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„Schlafmaske verlängert Leben von schnarchenden Lungenkranken“

„Schlafmaske verlängert Leben von schnarchenden Lungenkranken“

In einer Kurzmeldung empfiehlt der Präsident einer Fachgesellschaft Menschen mit einer Lungenerkrankung eine Maske gegen nächtliche Atemaussetzer. Dies könne ihr Leben verlängern. Konkrete Informationen liefert der Artikel dann aber zu keinem unserer Kriterien. Er fasst nur die Pressemeldung zusammen.

Zusammenfassung

In dieser Kurzmeldung empfiehlt der Präsident einer Fachgesellschaft von Lungenärzten Menschen mit COPD (einer Lungenkrankheit) eine Atemmaske, wenn sie unter Schnarchen und Atemaussetzern (Apnoe) in der Nacht leiden. Dies könne ihr Leben verlängern, da Atemaussetzer das Risiko für verschiedene gesundheitliche Probleme wie Bluthochdruck und Schlaganfälle erhöhten. Viel mehr Informationen erhalten Leser nicht. Weder wird erklärt, wie viel Lebenszeit COPD-Patienten dank Atemmaske gewinnen, noch wird auf Risiken und Nebenwirkungen der Maske eingegangen. Völlig unklar bleibt auch, wie gut diese Aussage durch Studien belegt ist. Auf Kosten wird ebenfalls nicht eingegangen. Der Text zitiert nur den Präsidenten der Fachgesellschaft und fasst im Grunde die Pressemitteilung zusammen, die der einzige Anlass für die Kurzmeldung zu sein scheint.

Es ist uns bewusst, dass man in einer Kurzmeldung nur wenige Informationen unterbringen kann – wobei auch hier zumindest Minimalaussagen z.B. zu Nebenwirkungen, Kosten oder eine zweite Quelle prinzipiell möglich sind. Vor allem aber stellt sich aus unserer Sicht erneut die Frage, wie sinnvoll es überhaupt ist, in diesem Format über Therapien, Tests und Medizinprodukte zu berichten, wenn man das Ziel hat, Leser angemessen zu informieren.


Hinweis: Der Artikel wurde vom dpa-Themendienst herausgegeben.

Medizinjournalistische Kriterien

1. Der NUTZEN ist ausreichend und verständlich dargestellt.

Ein Nutzen der Atemmaske wird zwar beschrieben: „Leiden chronisch Lungenkranke an einer Schlafapnoe, kann der nächtliche Gebrauch einer Atemmaske ihr Leben verlängern.“ Und: „So lässt sich Herzbeschwerden, Bluthochdruck und Schlaganfällen vorbeugen.“ Allerdings wird der Nutzen in keinem Fall quantifiziert. Es wird weder erklärt, wie lange sich das Leben im Durchschnitt verlängern lasst (was zudem von Faktoren wie dem Alter abhängen wird), noch wie stark etwa Bluthochdruck sinkt, die Zahl der Schlaganfälle zurück geht, oder welche Herzbeschwerden sich in welchem Ausmaß verbessern. Daher werten wir „nicht erfüllt“.

2. RISIKEN und Nebenwirkungen werden angemessen berücksichtigt.

Auf Risiken und Nebenwirkungen wird überhaupt nicht eingegangen.

Bekannt sind zum Beispiel: Mundtrockenheit, Schmerzen an den Schleimhäuten, Gebissbeeinflussung durch chronisches Maskentragen, Bindehaut/Augenentzündungen durch den Luftzug, wenn das Gerät nicht ganz dicht ist, Verstopfung der Nase bis zur Notwendigkeit, abschwellende Nasentropfen benutzen zu müssen, die ihrerseits wieder Risiken bergen, Rötungen der Haut, lästige Geräusche durch das Gerät, die auch den Partner beeinträchtigen.

3. Die Qualität der Evidenz (STUDIEN etc.) wird richtig eingeordnet.

Es wird nicht auf Studien eingegangen. Damit bleibt völlig unklar, wie gut die Aussagen im Text zur Lebensverlängerung und den anderen gesundheitlichen Problemen – jenseits der zitierten Meinung – belegt sind.

4. Es werden weitere EXPERTEN/Quellen zitiert und es wird auf INTERESSENSKONFLIKTE hingewiesen.

Es wird lediglich der Präsident einer Fachgesellschaft zitiert. Insofern erübrigt sich für die Bewertung hier die Frage nach Interessenkonflikten. Gleichwohl sprechen alle Vertreter von Fachgesellschaften naturgemäß nicht selten auch in eigener Sache.

5. Der Beitrag geht über die PRESSEMITTEILUNG hinaus.

Der Artikel fasst lediglich die Pressemitteilung der Webseite „Lungenärzte im Netz“ zusammen. Auf dieser Seite bündeln drei Organisationen von Lungenärzten ihre Informationen (Fachgesellschaft, Berufsverband und Stiftung).

