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„Studie: Guter Schlaf minimiert Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“

„Studie: Guter Schlaf minimiert Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen"

Gesunder Schlaf könnte womöglich langfristig das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen senken, so berichtet es die Deutsche Presse-Agentur (dpa) in einem aktuellen Artikel. In verständlicher und differenzierter Weise werden die Ergebnisse einer medizinischen Studie dargelegt, auch ein unabhängiger Experte wird zitiert.

Zusammenfassung

Nicht zum ersten Mal wird darüber berichtet, dass ein guter Schlaf womöglich mit einem erniedrigten Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen einhergeht. In diesem aktuellen Beitrag der dpa geht es allerdings um die Auswertung eines riesigen Datenpools, die diese Zusammenhänge noch besser beleuchten soll. Im Artikel wird die Qualität der Evidenz der erwähnten Studie eingeordnet, die Analyse-Ergebnisse werden ausführlich dargestellt. Allerdings zeigt der als Positiv-Beispiel vorgeschlagene Artikel auf den zweiten Blick auch kleine Schwächen: Wenn schlechter Schlaf das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen tatsächlich erhöhen soll, hätten wir uns mehr Informationen über Therapiemöglichkeiten zur Verbesserung der Schlafqualität gewünscht. Es hätte zudem noch deutlicher herausgestellt werden können, dass die Datenanalyse lediglich eine Korrelation zwischen Schlafqualität und dem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen darstellt, ein ursächlicher Zusammenhang daraus jedoch nicht direkt abzuleiten ist.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Der NUTZEN ist ausreichend und verständlich dargestellt.

Gleich zu Beginn fasst der Artikel den Nutzen zurückhaltend zusammen: „Guter Schlaf kann möglicherweise das Risiko für Herzerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall senken. … Gesunder Schlaf könnte demnach möglicherweise jeden zehnten Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern.“ Später erfolgt eine weitere Quantifizierung der Studienergebnisse und damit des potentiellen Nutzens: „Menschen mit insgesamt sehr gutem Schlaf waren demnach generell um ein Drittel (34 bis 35 Prozent) weniger gefährdet als Menschen mit besonders schlechter Nachtruhe.“ Schließlich quantifiziert der Beitrag die statistische Korrelation von Schlafqualität und genetischem Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Dabei wird deutlich gemacht, dass solche Ergebnisse keinen kausalen Zusammenhang nachweisen können. Allerdings wäre es hilfreich gewesen, wenn diese Einordnung etwas früher im Text erfolgt wäre. Insgesamt ist der Nutzen aber ausreichend und verständlich dargestellt.

2. RISIKEN und Nebenwirkungen werden angemessen berücksichtigt.

Da es im vorliegenden Artikel um die gesundheitlichen Vorteile eines guten Schlafs geht, erübrigt es sich, Risiken dieser „Behandlung“ zu thematisieren. Die Berichterstattung über die Risiken ist also angemessen. Wir werten „ERFÜLLT“.

3. Die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) wird richtig eingeordnet.

Der Artikel versucht die Qualität der Studie gleich zu Beginn mit dem Zitat eines unabhängigen Experten einzuordnen: „… spricht von sehr robusten Daten aus einer riesigen Kohorte.“ Der Beitrag nennt auch die hohe Anzahl der erfassten Personen und diverse Einflussfaktoren, die in der Studie berücksichtigt wurden: „… britische Datenbank mit Informationen zu mehr als 357 000 Menschen europäischer Abstammung aus. Diese waren zu Studienbeginn 37 bis 73 Jahre alt und hatten keine Herzerkrankung. Zudem erfassten die Forscher Daten zu 84 genetischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie zur Schlafqualität der Teilnehmer – Schlafdauer, Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie), Schnarchen, Tagesschläfrigkeit sowie Angaben zum Chronotyp, also ob jemand eher eine Nachteule oder eine Lerche (Morgentyp) ist.“ Da ausführlich diskutiert wird, welche Erkenntnisse sich aus den Studienergebnissen ableiten lassen und welche nicht, bekommen die Leser einen zutreffenden Eindruck von der Aussagekraft der Studie.

4. Es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENSKONFLIKTE hingewiesen.

Ein Experte zum Thema Schlafmedizin, „der nicht an der Arbeit beteiligt war“, analysiert und kommentiert die Studie kritisch. Interessenkonflikte kommen nicht zur Sprache, werden aber in der Studie auch nicht benannt. Unsere Recherchen haben ebenfalls keine Hinweise auf offenkundige Interessenskonflikte ergeben. Wir werten dieses Kriterium daher als „ERFÜLLT“.

 

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Der Beitrag lässt das Thema durch einen unabhängigen Experten einordnen und liefert über die Studie und begleitende Pressemitteilung hinausgehende Informationen. Zudem bringt der Text Aussagen aus der Originalstudie, die in der Pressemitteilung nicht vorkommen („Gesunder Schlaf könnte demnach möglicherweise jeden zehnten Herzinfarkt und Schlaganfall verhindern, schreibt das Team …“). Somit geht er über die Pressemitteilung deutlich hinaus.

