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„Bluttest sagt Alzheimer voraus“

„Bluttest sagt Alzheimer voraus“

Die Ruhr-Uni-Bochum macht per Pressemitteilung auf die Entwicklung eines diagnostischen Bluttests aufmerksam, mit dem man eines Tages Alzheimer sehr früh erkennen soll. Die WAZ greift dies auf und berichtet in einem lesenswerten Artikel darüber. Beide Publikationen schaffen es indes nicht, Nutzen und Risiken solcher Tests ausreichend darzustellen.

Zusammenfassung

Journalistischer Beitrag 

Die WAZ berichtet in einem längeren Artikel über eine Arbeitsgruppe an der Ruhr-Universität Bochum, die einen diagnostischen Test entwickelt hat, mit dem eine Alzheimer-Erkrankung frühzeitig erkannt werden könnte. Der Test wurde aktuell in zwei wissenschaftlichen Fachartikeln beschrieben.

Der mögliche Nutzen wird nicht ausreichend erklärt, auf Risiken und Nebenwirkungen geht der Beitrag gar nicht ein. Leser bekommen zwar einen Hinweis, dass die Ergebnisse noch nicht an ausreichend vielen Patienten getestet wurden, die Unsicherheit im Wissen wird indes nicht durchgehend deutlich. Es kommt nur ein Forscher des Instituts zu Wort. Der Artikel geht aber deutlich über die Pressemitteilung hinaus und macht einigermaßen klar, was das Neue am Test ist. Alternativen werden nicht hinreichend angesprochen, die Verfügbarkeit wird hingegen deutlich. Der Kostenaspekt wird trotz des frühen Stadiums angedeutet. Alzheimer wird in diesem gut lesbaren und verständlichen Artikel kaum übertrieben dargestellt.

Pressemitteilung

Die Ruhr-Universität Bochum berichtet in der Pressemitteilung „Bluttest zur Diagnose von Alzheimer entwickelt“ über einen neuentwickelten Bluttest, der möglicherweise in der Zukunft eine Alzheimer-Erkrankung im Frühstadium anzeigen kann.

Der mögliche Nutzen sowie Risiken und Nebenwirkungen werden nicht ausreichend erläutert, die  Aussagekraft der Belege nicht hinreichend erklärt. Auf mögliche Interessenkonflikte legt der Text durch den Hinweis zu einem Patentantrag offen. Der Artikel macht klar, was das Neue ist und dass der Test derzeit noch nicht verfügbar ist. Er geht auf Alternativen ein, gibt indes keine Informationen zu möglichen Kosten. Die Alzheimer-Erkrankung wird in diesem in der Vermittlung nicht immer überzeugenden Text nicht übertrieben dargestellt.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Im journalistischen Beitrag ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Der mögliche Nutzen wird allgemein deutlich, dass eine Früherkennung durch den Test eine frühzeitige Therapie der Alzheimererkrankung ermöglichen könnte, wenn es denn eines Tages eine Therapie geben wird. Über diesen Nutzen kann nur spekuliert werden.

Zur Berichterstattung über diagnostische Tests gehört indes immer auch zu erklären, wie gut die Vorhersagekraft des Tests ist. Die Testgüte ist nicht ausreichend dargestellt. Es heißt zwar: „Dabei erzielten sie eine Genauigkeit von 90 Prozent im Nervenwasser und 84 Prozent im Blut.“ An anderer Stelle wird erklärt: „(…) ‚wir konnten vorhersagen, wer gesund bleiben und wer in acht bis zehn Jahren Alzheimer entwickeln wird‘, sagt Gerwert“. Wie diese Aussage mit den Zahlenangaben zusammenhängen ist kaum nachvollziehbar. Es sind indes mindestens zwei konkrete Werte nötig, die die Güte eines Tests beschreiben. Dies sind die Sensitivität (Richtig-Positiv-Rate, also die Rate, mit der eine Krankheit korrekt vorhergesagt wird) und Spezifität (Richtig-Negativ-Rate, also die Rate, mit der ein Test korrekt nicht anschlägt, wenn auch die Krankheit nicht auftreten wird). Dies sind zwei ganz wesentliche Parameter für diagnostische Tests. Sollten diese gar nicht untersucht worden sein, hätte man dies klar machen müssen.

