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„Die Glyx Diät: Zucker gehört NICHT in den Abnehmplan!“

„Die Glyx Diät: Zucker gehört NICHT in den Abnehmplan!“

Ein kurzer Ratgeber-Text einer Diät-Reihe auf Bild.de stellt die GLYX-Diät vor. Leider gibt es für keine der Aussagen irgendeine Quelle, konkrete Experten werden ebenfalls nicht zitiert. Der zentrale Begriff dieser Diät wird zudem nur sehr oberflächlich erklärt.

Zusammenfassung

Ein kurzer Ratgebertext auf Bild.de stellt im Rahmen einer Serie über Diäten die GLYX-Diät vor. Der leicht zu lesende, griffige Artikel behauptet zwar eine Menge zu dieser Diätform und macht auch klar, dass es sie seit über zwanzig Jahren gibt. Doch wird keine der Aussagen zu den Effekten der Diät durch irgendeine Quelle belegt. Der Artikel behauptet nur, ohne auf einen konkreten Experten oder eine aktuelle Studie zu verweisen. Es bleibt offen, wie gut Effekte durch Studien belegt sind. Vergleiche mit den Effekten anderer Diäten gibt es nicht, der zentrale Begriff des glykämischen Index‘ wird nicht hinreichend verständlich erklärt. So ist der Artikel einerseits praxisnah, weil er erklärt, welche Lebensmittel sinnvoll sind, aber, auch aufgrund einiger Fehler, nur bedingt hilfreich zum Verständnis und zur Einordnung der Diät.

Hinweis: Diese Bewertung bezieht sich auf eine Version des Artikels vom 28.4.2020. Zwischenzeitlich (24.6.) wurde der Text unabhängig von dieser Bewertung verändert (Unser Portal ging erst am 25.6. online) und mit einem neuen Titel versehen. Die neue Version des Artikels haben wir nicht bewertet. Den Text der von uns bewerteten Version ist hier nachzulesen, damit sich Leserinnen und Leser ein eigenes Bild machen können.

1. Die positiven Effekte sind ausreichend und verständlich dargestellt.

Der Effekt wird an einer Stelle zwar quantifiziert mit der Aussage, die Diät bringe in „der ersten Woche einen Gewichtsverlust von bis zu 3 Kilo“. Allerdings wird dies als „Versprechen“ bezeichnet, ohne dass geklärt wird, ob dieses auch eingelöst wird. Die Angabe „bis zu“ lässt zudem offen, wie hoch der mittlere Gewichtsverlust ist.

Entscheidend für den Erfolg beim Abnehmen ist zudem nicht die erste Woche, sondern dass eine Diät über längere Zeit durchgehalten werden kann, und dass das Körpergewicht auf Dauer auf niedrigerem Niveau stabil bleibt. Dazu erhalten Leserinnen und Leser indes keine Informationen. Es heißt zwar: „Bei der Glyx-Diät sind hohe Gewichtsverluste nachweisbar.“ Welches Ausmaß über welchen Zeitraum damit gemeint ist, bleibt indes offen. Positiv ist, dass immerhin erklärt wird, dass der Effekt auf Blutdruck und Infarktrisiko umstritten sei.

Alles in allem werten wir daher – wenn auch knapp – „nicht erfüllt“.

2. Die negativen Effekte werden angemessen berücksichtigt.

Das Thema „Negative Effekte“ wird nicht angesprochen. Tatsächlich gibt es bei dieser Diät-Form auch keine gravierenden negativen Effekte, sie schadet nicht; dies hätte man indes erwähnen können. Allerdings ist fraglich, inwieweit sie tatsächlich zum – langfristigen – Gewichtsverlust taugt und ob es sich lohnt, die Diätform mit diesem Ziel entsprechend lange einzuhalten. Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) erwähnt in ihrer Stellungnahme der GLYX-Diät von 2018 (https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/diaeten-fasten/glyx/), dass diese Ernährungsform eine hohe Disziplin erfordert und nicht leicht langfristig durchzuhalten ist. Das wäre für Leserinnen und Leser eine wichtige Information gewesen, weil es eine Einschätzung über die Erfolgsaussichten und die Machbarkeit ist.

