In dieser Rubrik

Alle bewerteten Medien

Unsere Bewertungen

„Corona-Diät: 3 Lebensmittel, die den Krankheitsverlauf mildern sollen“

„Corona-Diät: 3 Lebensmittel, die den Krankheitsverlauf mildern sollen“

Forscher untersuchen in Laborexperimenten und Computersimulationen, ob bestimmte Substanzen gegen das neue Coronavirus helfen könnten. InFranken.de suggeriert im gesamten Artikel, dass daher drei bestimmte Lebensmittel helfen könnten, obwohl das gar nicht untersucht wurde.

Zusammenfassung

Auf der Suche nach wirksamen Therapien gegen das neue Corona-Virus SARS-CoV-2 haben US-Forscher Substanzen untersucht, die ein Enzym von SARS-CoV-2 blockieren können. InFranken.de berichtet über die Versuche, und stellt sie in Bezug zu Untersuchungen deutscher Forscher aus dem letzten Jahr, wonach diese die Struktur dieses Enzyms aufgeklärt haben. Obwohl es sich um reine Grundlagenforschung, Laborexperimente und Computersimulationen handelt, suggeriert der Artikel ständig, dass drei bestimmte Lebensmittel helfen könnten, im Kampf gegen SARS-CoV-2. Die positiven Effekte durch die Lebensmittel werden nicht quantifiziert, Laborergebnisse auch nicht konkret beschrieben, auf mögliche negative Effekte wird gar nicht eingegangen. Die Aussagekraft der Studien bleibt offen. Unabhängige ExpertInnen kommen nicht zu Wort. Der Artikel geht nur unwesentlich über das Pressematerial hinaus. Das an sich spannende und aktuelle Thema wird durch den ständigen Verweis auf „die drei Lebensmittel“ unnötig übertrieben dargestellt.

1. Die positiven Effekte sind ausreichend und verständlich dargestellt.

Positive Effekte werden zwar dezidiert genannt: „Laut einer neuen Studie könnte der Krankheitsverlauf allerdings durch die richtige Ernährung beeinflusst und gemildert werden. Drei Lebensmittel könnten Ihnen bei einer zukünftigen Infektion helfen.“ Diese angeblich positiven Effekte werden indes nicht quantifiziert, es gibt also keine Angaben dazu, wie stark sie den Krankheitsverlauf einer Corona-Infektion mildern könnten oder mit welcher Wahrscheinlichkeit sie eine Infektion verhindern könnten. Später im Text gibt es zwar eine Erklärung zu einem möglichen Wirkmechanismus über das Enzym Protease im Virus. Allerdings wird auch hier nicht klar, was diese Wirkung für die konkrete Krankheit oder für bestehende Symptome bedeutet.

Zudem fehlen Vergleichsangaben, welche Menge man an dunkler Schokolade oder Trauben essen müsste, um den beschriebenen Effekt zu erzielen. Angesichts dessen verwundert es, dass der Text von Anfang an vollmundig Hoffnung darauf macht, dass die Verbindungen den Krankheitsverlauf (also im realen Leben) lindern könnten („deutlich“), ohne dass es für diesen positiven Effekt Belege gibt. Im Gegenteil, am Ende sagt der Text sogar selbst, dass noch Humanstudien nötig sind, um die bisherigen Ergebnisse zu bestätigen.

2. Die negativen Effekte werden angemessen berücksichtigt.

Negative Effekte werden nicht erwähnt. Da es sich vorgeblich um normale Lebensmittel handelt – Schokolade, Grüntee, dunkle Weintrauben – müssen negative Effekte dieser Lebensmittel bei normalem Verzehr nicht erwähnt werden, denn sie haben keine. Allerdings ist für diese Lebensmittel keineswegs eine virenhemmende Wirkung nachgewiesen worden, auch nicht in den zitierten Studien: Wer Schokoladen und rote Trauben isst oder Grüntee trinkt, ist nicht vor Corona, Grippe oder anderen Viren gefeit und kann sich damit auch nicht heilen. Ob es sich bei den angeblich untersuchten Stoffen um Auszüge aus den Lebensmitteln handelt, oder um sehr hohe Konzentrationen von ihren Inhaltsstoffen, die dann Nebenwirkungen haben könnten, geht aus dem Text nicht hervor. Dann hätte allenfalls gewarnt werden müssen, doch zielt der Artikel offensichtlich auf die normalen Nahrungsmittel und nicht auf hochdosierte Extrakte ab.