6. Der Beitrag macht klar, wie NEU der Ansatz/das Mittel wirklich ist.

Es gibt keine Aussage dazu im Text. Wir nehmen allerdings an, dass den meisten Lesern (zumal, wenn sie betroffen sind) bekannt ist, dass Atemmasken kein neuer Therapieansatz sind, da sie seit vielen Jahren generell bei starken Schnarchern mit Atemaussetzern im Gespräch sind.

7. Es werden ALTERNATIVE Behandlungsarten/Produkte/Tests vorgestellt.

Es gibt keine Informationen zu Behandlungsoptionen der Apnoe.

8. Es wird klar, ob oder wann/wo ein(e) Therapie/Produkt/Test VERFÜGBAR ist.

Es gibt keine Informationen darüber, wo man eine Schlafmaske bekommt. Über den Hausarzt, Facharzt, über Kliniken, Schlaflabors, Apotheken oder im sonstigen Fachhandel?

9. Der Beitrag geht (angemessen) auf die KOSTEN ein.

Es gibt keine Angaben zu den Kosten, weder zum konkreten Preis der Maske, noch in welchen Fällen diese von den Krankenkassen übernommen wird.

10. Der Beitrag vermeidet Krankheitsübertreibungen/-erfindungen (DISEASE MONGERING).

Wir sehen keine Hinweise für Übertreibung, weder bei der Schlafapnoe und deren Folgen, noch der COPD. Es gibt allerdings auch keinerlei Aussagen zur Häufigkeit des Problems (Schlafapnoe bei Menschen mit COPD).

Allgemeinjournalistische Kriterien

1. Das THEMA ist aktuell, relevant oder ungewöhnlich.

Der einzige nennenswerte Berichtsanlass ist nur insofern erkennbar, als sich die Meldung auf die aktuelle Pressemeldung einer Webseite dreier Organisationen von Lungenärzten bezieht. Das Thema ist aber weder aktuell (es gibt unseres Wissens keine aktuelle Konferenz, Untersuchung bzw. Studie oder einen sonstigen Nachrichtenanlass dazu) noch ungewöhnlich, da nicht deutlich wird, ob COPD-Patienten besonders von diesem Problem betroffen sind. Die Methode erscheint auch nicht besonders relevant – wie es etwa der Fall wäre, wenn eine massive Unterversorgung in diesem Bereich bestünde. Es wird in keiner Weise deutlich, warum diese Information aus journalistischer Sicht gerade jetzt erscheinen soll. Daher werten wir „nicht erfüllt“.

2. Die journalistische Darstellung des Themas ist gelungen (VERSTÄNDLICHKEIT/VERMITTLUNG).

Auch wenn der nachrichtliche Text handwerklich routiniert verfasst ist, kann von einer journalistischen Umsetzung kaum die Rede sein, da im Grunde nur die Pressemitteilung der Fachgesellschaft zusammengefasst wird. Zudem wird nicht deutlich, warum sich dieser Hinweis nur auf Menschen mit COPD bezieht. Denn die beschriebenen gesundheitlichen Nachteile gelten auch für Menschen ohne COPD. Ohne den Zusatz „chronisch Lungenkranke“ hätte die Meldung dieselbe Gültigkeit, da sämtliche Informationen auch auf Menschen ohne COPD zutreffen. Der abschließende Satz „Menschen mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung haben aufgrund ihrer Krankheit eine kürzere Lebenserwartung als Gesunde.“ hilft in diesem Fall auch nicht weiter. Es wird weder deutlich, ob COPD-Patienten besonders von dem Problem der Apnoe betroffen sind, noch, ob bei ihnen die Sterblichkeit dadurch besonders reduziert wird.

Hinzu kommen einzelne Stellen, die wir wenig gelungen finden: So heißt es etwa, die Atemmuskulatur falle in sich zusammen und verschließe sich. Tatsächlich könnte man wohl eher davon sprechen, dass die Muskulatur erschlafft und sich die Atemwege verschließen (wie es in der Pressemitteilung heißt). Auch die Formulierung vom „körperlichen Wachwerden“ (im Satz: „(…) führt (…) zu Atemstillständen, auf die das Gehirn mit körperlichem Wachwerden reagiert“), halten wir für eine zu komplizierte Beschreibung, da sie die Frage provoziert, was denn „geistiges Wachwerden“ wäre.

Alles in allem werten wir daher „nicht erfüllt“.

3. Die Fakten sind richtig dargestellt.

Abgesehen von zahlreichen fehlenden Informationen sind uns keine gravierenden Fehler aufgefallen (allerdings dies auch vor dem Hintergrund, dass der Text keinerlei Belege für die getätigten Aussagen liefert, was die Überprüfung erschwert).


Anmerkung: Aufgrund deutlicher Mängel in den allgemeinjournalistischen Kritierien werten wir das Gesamtergebnis um einen Stern ab.

 

Medizinjournalistische Kriterien: 2 von 10 erfüllt

Allgemeinjournalistische Kriterien: 1 von 3 erfüllt (Abwertung)


Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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