In dieser Rubrik

Alle bewerteten Medien

Unsere Bewertungen

„Diagnose per Urinprobe“

„Diagnose per Urinprobe“

In einem kurzen Beitrag versucht die ARD Tagesschau verspätet die Ergebnisse zu einem Urintest auf Brustkrebs zusammenzufassen, auf den eine bereits verspätete Pressemitteilung der Uniklinik Freiburg hinweist. Wie schon in einem Beitrag einer Tageszeitung zum selben Thema gelingt es auch im TV-Beitrag nicht, die entscheidenden Informationen zu vermitteln – dafür gibt es unkritische Spekulationen.

Zusammenfassung

Journalistischer Beitrag

Die Mittagsausgabe der ARD Tagesschau berichtet in einer „Nachricht im Bild“ (NiB) in knapp 1:30 Minuten über einen neuen diagnostischen Test auf Brustkrebs, der an der Uniklinik Freiburg entwickelt wurde, und für den man nur eine Urinprobe benötige. Wie schon in dem zuvor von uns bewerteten Zeitungsartikel werden Nutzen und Risiken eines solchen Tests nicht angemessen dargestellt. Auch wird nicht ausreichend deutlich, wie unsicher die Aussagen zum Test sind, weil die angesprochene Studie nicht näher eingeordnet wird. Es kommt lediglich ein beteiligter Mediziner zu Wort, aber kein unabhängiger Experte. Der Beitrag macht klar, dass es sich um einen neuen Ansatz handelt und wesentliche Alternativen werden genannt. Dass der Test noch nicht breit verfügbar ist, wird einigermaßen deutlich. Brustkrebs wird nicht übertrieben dargestellt. Die Berichterstattung ist indes für ein tagesaktuelles Medium erheblich verspätet, und es gelingt nicht, in dieser kurzen Zeit die für einen diagnostischen Test nötigen Informationen zu vermitteln. Stattdessen berichtet der Beitrag die meiste Zeit im Konjunktiv, weil es schlicht zu früh für konkrete Aussagen ist. Damit steht indes die Sinnhaftigkeit eines solchen Beitrags infrage.

Pressemitteilung

Die Uniklinik Freiburg weist mit einer Pressemitteilung („Brustkrebs-Diagnostik: Neue Methode weist Tumor über Urin nach„, die wir bereits zusammen mit einem anderen Artikel einer Tageszeitung bewertet hatten) mehr als zwei Monate nach Erscheinen des zugehörigen Fachartikels auf eine Studie hin, nach der Mediziner anhand von Mustern verschiedener so genannter Mikro-RNA (bestimmte Ribonukleinsäuren) im Urin, Brustkrebstumoren erkennen wollen. Nutzen und Risiken werden dabei nicht ausreichend erläutert. Leser können aus verschiedenen Formulierungen schließen, dass die Ergebnisse noch unsicher sind. Es kommt lediglich ein beteiligter Mediziner zu Wort, der Aspekt Interessenkonflikte und Finanzierung wird nicht ausreichend thematisiert. Der Text macht die Neuheit des Verfahrens deutlich und spricht zumindest die etablierten Verfahren kurz an. Dass der Test nicht breit verfügbar ist, wird deutlich. Insgesamt halten wir die Relevanz und insbesondere die Aktualität des insgesamt gut lesbaren Textes für gering, angesichts der noch sehr frühen Phase der Entwicklung und der deutlich verspäteten Berichterstattung.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Im journalistischen Beitrag ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Es wird zwar allgemein deutlich, was der Test leisten soll. Die Beschreibung des Mediziners, dass der Test Brustkrebs mit 92-prozentiger Genauigkeit (laut Pressemitteilung 91 Prozent) vorher sagen könne, suggeriert eine hohe Treffsicherheit, ist indes nicht ausreichend bei der Beschreibung eines diagnostischen Tests. Dazu bedarf es der Angaben zur Sensitivität (Richtig-Positiv-Rate, also die Rate, mit der ein vorhandener Tumor korrekt erkannt wird) und Spezifität (Richtig-Negativ-Rate, also die Rate, mit der ein Test korrekt nicht anschlägt, wenn kein Tumor vorhanden ist), die hier fehlen. Vor allem aber sind auf Grundlage von Versuchen mit zwei Gruppen mit jeweils nur 24 Probanden gar keine sicheren Aussagen dazu möglich; trotzdem suggeriert der Beitrag hier eine hohe Zuverlässigkeit. Es wäre zudem wichtig zu erfahren, wie der Wert einzuordnen ist. Ist die Treffsicherheit größer als bei den herkömmlichen Methoden? Kann der Test zum Beispiel auch Frühformen erkennen oder liefert er Informationen zur Art des Tumors?

