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„Macht Pasta essen wirklich schlank?“

„Macht Pasta essen wirklich schlank?“

Nudeln würden laut einer italienischen Studie gar nicht dick machen, das Gegenteil könnte sogar der Fall sein. Diese Ergebnisse versucht ein Beitrag der Stuttgarter Nachrichten zu Recht einzuordnen. Dass die Untersuchung indes vier Jahre alt ist und von einem Nudelhersteller mitfinanziert wurde, erfahren Leserinnen und Leser leider nicht.

Zusammenfassung

Die Stuttgarter Nachrichten (und auch die Stuttgarter Zeitung) berichtet über eine italienische Studie, nach der Menschen, die häufig Nudel essen, einen geringeren Bodymass-Index oder auch eine schmalere Taille hatten. Dieses Ergebnis hinterfragt der Artikel zu Recht. Konkrete Ergebnisse berichtet der Beitrag indes genauso wenig wie den Hinweis, dass die Studie (nach unseren Recherchen) aus dem Jahr 2016 stammt. Eine Einordung durch einen unabhängigen Experten findet nicht statt, dass die Studie durch einen Nudelhersteller mitfinanziert wurde, erfahren Leserinnen und Leser nicht. Konkrete Quellen gibt es keine, außer dem Hinweis, dass es sich um eine Studie aus Italien handelt. Trotzdem ist der Artikel interessant geschrieben und weitgehend verständlich, weil er zumindest klar macht, dass die Ergebnisse nur im Zusammenhang mit einer mediterranen Ernährungsform zu betrachten sind. Dass es um diese Kostform inzwischen auch eine Kontroverse gibt, wird indes auch nicht berichtet.

1. Die positiven Effekte sind ausreichend und verständlich dargestellt.

Die Stuttgarter Nachrichten (und auch die Stuttgarter Zeitung) berichtet über eine italienische Studie, nach der Menschen, die häufig Nudel essen, entgegen der Erwartung einen geringeren Bodymass-Index oder auch eine schmalere Taille hatten. Dieses Ergebnis hinterfragt der Artikel zu Recht. Konkrete Ergebnisse berichtet der Beitrag indes genauso wenig wie den Hinweis, dass die Studie (nach unseren Recherchen) aus dem Jahr 2016 stammt. Eine Einordung durch einen unabhängigen Experten findet nicht statt, dass die Studie durch einen Nudelhersteller mitfinanziert wurde, erfahren Leserinnen und Leser nicht. Konkrete Quellen gibt es bis auf die vagen Informationen zur italienischen Studie keine. Trotzdem ist der Artikel interessant geschrieben und weitgehend verständlich, weil er zumindest klar macht, dass die Ergebnisse nur im Zusammenhang mit einer mediterranen Ernährungsform zu betrachten sind. Dass es um diese Kostform inzwischen auch eine Kontroverse gibt, wird indes auch nicht berichtet.

2. Die negativen Effekte werden angemessen berücksichtigt.

Es wird nur indirekt auf mögliche negative Effekte eines hohen Nudel-Konsums eingegangen. Man hätte diese aber durchaus konkreter ansprechen können, schließlich gelten Nudeln/bzw. Kohlenhydrate tatsächlich als Dickmacher und werden auch im Hinblick auf Diabetes diskutiert. Diese Diskussion hätte man darstellen müssen. Der Text spielt nur mit der Erwartung von Leserinnen und Lesern, dass Nudeln – nicht aber Vollkornnudeln – eher ungesund sind. Wir werten daher knapp „nicht erfüllt“.

3. Es werden alternative Lebensmittel/Ernährungsformen/Diäten vorgestellt/verglichen.

Ernährungsformen oder Lebensmittel, mit denen man ähnliche Effekte erreichen könnte, werden nicht vorgestellt.

4. Die Belege/Studien werden ausreichend eingeordnet.

Wir erfahren zu der Studie aus Italien: „Dazu wurden über 23.000 Italiener zu ihren Essgewohnheiten befragt sowie Gewicht, Größe, Bauch- und Hüftumfang erfasst.“ Dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, die keine Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegen kann, erfahren Leserinnen und Leser nicht. Offen ist auch, ob es andere Studien gibt, die die Ergebnisse bestätigen oder widerlegen, schließlich ist die Studie nach unseren Recherchen bereits vier Jahre alt. Auch der Hinweis, dass Befragungen zum Ernährungsverhalten ebenfalls zu unsicheren Ergebnissen führen, wäre ein wichtige Information für Leserinnen und Leser gewesen, um die Aussagekraft der Studie einzuschätzen.

5. Es gibt weitere, unabhängige Experten und die Quellen sind transparent.

Es werden keinerlei Experten für eine unabhängige Einschätzung zitiert. Auch bleibt für Leserinnen und Leser völlig offen, um welche Studie es sich eigentlich handelt. Nach unseren Recherchen geht es um eine Untersuchung, die bereits 2016 im Fachmagazin Nutrition & Diabetes veröffentlicht wurde und die Ergebnisse zweier Untersuchungen zusammenfasst.