3. Es werden alternative Lebensmittel/Ernährungsformen/Diäten vorgestellt/verglichen.

Da es sich hier nur um Laborversuche und Modellierungen handelt, ergibt es wenig Sinn, darüber zu spekulieren, welche anderen Maßnahmen und Lebensmittel ähnliche Effekte ergeben könnten. Daher wenden wir das Kriterium nicht an.

4. Die Belege/Studien werden ausreichend eingeordnet.

Der Artikel bezieht sich auf zwei Studien, die auch verlinkt werden. Deren Aussagen, Aussagekraft und Evidenz ordnen sie jedoch nicht ein. Zur zweiten Studie der Universität Lübeck wird eine Pressemitteilung zitiert, ein wörtliches Zitat des Forschers findet sich ebenfalls im Artikel. Eine Einordnung zu den Studien selbst – welche Art von Studie, Design, Relevanz – erfolgt nicht. So beschäftigen sich zwar beide mit dem Enzym Protease und der Vorstufe von Medikamenten oder Wirkstoffen, die das Enzym blockieren. Allerdings macht keine der Studien die Aussage, dass der Verzehr von Lebensmitteln – Schokolade, grüner Tee und dunklen Weintrauben – eine Corona-Infektion beeinflusst, die Viren hemmt oder das Enzym Protease im Virus hemmt. Die zitierte Studie der North-Carolina-Universität ist eine reine In-Vitro-Studie, die die Wirkung von Pflanzenextrakten auf Zellen im Labor untersucht. In der zweiten Studie der Universität Lübeck beschreiben Forscher die Struktur des Enzyms Protease und testen daran einen Wirkstoff, der zuvor synthetisiert wurde. Ob daraus in absehbarer Zeit ein Medikament wird und ob es sich bei dem Stoff um Extrakte aus den genannten Lebensmitteln handelt, geht aus der Studie nicht hervor. Dafür vermischt der Artikel aber beide Studien, indem behauptet wird, der Wirkstoff, nach dem die Lübecker Forscher suchen, könnte von den amerikanischen Forschern der Studie aus North Carolina gefunden worden sein – eine unzulässige Folgerung, zumal die Lübecker konkret einen eigenen Wirkstoff erforschen.

5. Es gibt weitere, unabhängige Experten und die Quellen sind transparent.

Es gibt zwar ein Zitat eines nicht an der US-Studie beteiligten deutschen Forschers. Doch dieser ist einer Pressemitteilung (auf die verlinkt wird) zu seiner eigenen Forschung aus dem März 2020 entnommen. Eine konkrete unabhängige Einordung der Ergebnisse durch unbeteiligte Forscher fehlt.

6. Es wird auf mögliche Interessenkonflikte eingegangen.

Es sind keine Interessenkonflikte erkennbar, die erwähnt werden müssten. Der Fachartikel nennt auch keine.

7. Es gibt eine Einordnung in den Kontext (Neuheit/Verfügbarkeit/Kosten/Herkunft o.a.)

Es wird deutlich, in welchen Lebensmitteln die untersuchten Substanzen verfügbar wären, auch wenn völlig unklar bleibt, in welchen Mengen diese vorhanden sein müssten. Deutlich wird auch, dass es dazu bereits Forschung gibt, die der Artikel versucht in Beziehung zu setzen.

8. Die Fakten stimmen.

Die Aussage, „eine Corona-Studie hat den Einfluss von pflanzlichen Verbindungen auf eine Covid-19-Erkrankung untersucht“, stimmt so nicht, denn es waren nur Laborversuche – mutmaßlich Zellkulturen oder Tierversuche.

Im Artikel heißt es auch: „Corona-Erkrankung durch Ernährung hemmen: Lebensmittel könnten Zellreplikation verlangsamen.“ oder „Besonders effektiv waren Nahrungsmittel, welche bekannt für ihre antioxidative Wirkung sind.“ Versuche mit Nahrungsmitteln wurden indes gar nicht durchgeführt.