1. In der Pressemitteilung ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Der allgemeine, erhoffte Nutzen des Tests wird zwar deutlich, zur Aussagekraft des Tests gibt es auch konkrete Zahlen, indes reichen diese nicht aus. Zur Qualität des Tests heißt es: „Dabei haben sie eine diagnostische Genauigkeit von 84 Prozent in Blut und 90 Prozent in Nervenwasser im Vergleich zum klinischen Goldstandard erzielt.“ Es bedarf indes immer Angaben zur Sensitivität (Richtig-Positiv-Rate, also die Rate, mit der eine Krankheit korrekt vorhergesagt wird) und zur Spezifität (Richtig-Negativ-Rate, also die Rate, mit der ein Test korrekt nicht anschlägt, wenn auch die Krankheit nicht auftreten wird). Dies sind zwei ganz wesentliche Parameter für diagnostische Tests. Sollten beide oder einer gar nicht untersucht worden sein, hätte man dies klar machen müssen.

2. Im journalistischen Beitrag sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Es gibt mehrere Ebenen, auf denen Schaden entstehen könne: direkte Schäden durch den Test, indirekte Schäden durch den Test (vor allem Überdiagnosen) und Schäden durch die Therapie nach positivem Test. All diese Schäden werden nicht oder nur unzureichend angesprochen. Vor allem die sehr wichtige Frage, wie viele Patienten mit auffälligen Befunden später keine Alzheimer-Symptome bekommen würde und unnötig behandelt werden würden (wenn es denn Medikamente gäbe), wird nicht thematisiert.

2. In der Pressemitteilung sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Risiken und Nebenwirkungen eines solchen Tests werden nicht thematisiert. Zwar sind von einem einfachen Bluttest keine direkten Nebenwirkungen zu erwarten (abgesehen z.B. von leichten Schmerzen an der Einstichstelle bei der Blutabnahme).   In diesem Fall stellt sich aber auch die Frage, wie risikoreich etwa die Entnahme von Nervenwasser aus dem Rückenmark ist. Insbesondere bergen diagnostische Tests immer das Risiko falsch-positiver und falsch-negativer Testergebnisse, die zum Beispiel zu unnötigen Therapien oder dem Ausbleiben einer Therapie führen können, weil man sich in falscher Sicherheit wiegt. Dies wird im Text nicht thematisiert.

3. Im journalistischen Beitrag ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Wie die Studien genau aufgebaut sind, erklärt der Text nicht. Es wird zumindest deutlich, dass bisher Tests an Patienten durchgeführt wurden, deren Krankengeschichte bekannt ist. Zudem gibt es für Leser eine wichtige Einschränkung: „Zwar sei die Zahl der Proben bislang statistisch deutlich zu klein, um sichere Aussagen treffen zu können, räumt Gerwert ein. Doch durchlaufen bereits Hunderte weitere Blutproben die Testmaschine, um die Resultate zu bestätigen.“ Allerdings wird diese Information zur eingeschränkten Aussagekraft durch Aussagen wie „Unsere Experimente weisen deutlich darauf hin, dass wir viele Jahre vor Ausbruch der Krankheit erkennen können, ob es Risiken gibt“ konterkariert.

Hier passt die Darstellung der Unsicherheit nicht zur tatsächlichen Unsicherheit der Ergebnisse zum jetzigen Zeitpunkt (etwa im Titel der Printversion, die wir bewertet haben: „Bluttest sagt Alzheimer voraus“). Weitere Tests werden streng genommen ergebnisoffen durchgeführt, und nicht um „Resultate zu bestätigen“, so entsteht zudem der Eindruck, als wären die Bestätigungen auch nur noch eine Frage der Zeit. Wir werten daher alles in allem knapp „nicht erfüllt“.