6. Es wird auf mögliche Interessenkonflikte eingegangen.

Der Pressemitteilung (und auch dem Fachartikel) ist zu entnehmen, dass eine der beiden Studien u.a. vom Nudelfabrikanten Barilla mitfinanziert wurde. Leserinnen und Leser hätten diese Information sicher interessant gefunden.

7. Es gibt eine Einordnung in den Kontext (Neuheit/Verfügbarkeit/Kosten/Herkunft o.a.)

Über die Verfügbarkeit und Kosten von Nudeln muss man Leserinnen und Leser nicht informieren, das ist bekannt. Mediterrane Ernährung ist indes, was den Beleg ihrer Vorteile angeht, inzwischen zunehmend umstritten und war in Fachkreisen in den letzten Jahren Anlass wichtiger Diskussionen (etwa hier). Im Artikel ist diese Diskussion indes nicht existent, die „mediterrane Ernährung“ wird nur positiv dargestellt. Wir werten daher knapp „nicht erfüllt“.

8. Die Fakten stimmen.

Faktenfehler haben wir keine gefunden. Es gibt indes auch kaum Quellen, bei denen wir die Aussagen abgleichen könnten bis auf die vagen Informationen zur italienischen Studie. Die mediterrane Ernährungsweise wird uns indes zu eindeutig als positive Ernährungsform beschrieben, obwohl es auch um diese Kostform inzwischen eine Diskussion gibt, wie gut und gesund sie wirklich ist. Da wir dies unter dem Kriterium „Kontext“ abhandeln, werten wir dieses Kriterium alles in allem nur knapp „erfüllt“.

9. Der Beitrag ist überwiegend eine journalistische Eigenleistung.

Da kaum Quellen oder Experten konkret benannt werden, können wir nicht entscheiden, ob der Text nur Pressematerial berücksichtigt oder deutlich darüber hinaus geht. Daher wenden wir das Kriterium nicht an. Eine Pressemitteilung findet sich zum Beispiel hier, aus der auch hervorgeht, dass der Nudelhersteller Barilla ein Mitfanzier ist.

10. Der Beitrag vermittelt das Thema attraktiv.

Alles in allem ein gut lesbarer und interessanter Artikel, der gut ins Thema einführt: „Eine Studie aus Italien lässt die Herzen vieler Pastaliebhaber höherschlagen: Wer regelmäßig Nudeln isst, neigt seltener zu Übergewicht.“ Das macht neugierig, weil es der Erwartung wahrscheinlich vieler Leserinnen und Leser widerspricht, um dann zu erklären, warum die Ergebnisse eben kein „Freifahrtschein für Nudelfans“ mit deutschen Verzehrgewohnheiten ist. Hin und wieder fällt der Text sprachlich ab, weil er unerwartet fachlich klingt und substantiviert, wenn es etwa heißt: „Die mediterrane Ernährung bietet sogar Vorteile hinsichtlich der Verbesserung des Blutglucosespiegels bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2.“ Oder „Nach epidemiologischen und klinischen Erkenntnissen hat sie eine schützende Funktion bei Übergewicht und Adipositas.“ Es werden zwar immer wieder Links im Artikel gesetzt, die aber lediglich zu weiterführenden Artikeln des Mediums führen, so auch ein Link gleich zu Beginn hinter dem Wort „Studie“, wo man eigentlich einen Link zur Originalstudie erwarten würde (in der Onlineversion der Stuttgarter Zeitung gibt es diesen Link nicht). Indes bekämen Leserinnen und Leser spätestens dann mit, dass es sich um eine Untersuchung aus dem Jahr 2016 handelt. Wir werten nur knapp „erfüllt“.

11. Das Thema ist verständlich erklärt.

Der Artikel ist insgesamt gut aufgebaut und weitgehend verständlich erklärt, deutlich wird, dass Pasta zu essen, nur positive Effekte erzielt als Teil der mediterranen Ernährungsform. Unklar bleibt indes, warum ein besseres Taille-Hüft-Verhältnis gut ist (weil es ein Hinweis auf die Menge des Bauchfetts ist, das als besonders problematisch gilt), auch werden Begriffe wie BMI, Adipositas oder „Blutglucosespiegel“ nicht erklärt. Wir werten daher nur knapp „erfüllt“.

12. Das Thema ist aktuell, relevant oder originell.
Die Studie, über die berichtet wird, ist aus dem Jahr 2016. Damit entbehrt der Artikel jeglicher Aktualität. Relevant ist eine Einzelstudie, nach der Pasta beim Abnehmen helfen kann, die zudem von einem Nudelhersteller mitfinanziert wird, als alleiniger Berichtsanlass auch nicht ohne eine Einordnung. Das Ergebnis mag überraschend sein, aber ob es stimmt, also in den Folgejahren unabhängig bestätigt wurde, erfahren Leserinnen und Leser auch nicht. Es ist kein Grund erkennbar, warum dieser Artikel in dieser Form zum jetzigen Zeitpunkt veröffentlicht werden sollte.

 

Journalistische Kriterien: 3 von 11 erfüllt

Wir werten um einen Stern ab, da es sich um eine vier Jahre alte Studie handelt, was Leserinnen und Leser nicht mitgeteilt wird.


Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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