1. In der Pressemitteilung ist der NUTZEN ausreichend und verständlich dargestellt.

Zum möglichen Nutzen des Tests heißt es im ersten Absatz zwar: „Anhand der Mikro-RNA-Zusammensetzung im Urin konnten die Wissenschaftler mit einer Sicherheit von 91 Prozent feststellen, ob eine Probandin gesund oder krank war.“ Indes ist diese Angabe für einen diagnostischen Test nicht ausreichend. Dazu sind mindestens zwei Werte erforderlich, die als Sensitivität (Richtig-Positiv-Rate, also die Rate, mit der ein vorhandener Tumor korrekt erkannt wird) und Spezifität des Tests (Richtig-Negativ-Rate, also die Rate, mit der der Test korrekt nicht anschlägt, wenn tatsächlich kein Tumor vorhanden ist) bezeichnet werden.

2. Im journalistischen Beitrag sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Der Beitrag enthält kein Wort zu möglichen Risiken und Nebenwirkungen Auch wenn von einer Urinprobe an sich keine Risiken zu erwarten sind, besteht doch das Risiko einer falschen Diagnose (Fehlalarm bzw. falsche Sicherheit). Diese Information ist bei Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen besonders wichtig.

2. In der Pressemitteilung sind RISIKEN und Nebenwirkungen angemessen berücksichtigt.

Die Folgen eines fehlerhaften Tests werden nicht erwähnt. Für Mammographie oder Ultraschalluntersuchung wird erklärt, dass in Folge eines falsch-positiven Testergebnisses unnötige Biopsien durchgeführt werden könnten („Doch Strahlenbelastung, falsch-positive Befunde und die Belastung durch einen Eingriff bringen diese Methoden immer wieder in die Kritik.“). Doch eben dieses Risiko gibt es auch beim vorgestellten Urintest, schließlich liegt auch dessen Vorhersage-„Sicherheit“ – wie bei allen diagnostischen Tests – nicht bei 100 Prozent (s.o.). Das hier wegzulassen, stellt den neuen Test in ein unangemessen besseres Licht im Vergleich zum Beispiel von Konkurrenzverfahren wie der Mammographie u.a..

Nur indirekt wird angedeutet, dass die Probennahme weniger Risiken hat als eine Blutentnahme oder gar Gewebeentnahme, wenn es heißt: „Der große Vorteil unserer Methode ist, dass wir nur ein paar Milliliter Urin benötigen und kein Blut oder gar Gewebe“, sagt Prof. Stickeler. Das macht das Diagnose-Verfahren sehr attraktiv für kontinuierliche Messungen, etwa zur Kontrolle des Therapieerfolgs.“

3. Im journalistischen Beitrag ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Der Beitrag spricht nur von „der Studie“. Doch was genau heißt das? Der Zuschauer erfährt nicht, dass das Verfahren an gerade einmal 24 Brustkrebspatientinnen getestet wurde. Bei einigen war der Krebs schon weit fortgeschritten, bei anderen noch nicht. Mit einer solchen Machbarkeits-Studie kann nur die Möglichkeit getestet werden, ob micro-RNA aus dem Urin für die  Diagnostik überhaupt vielversprechend erscheint. Wie gut das Verfahren wirklich funktioniert, müssen weitere und vor allem größere Studien klären. Es gibt lediglich den Hinweis: „Die Studie geht jetzt in die zweite Runde. (…)“ Was das genau bedeutet, bleibt offen.