3. In der Pressemitteilung ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Es wird nur im allerletzten Satz angedeutet, dass die Aussagekraft der Daten bisher noch unzureichend ist: „Derzeit laufen Messungen an Proben zur Früherkennung von 800 Probanden, um die statische Signifikanz weiter zu verbessern.“ Irreführend ist, dass am Anfang vor allem von der Bedeutung der Früherkennung die Rede ist, die vorgestellten Studien diese aber gar nicht zum Schwerpunkt hatten. Erst gegen Ende der Pressemitteilung wird klar, dass zur Früherkennung erst eine geringe, nicht genau benannte Anzahl von Personen untersucht wurde, und die Ergebnisse dazu noch unsicher sind („…haben die Forscher bereits an einer kleinen Gruppe von Patienten auch das wichtige Potenzial zur Früherkennung von Morbus Alzheimer getestet. Die Ergebnisse deuten an, dass auch in prädemenziellen Stadien ein erhöhter Anteil an fehlgefalteten Amyloid-beta-Peptiden in Körperflüssigkeiten detektiert werden kann.“)

Es wird nicht ausreichend deutlich gemacht, dass der diagnostische Wert von Amyloid-Plaques tatsächlich noch unsicher ist.

4. Im journalistischen Beitrag werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENKONFLIKTE hingewiesen.

Es wird nur der leitende Wissenschaftler des Instituts zitiert, an dem der Test entwickelt wurde. Der Beitrag ist fast ein Porträt, zumal am Ende noch seine Vita angefügt ist. Mögliche Interessenkonflikte werden nur angedeutet durch die Information, dass bereits ein Patent angemeldet sei.

4. In der Pressemitteilung wird auf INTERESSENKONFLIKTE und die FINANZIERUNG hingewiesen und es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert.

Mögliche Interessenkonflikte werden durch einen Hinweis auf ein Patent offen gelegt, die Finanzierung wird erklärt. Es kommen zwei Forscher, die an der Entwicklung beteiligt sind, aber an verschiedenen Unis arbeiten, zu Wort; externe Quellen werden nicht zitiert.

5. Der journalistischen Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Auch wenn einige Formulierungen und ein ganzes Zitat aus der Pressemitteilung im Zeitungsartikel auftauchen, geht der Artikel doch deutlich darüber hinaus, da der Autor vor Ort war „im Tiefgeschoss“ der Ruhr-Uni Bochum und so auch den Sensor genau beschreiben konnte.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Dieses Kriterium ist bei Pressemitteilungen nicht anwendbar, wir beschreiben dennoch die über den reinen Pressetext hinausgehenden Zusatzinformationen.

Es gibt genaue bibliographische Angaben zu den beiden Studien und Kontaktdaten zu den beiden zitierten Wissenschaftlern.

6. Der journalistische Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Es wird deutlich, dass es sich hier um einen neuen Test handelt, der Hinweise auf die Alzheimer-Erkrankung im Blut erkennen soll. „Was den Bochumer Test von bisherigen unterscheidet: Er erkennt die gesamte Verteilung sowohl der „gesunden“ als auch der „kranken“ Proteine, was die Diagnose verfeinert.“

Was nicht recht deutlich wird: Das eigentlich Neue an ihm ist, dass er in einem Test zusammenbringt, was Mediziner bislang schon mit Einzeltests alleine konnten. Wir werten nur knapp „erfüllt“.

6. Die Pressemitteilung macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Der Text erklärt, was das Neue am Test ist: „Das Besondere ist dabei, dass es sich hier um einen einzigen robusten markerfreien Test mit einem einzigen Grenzwert handelt.“ Weil man daraus nur indirekt schließen kann, was damit diesen Test von anderen Tests unterscheidet, werten wir nur knapp „erfüllt“. (siehe aber auch Kriterium Darstellung).

7. Im journalistischen Beitrag werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Welche Alternativen zu einem Alzheimer-Bluttest denkbar oder in Entwicklung sind, wird in dem Artikel nicht thematisiert. Es wird nur erklärt, dass die Krankheit bislang nur „mit teuren und aufwändigen Verfahren“ sicher nachgewiesen werden kann, „wenn bereits ein großer Teil der Hirnzellen abgestorben ist“. Auf die bereits heute genutzte Bildgebung geht der Text nicht ein. In der Pressemitteilung der Uni wird dagegen zum Beispiel die Positronen-Emissions-Tomografie sowie ein anderes Testverfahren erläutert. Weltweit wird an Tests zur Frühdiagnostik von Alzheimer geforscht, dies erfahren Leser nicht. Wir werten – wenn auch knapp – „nicht erfüllt“.

7. In der Pressemitteilung werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Die Mitteilung spricht einen weiteren Bluttest an und geht auf ein Bildgebungsverfahren ein, das die Plaque-Ablagerungen im Gehirn sichtbar machen soll, (Positronen-Emissions-Tomografie (PET)).