3. Es werden alternative Lebensmittel/Ernährungsformen/Diäten vorgestellt/verglichen.

Wie gut oder schlecht die Glyx-Diät im Vergleich zu anderen Diätformen abschneidet, wird aus dem Beitrag nicht ersichtlich. So wäre interessant zu erfahren, ob nicht allein der Verzicht auf Süßigkeiten, Bier etc. mit der entsprechend verringerter Kalorienaufnahme und das begleitende Bewegungsprogramm (täglich 20 Minuten Trampolinspringen), den Abnehmeffekt bewirkt, womöglich ganz unabhängig vom „glykämischen Index“. Es gibt zwar im Artikel Links zu anderen Diäten, ob diese indes besser oder schlechter abschneiden, wird in diesem Beitrag nicht deutlich. Auch wenn es sich um einen Beitrag in einer Reihe über Diäten handelt, wäre es für Leserinnen und Leser von Vorteil, im Beitrag direkt vergleichende Informationen mit ähnlichen Diäten zu erhalten.

4. Die Belege/Studien werden ausreichend eingeordnet.

Der Beitrag reiht lediglich Behauptungen aneinander, ohne Belege dafür anzugeben. So etwa wenn es heißt, die Theorie hinter diesem Diät-Konzept sei „plausibel und wissenschaftlich überprüft“. Um welche Belege es sich dabei handelt und wie gut diese sind, erfahren Leserinnen und Leser nicht, weder für den behaupteten Nutzen beim Gewichtsverlust noch für die umstrittenen Effekte auf Blutdruck und Infarktrisiko, noch zu den behaupteten hohen Gewichtsverlusten.

Eine Stellungnahme der DGE von 2018 zur GLYX-Diät zeigt, dass die Evidenz-Lage von Experten (der DGE) als uneindeutig eingestuft wird. Im DGE-Bericht heißt es dazu: „Kritiker des GI bemängeln, dass der GI unabhängig von der Menge des Lebensmittels nicht aussagekräftig ist. Daher wird als weiteres Kriterium meist auch die Glykämische Last (GL) berechnet (GL = (GI/100) x Menge verzehrte Kohlenhydrate). Allerdings sind weder GI noch GL stoffspezifische Konstanten, sodass sich der Einfluss von Lebensmitteln auf die Blutglucose durch deren Zubereitung und durch andere Faktoren wie die Anwesenheit von Fett und Protein innerhalb einer Mahlzeit ändern kann.“

5. Es gibt weitere, unabhängige Experten und die Quellen sind transparent.

Expertenmeinungen werden im Beitrag nur anonym und zusammenfassend erwähnt, konkrete Personen gibt es nicht. Daher sind die Positionen nicht belegt und für Leserinnen und Leser nicht nachprüfbar. Es gibt auch keine weiterführenden Links zu Studien oder Institutionen wie etwa den Artikel zur GLYX-Diät der DGE.

6. Es wird auf mögliche Interessenkonflikte eingegangen.

Da keine Studien und Experten genannt werden, können auch keine möglichen Interessenkonflikte überprüft werden.

7. Es gibt eine Einordnung in den Kontext (Neuheit/Verfügbarkeit/Kosten/Herkunft o.a.)

Dass die Diät, die ja im Wesentlichen den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel beinhaltet, verfügbar ist und keine besonderen Kosten verursacht, muss nicht besonders herausgestellt werden. Wann die Diät erfunden wurde, steht gleich am Beginn des Beitrags, es wird also deutlich, dass sie schon gut zwanzig Jahre alt ist.

8. Die Fakten stimmen.

Im Artikel heißt es: „Um dauerhaft abzunehmen, ist aber ein möglichst konstanter Blutzuckerspiegel wichtig, da viel Blutzucker den Fettabbau behindert.“ Dies stimmt so nicht. Der Blutzuckerspiegel schwankt von Natur aus in einem gewissen Rahmen, zum Beispiel steigt er nach den Mahlzeiten an, ob man gerade abnimmt oder nicht. Der gesunde Stoffwechsel reguliert den Blutzuckerspiegel dabei so, dass er nicht zu hoch ist. Wenn der Blutzucker also nach dem Essen ansteigt, weil die verdaute Nahrung Zucker in die Blutbahn bringt, ist dies ein Signal für Sättigung und ein Signal für die Bauchspeicheldrüse, Insulin auszuschütten, das den Zucker aus dem Blut in die Zellen schafft. Dann sinkt der Blutzuckerspiegel wieder auf Normalniveau. (s. Silbernagel/Despopoulos, Taschenatlas Physiologie zu Insulin Seite 296 ff.).

