. (Quelle: BfArM) Daher werten wir knapp „erfüllt“.

12. Der Beitrag geht über eine Pressemitteilung/das Pressematerial hinaus (JOURNALISTISCHE EIGENLEISTUNG).

Wir haben dazu keine Pressemitteilung gefunden, sehen aber auch keine Hinweise für eine Übernahme von Pressematerial.

13. Ein Beitrag vermittelt ein Thema interessant und attraktiv (ATTRAKTIVITÄT DER DARSTELLUNG).

Der Beitrag bietet nützlichen Service, erklärt die CE-, KN- und EN-Abkürzungen auf den FFP2-Masken. Und sicher werden einige Leser dem handfesten Tipp der Apothekerin folgen, die rät, „sich mindestens sieben Masken zu besorgen, sie durchzunummerieren und täglich zu wechseln“. Leider gibt der Artikel nur die Meinung der Apothekerin wieder, der er durchgängig folgt, und bemüht sich auch sonst nicht um besondere Formulierungen oder Blickwinkel. Gelungen ist die Bebilderung, in der sowohl eine FFP2-Masken im Vergleich zur OP-Maske zu sehen ist, als auch „Original“ und „Fälschung“. Wir werten knapp „erfüllt“.

14. Der Beitrag ist für ein Laienpublikum verständlich (VERSTÄNDLICHKEIT).

Alles in allem ist der Artikel für Laien gut verständlich und lebensnah. Vor allem hilft der Text sehr gut durch den Dschungel der verschiedenen Bezeichnungen der Masken und Kennzeichnungen. Das ist die eigentliche Stärke dieses Artikels

15. Das THEMA ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich. (THEMENAUSWAHL).

Masken sind ein in Deutschland sehr aktuelles und wichtiges Thema, jeder Einzelne muss sich derzeit damit auseinandersetzen. Auch die Frage nach Fälschungen von FFP2-Masken ist relevant ebenso wie die Zertifizierungsschritte und die Erkennbarkeit von CE-zertifizierten Produkten.

 

Medizinjournalistische Kriterien: 10 von 15 erfüllt

Wir werten den Artikel aufgrund der zahlreichen nur „knapp“ erfüllten Kriterien um einen Stern ab (von 4 auf 3).


Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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