8. Im journalistischen Beitrag wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Die Verfügbarkeit wird vor allem sprachlich klar gemacht. Vom Vorspann bis zum Ende wird der Konjunktiv weitgehend durchgehalten: „In Zukunft könnte es möglich werden“, „in Zukunft könnte eine frühe Diagnose ganz neue Wege in der Behandlung der Demenzerkrankung ermöglichen“, „Bis der Bluttest zum klinischen Einsatz kommt, könnten indes noch Jahre vergehen“. Für Leser wird klar: Der Bluttest befindet sich noch in der Entwicklung und ist noch nicht verfügbar.

8. In der Pressemitteilung wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Lesern wird deutlich gemacht, dass der Test noch nicht verfügbar ist. Am Anfang und am Ende der Pressemitteilung wird klar im Konjunktiv darauf hingewiesen: „Forscher haben einen Bluttest entwickelt, mit dem es in Zukunft möglich sein könnte, Alzheimer im Frühstadium zu entdecken.“ Und: „Damit könnte künftig die Diagnose von Morbus Alzheimer in präklinischen Stadien möglich sein.“

9. Der journalistische Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Der Test befindet sich noch in einem frühen Stadium, bevor er tatsächlich im klinischen Alltag angekommen sein wird. Zu den Kosten des Tests erfahren Leser nur, dass es um einen „preiswerten Alzheimertest per Blutprobe“ geht. Was dies konkret heißt, wäre noch interessant gewesen zu erfahren, zumal von den Entwicklern des Tests. Daher werten wir nur knapp „erfüllt“. Völlig rätselhaft bleiben allerdings die Ausführungen zu den Kosten einer künftigen Alzheimertherapie. Wie man zu einer noch nicht vorhandenen Therapie konkrete Zahlen nennen kann („20.000 bis 30.000 Euro“) erläutert der Beitrag nicht. Auch gibt es weit teurere Medikamente, Krebstherapien etwa kosten bis zu 100.000 Euro PRO JAHR (siehe hier), so dass die Bezeichnung „extrem teuer“ unangemessen erscheint.

9. Die Pressemitteilung geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Kosten thematisiert die Pressemitteilung nur (indirekt) bei der PET-Bildgebung, nicht für den Bluttest. Von den Entwicklern sollte man zumindest eine Größenordnung der Kosten erwarten können.

10. Der journalistische Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Viele Umfragen zeigen, dass Menschen sich sehr vor Demenzerkrankungen fürchten. Das greift der Artikel zu Recht auf: „Die Arbeiten der Bochumer Forscher rühren an einer der großen Ängste der Menschen“. Die Krankheit wird nicht übertrieben dargestellt. Doch wird dies eingeschränkt durch einen Satz, der wie ein Damoklesschwert wirkt: „Viele junge Menschen, die heute unbeschwert und symptomfrei durchs Leben gehen, werden betroffen sein.“ Zwar geht man gemeinhin von einer deutlichen Zunahme der Alzheimerkrankheit aus, aber das sind stets Schätzungen. Weil gerade bei dieser Krankheit wissenschaftlich vieles ungeklärt ist, werten wir dieses Kriterium alles in allem nur als knapp „erfüllt“.

10. Die Pressemitteilung vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Wie schlimm oder gefürchtet Alzheimer ist, macht die Pressestelle nicht zum Thema. Sie konzentriert sich auf den Umstand, dass die Krankheit bislang nicht früh diagnostiziert werden kann und dass „beim Auftreten erster klinischer Symptome bereits massive irreversible Schäden des Gehirns vorliegen“. Eine Krankheitsübertreibung ist somit nicht gegeben.

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA des journalistischen Beitrags ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Demenzerkrankungen sind häufig, sie lösen Ängste aus und sind nicht heilbar. Aus diesen Gründen ist das Thema Alzheimer häufig in den Medien präsent. Ein neuer Forschungsansatz für einen Bluttest zur Früherkennung an einem Forschungsinstitut der Region kann für eine Regionalzeitung daher sicherlich ein Thema sein, zumal, wenn wie im vorliegenden Fall, aktuell veröffentlichte Studien dazu vorliegen.