Der Hinweis auf das Patent lässt die Evidenz zusätzlich gewichtiger erscheinen als sie ist, auch der Hinweis, dass der Urintest in fünf Jahren zum Standard gehören könnte, erweckt bei Zuschauern eher den Eindruck, dass der Test wahrscheinlich gut funktioniert. Ob er jemals marktreif sein wird, ist indes zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig offen.

3. In der Pressemitteilung ist die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) richtig eingeordnet.

Es wird deutlich, dass es sich um eine kleine Studie handelt (jeweils 24 Probandinnen in Untersuchungs- und Kontrollgruppe). Zumindest im Vorspann wird erklärt, dass es sich um eine Pilotstudie handelt (auch wenn nicht erklärt wird, was dies konkret bedeutet). In einer Zwischenüberschrift wird der Test als experimentell bezeichnet. Diese Information zusammen mit dem Hinweis, dass die Ergebnisse erst noch in Studien mit größeren  Probandenzahlen bestätigt werden müsse, vermittelt Lesern zumindest ansatzweise, dass die Ergebnisse noch nicht besonders sicher sind, auch wenn wir noch genauere Informationen insbesondere zu den Schwächen der Studie sinnvoll fänden. Wir werten knapp „erfüllt“.

4. Im journalistischen Beitrag werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENSKONFLIKTE hingewiesen.

Es wird nur der Studienleiter zitiert. Ein Interessenskonflikt wird nur indirekt durch die Aussage sichtbar, dass die Wissenschaftler ein Patent angemeldet haben. Die journalistische Konsequenz aus dieser Befangenheit wird nicht gezogen: einen unbeteiligten Mediziner zu Wort kommen zu lassen.

4. In der Pressemitteilung wird auf INTERESSENSKONFLIKTE und die FINANZIERUNG hingewiesen und es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert.

Die Pressemitteilung liefertt keine Informationen zur Finanzierung der Studie, nur indirekt wird deutlich, dass Interessenkonflikte auch dadurch vorhanden sind, dass das Verfahren zum Patent angemeldet wurde (was im Text jedoch eher als „Qualitätsmerkmal“ betrachtet wird, das zudem gleich zwei Mal erwähnt wird.). Einschätzungen von unbeteiligten Experten oder Verweise auf andere Quellen gibt es nicht. Wir werten „nicht erfüllt“.

5. Der journalistischen Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Angesichts der Kürze des TV-Beitrags wird es schwer, inhaltlich über die Pressemitteilung hinaus zugehen. Der Beitrag macht zumindest klar (anders als die Pressemitteilung), dass nach diesem ersten Urintest noch weitere Untersuchungen zur Lokalisation des Tumors nötig wären. Wir werten knapp „erfüllt“.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Dieses Kriterium ist bei Pressemitteilungen nicht anwendbar, wir beschreiben dennoch die über den reinen Pressetext hinausgehenden Zusatzinformationen.

Kontaktdaten des Seniorautors sind vorhanden, nicht aber die des Erstautors, es gibt auch einen Hinweis auf den Fachartikel mit Titel und Magazin. Allerdings fehlt ein Link zum Artikel, obwohl dieser sogar frei zugänglich ist, da er in einem Open Access-Magazin erschienen ist.

6. Der journalistische Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Es wird deutlich, dass es sich um einen neuen Test handelt, dies wird deutlich durch Informationen wie der, dass für das Verfahren nun ein Patent angemeldet wurde und der angeblich in fünf Jahren zum Standard gehören könnte.

6. Die Pressemitteilung macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Im Vorspann ist von einer Pilotstudie die Rede, später heißt es: „Wir konnten erstmals zeigen, dass bei Brustkrebs das Mikro-RNA-Profil im Urin charakteristisch verändert ist, (…)“. Auch der Hinweis auf die Patentanmeldung macht Lesern klar, dass es sich hierbei um etwas Neues handelt.

7. Im journalistischen Beitrag werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Der TV-Beitrag nennt die etablierten Methoden zur Erkennung von Brustkrebs: Ultraschall, Mammografie und Gewebeproben. Eine echte Alternative ist der neue Test jedoch nicht. Bei einem positiven Ergebnis werden diese Methoden zur weiteren Abklärung nach wie vor benötigt. Das deutet auch der Beitrag an (siehe aber auch Kriterium Darstellung).