Die Aussage „Ein ständig hoher Blutzuckerspiegel macht außerdem Hunger“ ist falsch, der niedrige Blutzuckerspiegel macht Hunger (s. Taschenatlas Physiologie, S. 296). Ein ständig hoher Blutzuckerspiegel ist ein Zeichen für Diabetes (gestörter Stoffwechsel), weil der Körper offensichtlich den Blutzucker nicht mehr abbauen kann. Der hohe Blutzucker wird von Betroffenen oft jahrelang nicht bemerkt (siehe z.B. auch diesen Beitrag bei Internisten im Netz).

Im Artikel heißt es: „Bei der Glyx-Diät sind hohe Gewichtsverluste nachweisbar.“ Laut der Bewertung der DGE, sind sie nicht nachweisbar, insbesondere, weil die Diät oft nicht lange genug durchgehalten wird. Deshalb gibt selbst der Artikel unten an, dass sie eher für Diabetiker geeignet ist als für (abnehmwillige) Nicht-Diabetiker, da sie, wenn überhaupt, ein gewisses Management der Insulinausschüttung erlaubt, aber nicht unbedingt das Abnehmen befördert.

9. Der Beitrag ist überwiegend eine journalistische Eigenleistung.

Da der Beitrag keinerlei Quellen nennt, können wir leider nicht überprüfen, ob der Text weitgehend selbst recherchiert ist oder überwiegend auf einer Pressemitteilung oder Pressematerial beruht. Daher wenden wir dieses Kriterium nicht an.

10. Der Beitrag vermittelt das Thema attraktiv.

Die strukturierte Darstellung und die bewusste Einfachheit machen es leicht, die Prinzipien der Diätform nachzuvollziehen. Für Leser, die einen schnellen Überblick gewinnen und nicht zu sehr ins Detail gehen wollen, ist dieses Format durchaus praktisch, was auch durch die Hervorhebung mancher Sätze durch eine gefettete Schriftart gelingt.

11. Das Thema ist verständlich erklärt.

Der Text ist in einer einfachen, gut verständlichen Sprache geschrieben. Das Frage-Antwort-Schema macht ihn leicht lesbar. Doch wird das zentrale Konzept, dass der Glyxdiät zugrunde liegt, nicht erklärt. Was der „Glykämische Index“ eigentlich ist, und wie dieser Fachbegriff definiert wird, bleibt offen. Es heißt nur „ist er hoch, handelt es sich um Lebensmittel, die viele Kohlenhydrate enthalten“. Das erscheint griffig, ist indes keine ausreichende Erklärung, das Konzept bleibt damit letztlich unverständlich. Da der Text ansonsten verständlich ist, werten wir nur knapp „nicht erfüllt“. In manchen Fällen fehlen auch Erklärungen, um einen Aspekt verständlich zu machen, wie etwa zur Aussage, dass „Glyx“ für Diabetiker möglicherweise besser geeignet sei als für Nicht-Diabetiker. Warum das so sein sollte, erschließt sich Lesern nicht.

12. Das Thema ist aktuell, relevant oder originell.

Der Beitrag ist Teil eines Ratgeber-Bereichs des Mediums, in der die vorgestellte Diät durchaus als relevant betrachtet werden kann, weil sie dank des griffigen Namens, sehr bekannt ist, auch wenn sie schon seit über zwanzig Jahren auf dem Markt ist. Ob es aktuellere Erkenntnisse zu dieser Diätform gibt, wäre für Leserinnen und Leser sicherlich von Interesse gewesen.

 

Journalistische Kriterien: 3 von 10 erfüllt

Wir werten aufgrund des Fehlens jeglicher Quellen und überprüfbarer Belege um einen Stern ab.


Kriterium erfüllt Kriterium erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht erfüllt | Kriterium erfüllt Kriterium nicht anwendbar


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