9. Der Beitrag ist überwiegend eine journalistische Eigenleistung.

Der Beitrag stützt sich überwiegend und teilweise fast wortwörtlich auf die 1. (englischsprachig) Pressemitteilung. Dabei missversteht der/die Autorin auch eine Angabe im letzten Absatz der ersten Pressemitteilung. Während der zitierte Forscher Xie im Original sagt, er sei nicht überrascht, dass die Pflanzen die Antoxidanzien angesichts ihrer Schutzfunktion in Haut und Blättern enthalten, bezieht der/die Autorin die positive Wirkung auf die Laborversuche – zumindest liest es sich im vorletzten Absatz so („Dementsprechend seien die Forscher wenig überrascht gewesen, dass eine positive Wirkung zu beobachten war.“) Die DZIF-Forscher werden zwar auch eingeführt, aber nur sehr kurz. Als eigentliche journalistische Eigenleistung bleibt nur das übertriebene Wirkversprechen durch die drei Lebensmittel gegen Covid-19.

10. Der Beitrag vermittelt das Thema attraktiv.

Das Thema ist oberflächlich betrachtet attraktiv dargestellt, mit klaren Botschaften, interessanten Aussagen, Verweisen auf Originalstudien, Forscherzitaten und einem Bild von Neuroscience zur Molekülstruktur des Enzyms Protease.

Ein Teil der Attraktivität bezieht der Artikel durch den mehrfachen Verweis auf drei Lebensmittel, die vor eine Corona-Erkrankung schützen könnten. Damit bietet der Artikel also eine konkrete lebensnahe Lösung, die indes weit über die Ergebnisse der Laborforschungen hinausgehen. Es handelt sich um Behauptungen, die durch die Forschung gar nicht gedeckt werden. Der Versuch, sich hier mit Konjunktiven und Modalverben aus der Affäre zu ziehen, genügt nicht, denn die Suggestivkraft der hergestellten Zusammenhänge zusammen mit Bildern und Forscherzitaten ist sehr stark, wie etwa die Bildunterzeile zu einem Foto von Schokolade: „Eine Corona-Infektion soll durch verschiedene Lebensmittel gehemmt werden.“

Zudem stört der ständige Konjunktiv den Lesefluss, denn es wird nicht klar, warum er nötig ist, da Laborversuche ganz konkrete Ergebnisse liefern, die man im Indikativ präsentieren kann.

Sprachliche Mängel finden sich darüber hinaus auch, wie etwa im Vorspann, wenn es heißt: „Neue Studien zum Coronavirus glauben, dass (…)“. Fachbegriffe wie „Zellreplikation“ oder „Nutrazeutika“ werden nicht hinreichend erklärt, wenn überhaupt.

Wir finden es journalistisch fragwürdig, dass im Artikel mehrfach der Eindruck erweckt wird, Ernährung mit verschiedenen Lebensmitteln könnten eine Infektion vorbeugen.

11. Das Thema ist verständlich erklärt.

Der Beitrag wirkt auf den ersten Blick verständlich, da er in einfacher und klarer Sprache verfasst ist. Er zeigt aber an vielen Punkten Schwächen in der Erklärung und nennt zahlreiche Effekte, die irgendwie wirksam sein könnten, darunter Antioxidanzien, entzündungshemmende Inhaltsstoffe, Wirkstoffe, die Enzyme blockieren sowie Stoffe, die das Immunsystem stärken und den Krankheitsverlauf mildern. Die vielen konkreten Aussagen und Versprechungen löst der Artikel nicht ein und sie sind auch durch nichts in den Studien gestützt, s. Kriterium 12, Faktentreue. Auch wird nicht klar, warum entzündungshemmende Stoffe, Viren töten sollten noch wird klar, ob ganze Lebensmittel oder Extrakte in der US-amerikanischen Studie untersuch wurden. Wir werten knapp „nicht erfüllt“.

12. Das Thema ist aktuell, relevant oder originell.

Die Forschung zu Corona-Medikamenten ist aktuell und relevant. Die Ergebnisse, die geschildert werden, sind auf den ersten Blick ungewöhnlich und interessant. Auf jeden Fall ist es redaktionell vertretbar, das Thema „Suche nach Wirkstoffen gegen Corona-Viren“ und „Entwicklung von Wirkstoffen gegen Corona-Viren“ aufzunehmen, auch wenn es sich nur um Laborergebnisse handelt.

 

Journalistische Kriterien: 3 von 11 erfüllt

Wir werten um einen Stern ab, weil der Artikel viel zu sehr den Eindruck erweckt, dass durch bestimmte Lebensmittel eine Corona-Infektion verhindert oder abgemildert werden könnte.


Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


Schreiben Sie uns...