7. In der Pressemitteilung werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Es werden die etablierten Früherkennungsmethoden (Mammographie per Röntgen/Ultraschall) genannt, dann wird indes nur auf mögliche Nachteile dieser Verfahren verwiesen (von denen zum Beispiel der Kritikpunkt „falsch-positive“ auch auf das neue Verfahren zutrifft). Über andere ähnliche Testverfahren, die Proteine oder andere Biomarker im Urin oder Blut hinweisen, wird nicht informiert. Wir werten alles in allem nur knapp „erfüllt“.

8. Im journalistischen Beitrag wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Ob der Test derzeit schon verfügbar ist, wird nicht ausdrücklich erklärt, das wäre hilfreich gewesen. Es wird nur darüber spekuliert, dass er „in fünf Jahren als Früherkennung zum Standard gehören“ könnte. Dass er auch gar nicht auf den Markt kommen könnte, weil er die Hürden der nächsten Studien nicht nimmt, thematisiert der Beitrag nicht. Insgesamt vermittelt der Beitrag aber durchaus, dass der Test derzeit nicht in der breiten Anwendung ist, auch durch Formulierungen wie „die Studie geht jetzt in die zweite Runde“, was für Zuschauerinnen einen Hinweis sein kann, dass er noch in der Entwicklung ist. Wir werten nur knapp „erfüllt“.

8. In der Pressemitteilung wird klar, ob oder wann ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Da an verschiedenen Stellen deutlich wird, dass es sich um die erste Studie dazu handelt, die zudem erst noch durch größere Studien bestätigt werden müssten, können Leser zumindest vermuten, dass der Test noch nicht verfügbar ist. In einer Zwischenüberschrift wird der Test als „experimentell“ beschrieben. Ob er zumindest im benannten Klinikum genutzt wird (im Rahmen von Studien) etwa, wird nicht recht deutlich. Dazu wären eindeutige Informationen wichtig gewesen. Wir werten nur knapp „erfüllt“.

9. Der journalistische Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Angesichts des sehr frühen Stadiums sind fundierte Aussagen zu Kosten und der Übernahme durch die Krankenkasse nur begrenzt möglich. Daher wenden wir das Kriterium nicht an.

9. Die Pressemitteilung geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Der Test befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium, in dem fundierte Aussagen zu den Kosten noch schwierig sind. Daher wenden wir dieses Kriterium nicht an.

10. Der journalistische Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Brustkrebs wird nicht übertrieben dargestellt.

10. Die Pressemitteilung vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING). 

Brustkrebs wird nicht übertrieben dargestellt.

 

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA des journalistischen Beitrags ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Zwar ist das Thema Brustkrebs latent aktuell und auch eine bedeutende Erkrankung, ob dies indes in diesem Fall ein ausreichender Anlass für diesen Beitrag in einer bundesweit ausgestrahlten Nachrichtensendung bietet, bezweifeln wir. Der Test befindet sich noch in einem sehr frühen Stadium, ob er tatsächlich verfügbar sein wird, ist völlig offen, die Ergebnisse sind noch unsicher angesichts der geringen Teilnehmerzahl der Studie. Letztlich steht auch die Aktualität gerade für ein tagesaktuelle Nachrichtenformat wie die Tagesschau infrage; der konkrete Anlass für den journalistischen Artikel ist mutmaßlich die Pressemitteilung der Uniklinik Freiburg, die indes schon einen Monat zuvor erschienen war. Der Fachartikel, über dessen Ergebnis hier berichtet wird, war sogar schon Ende März 2015 veröffentlicht worden, also mehr als drei Monate zuvor (wann die Studie erschienen ist, erfahren Zuschauerinnen dann auch nicht). Angesichts regelmäßiger Berichte über neue Diagnosetests zu unterschiedlichen Erkrankungen erscheint der Ansatz auch nicht mehr so ungewöhnlich, wie noch vor einigen Jahren. Alles in allem werten wir daher knapp „nicht erfüllt“.