6. Der Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Der Zusammenhang von schlafassoziierten Faktoren und Herz-Kreislauferkrankungen ist kein ungewöhnliches wissenschaftliches Thema, es finden sich dazu bereits zahlreiche wissenschaftliche Publikationen (z.B.: https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.119.041278). Allerdings geht die vorliegende Studie über bisherige Ansätze hinaus. Der Artikel nennt den bisherigen Kenntnisstand („Studien deuten darauf hin, dass neben Lebensstil und Erbgut auch die Dauer und Qualität des Schlafes eine Rolle etwa für die Entstehung der koronaren Herzkrankheit spielen könnten.“) und beschreibt dann die Innovation: „Um den Einfluss genauer abzuschätzen, werteten die Forscher … eine britische Datenbank mit Informationen zu mehr als 357 000 Menschen europäischer Abstammung aus.“ Später heißt es: „… analysiert die Untersuchung einen bislang kaum erforschten Zusammenhang.“ Somit wird klar, dass die Studie neue Wege geht, um mehr Erkenntnisse zu schlafbezogenen Faktoren von Herz-Kreislauferkrankungen zu gewinnen.

7. Es werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Da ein schlechter Schlaf womöglich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen könnte, wäre es für die LeserInnen hilfreich gewesen, mehr über mögliche Therapien zu erfahren, die die Schlafqualität erhöhen können. Diese werden jedoch nur kurz im Text erwähnt und nicht weiter erläutert. Daher werten wir knapp „NICHT ERFÜLLT“.

8. Es wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Wenn es um die Therapie von Schlafstörungen geht, ist die Verfügbarkeit entsprechender Verfahren relevant. Der Beitrag nennt zwar Behandlungsmöglichkeiten der Schlafapnoe („…etwa Kieferschienen und Atemmasken, die sogenannte CPAP-Therapie.“). Doch wird nicht deutlich, ob und wo sie für Betroffene verfügbar sind. Daher werten wir knapp „NICHT ERFÜLLT“.

9. Der Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Auf die Kosten der verschiedenen Therapiemöglichkeiten zur Verbesserung der Schlafqualität wird im Text nicht eingegangen. Auch nicht darauf, welche Kosten durch Herz-Kreislauferkrankungen als mögliche Folge von schlechten Schlaf entstehen könnten – wie relevant das Problem also womöglich für das Gesundheitssystem sein könnte. Daher werten wir „NICHT ERFÜLLT“.

10. Der Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Die Folgen mangelnder Schlafqualität werden nicht übertrieben dargestellt.

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Der Artikel arbeitet heraus, dass es sich um einen neuartigen Ansatz in der schlafmedizinischen Forschung handelt, er ist damit aktuell. Das Thema ist auch relevant, da Herz-Kreislauferkrankungen sehr viele Menschen betreffen. Allerdings ist bei dieser Art von Datenanalysen Vorsicht geboten, eben weil daraus nur Korrelationen, keine ursächlichen Zusammenhänge abgeleitet werden können. Die Auswertung großer Datenmengen sollte also nicht automatisch Anlass für einen Artikel sein. In diesem Fall halten wir die Berichterstattung jedoch für angemessen und werten daher „ERFÜLLT“.

2. Die journalistische Darstellung des Themas ist gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Die LeserInnen erfahren gleich zu Beginn des Beitrags, worum es in der Studie geht und erhalten im Anschluss detaillierte Informationen über das Forschungsprojekt. Der Artikel beschreibt den Nutzen anhand vieler Zahlen und macht gleichzeitig deutlich, dass sich aus diesen Erkenntnissen kein kausaler Zusammenhang ableiten lässt. Indem ein unabhängiger Experte die Studie und ihre Ergebnisse kritisch kommentiert, entsteht ein differenziertes Bild dieser Art von Wissenschaft und des konkreten Projekts. Allerdings hätte etwas früher im Text darauf eingegangen werden können, dass sich aus den Studienergebnissen kein ursächlicher Zusammenhang ableiten lässt, stellenweise wird sogar eine Kausalität impliziert: „Das Schlafmuster hat Einfluss auf die kardiovaskuläre Gesundheit“. Ein paar Textpassagen sind auch umständlich formuliert und schwer verständlich: „Die Analyse ergab, dass ausreichend Schlaf – sieben bis acht Stunden täglich – kaum Schlafstörungen, wenig Tagesschläfrigkeit sowie ein Lerchen-Chronotyp unabhängig voneinander mit einer geringeren Gefährdung einhergingen. Lediglich für Schnarchen fanden die Forscher keine klare Verbindung.“ Daher werten wir knapp „NICHT ERFÜLLT“.

3. Die Fakten sind richtig dargestellt.

Uns sind keine Fehler in der Darstellung der Fakten aufgefallen.

 

Medizinjournalistische Kriterien: 7 von 10 erfüllt

Allgemeinjournalistische Kriterien: 2 von 3 erfüllt


Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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