1. Das THEMA der Pressemitteilung ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Die Entwicklung eines Tests, der Alzheimer frühzeitig erkennen könnte und zwei aktuelle Veröffentlichungen in Fachmagazinen sind durchaus Gründe, um mit einer Pressemitteilung darauf aufmerksam zu machen.

2. Die Darstellung des Themas ist im journalistischen Beitrag gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Der Beitrag ist verständlich und in einem erzählenden Stil geschrieben. Er erklärt die komplizierten Abläufe im erkrankten Gehirn ebenso verständlich wie den Wirkmechanismus des Bluttests. Fachbegriffe tauchen bis auf Ausnahmen („Blut-Hirn-Schranke“) nicht auf. Der Aufbau ist logisch und die blauen Handschuhe am Anfang und am Ende sind ein stilistischer Kniff, weil sie dem Thema die wissenschaftliche Schwere und Komplexität nehmen, allerdings fehlt auch ein wenig der Bezug zum Inhalt des Artikels. Zu den Ursachen von Alzheimer hätte der Text deutlicher machen müssen, dass es hierzu noch keine abschließende Erklärung gibt. Hier gaukelt der Text eine Sicherheit vor, die so in der Wissenschaft noch nicht vorhanden ist. Immer wieder kleinere Fehler, die nicht redigiert wurden, trüben das Lesevergnügen.

2. Die Darstellung des Themas ist in der Pressemitteilung gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Die Pressestelle hat das schwierige biologische Thema teilweise gut aufgearbeitet und auch für Laien passagenweise gut verständlich gemacht, auch wenn es zwischendurch wiederholt Abschnitte gibt, die weniger laienfreundlich sind. Der Text ist sinnvoll strukturiert. Fachbegriffe sind zwar nicht durchgängig vermieden, aber es tauchen auch anschauliche, laienverständliche Formulierungen auf wie „Sie fischen die Biomarker für die Alzheimerkrankheit aus dem Blut oder dem Nervenwasser (…) heraus.“

Sprachlich gibt es vereinzelt Stellen, die man nochmal hätte überarbeiten müssen, etwa im ersten Satz wenn es heißt: „Heute wird die Alzheimerkrankheit zu spät diagnostiziert“ (besser heutzutage). Auch die Angewohnheit im Fließtext einer Pressemitteilung Positionen einzelner Forscher in einem Satz genau zu beschreiben, halten wir in Pressemitteilungen, die nicht mehr nur für Journalisten, sondern auch für die Allgemeinheit bestimmt sind, für überdenkenswert, wie etwa in diesem Fall „ (…)“, ergänzt Prof. Dr. med. Jens Wiltfang, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen und Koordinator der Klinischen Forschung des DZNE-Göttingen. Dies mag für Journalisten eine wichtige Beschreibung aller Positionen eines Wissenschaftlers an einer Stelle sein, nur gibt es dafür elegantere Lösungen, etwa über mehrere Sätze verteilt.

Widersprüchlich erscheint eine Aussage (obwohl sie es tatsächlich nicht ist), dass es sich um einen „markerfreien“ Test handelt, wenn doch die ganze Zeit von „Biomarkern“ berichtet wird. Dies hätte man für Laien erklären müssen. Und obwohl schon früh im Artikel von einem Infrarotsensor die Rede ist, wird erst gegen Ende erklärt, welche Rolle überhaupt das Infrarotlicht spielt.

Was genau der „klinische Goldstandard“ ist, erfahren Leser nicht.

Positiv ist der Hinweis, dass ein solcher Test eben auch schon in der Entwicklung einer Therapie eine Rolle spielen kann. Nicht deutlich wird, dass Plaques als Auslöser für Alzheimer eigentlich noch diskutiert werden, sicher ist sich die Wissenschaft da nicht.

Alles in allem werten wir daher – wenn auch knapp – „nicht erfüllt“.

3. Die Fakten im journalistischen Beitrag stimmen.

Faktenfehler sind uns keine aufgefallen.

3. Die Fakten in der Pressemitteilung stimmen.

Faktenfehler sind uns nicht aufgefallen.

Journalistischer Beitrag
Pressemitteilung
Medizinjournalistische Kriterien
5 von 10 erfüllt
5 von 9 erfüllt
Allgemeinjournalistische Kriterien
3 von 3 erfüllt
2 von 3 erfüllt
Gesamtbewertung

Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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