1. Das THEMA der Pressemitteilung ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Aus der Sicht einer Uniklinik mag es zwar nachvollziehbar, dass ein solches Thema relevant ist („erster Nachweis“), indes befindet sich der Test noch in einem sehr frühen Stadium. Zudem ist die Studie bereits mehr als zwei Monate zuvor erschienen, sodass man nicht mehr von einem aktuellen Thema sprechen kann. Wir werten daher knapp „nicht erfüllt”.

2. Die Darstellung des Themas ist im journalistischen Beitrag gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

In einer „Nachricht im Bild“ besteht die Herausforderung, in kurzer Zeit die wesentlichen Informationen zu vermitteln. Ob dies in diesem Fall gelungen ist, bezweifeln wir, auch wenn zumindest die kurze knappe Darstellung der Funktionsweise des Tests, verständlich ist.

Da sich – wie bereits angemerkt – die Entwicklung noch in einem frühen Stadium befindet, sind zahlreiche Aussagen zum Test reine Spekulation, was dazu führt, dass der gesamte Beitrag im Konjunktiv gehalten ist und dadurch insgesamt ein unbriediegends Gefühl beim Zuschauer hinterlässt. Der Beitrag wagt dann die Behauptung, dass der Test in fünf Jahren schon Standard sein könnte, ohne dies kritisch zu hinterfragen. Die Darstellung wird die Mediziner freuen, die Uniklinik weist in ihrer Pressemitteilung auf der Webseite auch auf die Berichterstattung hin. Zuschauerinnen vermittelt dies indes den falschen Eindruck, angesichts der zahlreichen Unsicherheiten.

Es tut sich zudem im Beitrag ein Widerspruch auf: es entsteht kurz der Eindruck, durch den Urintest wären bisherige aufwändige Untersuchungen nicht mehr nötig, wenn es heißt: „Bisher musste jede Frau mit Verdacht auf Brustkrebs aufwändige Untersuchungen wie Mammografie, Ultraschall und Gewebeproben über sich ergehen lassen. Der Urintest könnte nun als eine Art Screening eingesetzt werden.“ Dann erklärt der Mediziner aber, dass bei einem Verdacht auf Krebs durch den Urintest ebenfalls solche Untersuchungen folgen würden, weil man ja zum Beispiel nicht erkennen könne, auf welcher Seite der Tumor wächst – und natürlich das Testergebnis auch mit Unsicherheiten behaftet ist. Diesen Widerspruch löst der Beitrag nicht auf.

Ein abschließender Allgemeinplatz zum Ende des Beitrags „ (…) und je früher man Brustkrebs erkennt, um so besser ist er heilbar.“ macht schließlich die Oberflächlichkeit des gesamten Beitrags deutlich. Natürlich ist es in 1:30 Minute nicht möglich, ein solches Thema in aller Tiefe darzustellen, es stellt sich indes die Frage, wie sinnvoll dann das Format der „NiB“ in diesem Fall ist.

2. Die Darstellung des Themas ist in der Pressemitteilung gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Die Pressemitteilung ist allgemeinverständlich formuliert und verwendet kaum Fachbegriffe, auch wenn vereinzelte Aspekte durchaus etwas mehr Erklärung bedurft hätten (etwa eine genauere Erklärung der Brustkrebsstadien 1,2 und 3.). Manche Redundanz hätte man sich sparen können und auch die weitergehenden Informationen zur anschließenden Therapie von Brustkrebs hätten durch genauere Informationen zur Studie und dem diagnostischen Test genutzt werden können. Alles in allem werten wir knapp „erfüllt“.

3. Die Fakten im journalistischen Beitrag stimmen.

Faktenfehler sind uns keine aufgefallen.


Vor allem aufgrund der Mängel in den allgemeinjournalistischen Kriterien werten wir um einen Stern ab.

3. Die Fakten in der Pressemitteilung stimmen. 

Faktenfehler sind uns keine aufgefallen.


Wir werten wegen insgesamt vier knapp erfüllter Kriterien um einen Stern ab.

Journalistischer Beitrag
Pressemitteilung
Medizinjournalistische Kriterien
5 von 9 erfüllt
5 von 8 erfüllt
Allgemeinjournalistische Kriterien
1 von 3 erfüllt
2 von 3 erfüllt
Gesamtbewertung

 


Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


Schreiben Sie uns...